Sabine Oberhauser:

"2017 widme ich den Frauen"

Mit 2016 geht für Sabine Oberhauser (SPÖ) ein anstrengendes Jahr zu Ende – beruflich wie privat. Im Sommer wurden bei der tapferen Ministerin erneut Tumorzellen entdeckt. Einer Chemotherapie und zwei Operationen musste sich die 52-jährige Medizinerin daraufhin unterziehen. Zu allem Überfluss liegt die Gesundheitsministerin jetzt auch noch im Clinch mit den heimischen Ärzten. 

2017 soll alles anders werden: Oberhauser geht es gesundheitlich langsam besser, wie sie im MADONNA-Interview verrät. Gegenüber den Ärzten will sie hart bleiben und ihrem zweiten Ressort, den Frauen, will sie sich nächstes Jahr verstärkt widmen.  
 
Die Ärztekammer behauptet, Sie wollen die Hausärzte abschaffen. Sie bezeichnen das aber als Propaganda. Wovor haben die Ärzte dann Angst? 
Sabine Oberhauser: Ich glaube, dass das Wort Primärversorgungszentrum zu sperrig und missverständlich ist. Viele Ärzte denken, dass dann jeder seine Ordination aufgeben muss und alles zusammengelegt wird. So soll es aber nicht sein. Es kann auch so aussehen, dass drei Ärzte jeweils in ihrer Ordination bleiben, aber Sozialarbeiterin, Diätologin und Hebamme sich auf alle drei Ordinationen aufteilen und man die Patientendaten besser vernetzt. Viele Bürger sind verärgert, weil Ärzte sie nicht mehr nehmen können. Das besser zu koordinieren wäre gut, wir versuchen das auf gescheite Beine zu stellen.
 
Und wie reagieren Sie jetzt auf den Streik der Ärzte: Geben Sie nach, bleiben Sie hart?
Oberhauser: Was wir beschlossen haben, nehmen wir sicher nicht zurück! Jetzt geht es um die Frage, wie Primärversorgung gestaltet wird. Das verhandeln wir gerne mit der Ärztekammer. 16 Runden gab es bereits, dann sind die Funktionäre aufgestanden und haben gesagt „es reicht“. Mein Angebot steht jedenfalls noch. 

Den Streit werden Sie wohl ins nächste Jahr mitnehmen ... 
Oberhauser: Genau, wir wollen die Strukturen und rechtlichen Rahmenbedingungen für die Primärversorgung schaffen, damit junge Kollegen sich vielleicht doch entscheiden, diesen Weg gemeinsam mit uns zu gehen und dieses neue System zu probieren. 
 
Glauben Sie, dass junge Ärzte dafür offener sind?
Oberhauser: Vielleicht macht es Sinn, wenn sich hier die Generationen zusammentun und sagen: „Wir schauen uns das gemeinsam an.“ Wir wissen ja, dass bald sehr viele Ärzte in Pension gehen und wir sehr viele Junge brauchen werden, um unsere Versorgung aufrechtzuerhalten. Vor allem müssen wir herausfinden, unter welchen Bedingungen jene Kollegen arbeiten wollen, die jetzt erst mit der Ausbildung fertig geworden sind. Ob es noch andere Möglichkeiten gibt. Wir müssen hier auf die Jungen hören. 
 
Was ist noch für 2017 geplant?
Oberhauser: Wir wollen das Psychotherapiegesetz neu regeln und auch eine telefonische Gesundheitsberatung in Betrieb bringen. Dort kann man etwa anrufen, wenn man sich Sorgen macht, weil das Kind Fieber hat und man nicht weiß, wo man hingehen kann.
 
Sie sind ja seit diesem Jahr auch Frauenministerin. Es wirkt aber, als würden die Gesundheitsthemen bei Ihnen im Vordergrund stehen ... 
Oberhauser: Aber das Frauenressort schwingt überall mit. Nächstes Jahr will ich mich dem Frauenthema stärker widmen. Zwei Punkte, die mir wichtig sind, sind Gewalt gegen Frauen und Gehaltsschere. Ein Weg wären gesetzliche Quoten und Gehaltsoffenlegung. Natürlich nicht für die große, weite Welt – dafür ist Österreich viel zu neidanfällig – nur innerhalb der Betriebe.  Ich glaube, dass das wichtig wäre.
 
Also nächstes Jahr gibt es von Ihnen einen neuen Anlauf in Sachen Frauenquote?
Oberhauser:  Bei Quoten in Aufsichtsräten werden wir natürlich einen Anlauf starten, was sicher schwierig wird. Nichtsdestotrotz werde ich das vehement fordern.

Sie sind von Anfang an sehr offen mit Ihrer Krebserkrankung umgegangen, in den letzten Wochen aber selten aufgetreten. Wie geht es Ihnen jetzt? 
Oberhauser: Es geht langsam besser. Ich versuche, mit meinen Kräften hauszuhalten, also meine Termine wirklich auf den Job zu fokussieren. Ich meide also etwa Abendempfänge. Ich hoffe, dass ich jetzt über die Weihnachtsfeiertage ein bisschen Zeit habe, wieder zu Kräften zu kommen, Kondition zu tanken und dann im neuen Jahr durchzustarten. Es dauert, aber es wird.
 
Apropos, wie verbringen Sie denn Weihnachten?
Oberhauser: Mit meiner Familie und erstmalig auch mit meinem Enkel Emil, der mit  seinen acht Monaten schon kräftig bei uns umräumt. Mein Mann grillt wie immer den Truthahn auf der Terrasse. Es wird richtig gemütlich!
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