Die Formel für die Liebe

Wagen Sie das Intimitäts-Experiment

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Endlich glücklich sein, endlich die Liebe im Leben finden: Was das Geheimnis von erfüllten Beziehungen ist und warum heutzutage der Ehepartner auch gleichzeitig der beste Freund sein soll, lesen Sie hier.

Die Liebe hat den Ruf, undurchschaubar, kompliziert und ­irrational zu sein.  Das mag in der Theorie auch zutreffen, dennoch gibt es Formeln, die dieses Gefühl kultivieren und fördern können. In erster Linie geht es dabei darum, zu lernen, sich selbst Liebe, Respekt und Verständnis entgegenzubringen. Gerade diese Beziehung ist eine der herausforderndsten überhaupt. In ihrem neuen Buch „Die Beziehungsformel“ schreibt Psychotherapeutin Monika Wogrolly, dass „unsere Gedanken bestimmten Mustern und inneren Fahrplänen folgen“. Und während unser Denken dementsprechend „lieber in bewährten Bahnen“ bleibt, kann dies im besten Fall unser Selbstbild in puncto Beziehung stützen – im schlechtesten Fall aber blockieren und stören.   
 
Der Weg zu sich selbst
Gleichzeitig geht es darum zu erkennen, dass es „nie zu spät ist, aus einem belastenden Beziehungsmuster zu erwachen“. Doch dabei ist es unerlässlich, sich die eigene Beziehungsformel ins Bewusstsein zu führen, so Wogrolly. „Manchen Menschen ist ihre Formel auf Anhieb klar. Man braucht nur danach fragen. Sie sagen dann zum Beispiel „Ich weiß, dass ich perfektionistisch bin. Aber so bin ich nun mal“. Oft hat man sich dann bereits an die eigene Last gewöhnt und kann diese auch nicht mehr von der eigenen Person trennen. In ihrem Buch macht Monika Wogrolly klar, wie wichtig es auch im Hinblick auf Paarbeziehungen ist, immer wieder das Verhältnis zu sich selbst zu hinterfragen.                   

                      
Ein Selbstexperiment
Eine andere Formel zum Liebesglück verspricht Psycho­loge Arthur Aron. Seiner Methode zufolge ist Intimität die Basis der Liebe und diese soll sich auch zwischen einander völlig Fremden schnell und einfach herstellen lassen. Dazu entwarf das Forschungsteam einen Katalog aus 36 Fragen, die in drei Sets unterteilt sind. Auch wenn das Frage-Antwort-Spiel zunächst sehr harmlos startet, so werden die Fragestellungen bald persönlicher und vertrauter. Durch die Beantwortung, so die Theorie der Psychologen, öffnet man sich seinem Gegenüber, macht sich dabei auch verwundbar. Durch nur 36 Fragen erfährt man binnen kürzester Zeit mehr vom anderen, als man sonst erst nach Wochen oder Monaten einer Beziehung erfahren hätte. Dieses im Schnellverfahren entstandene Gefühl der Nähe, der Intimität und des Vertrauens lässt Liebe entstehen, oder eben auch nicht, wenn die jeweiligen Antworten überhaupt nicht zueinander passen. Um ihre These zu untermauern, lud das Forschungsteam Frauen und Männer in ihr Labor und setzte die Wildfremden einander gegenüber. Diese gingen zunächst willkürlich zu Paaren zusammengewürfelt den Fragenkatalog durch. Anschließend blickten sie einander für exakt vier Minuten in die Augen. Dieser Augen-Blick soll die neu entstandene Intimität weiter stärken.  Das Ergebnis: Unter den Teilnehmenden bildeten sich vier Paare, eines davon heiratete sechs Monate später.


BFF mit dem Ehepartner
Apropos Ehe: Unter verheirateten Paaren herrscht derzeit die Tendenz dazu, den jeweiligen Partner auch freundschaftlich zu kategorisieren. „Du bist immer noch mein bester Freund“, meinte Michelle Obama zu ihrem Mann in einem Instagram-Posting zu ihrem 25. Jahrestag. Als Justin Timberlake sich kürzlich bei einer Award-Show einen Preis abholte, bedankte er sich bei „meiner besten Freundin, meiner Lieblings-Kollaborateurin Jessica“. Dem gegenüber stehen auch Blog-Beiträge und Artikel, die das Gegenteil propagieren: „Warum deine Ehefrau nicht deine beste Freundin sein sollte“. Was stimmt nun? Wissenschafter John Helliwell, Gründer des „World Happiness Report“, stellt fest, dass nur echte und enge Freunde das eigene Wohlergehen fördern können. In einem Zeitraum von neunzehn Jahren befragten er und sein Team 30.000 Menschen zu ihrem Glück. Verheiratete zeigten sich im Allgemeinen zufriedener und besser im Umgang mit alltäglichem Stress. Ein anderer Teil der Studie fragte nach dem jeweiligen besten Freund der Versuchsperson. Den­jenigen, die ihren Ehepartner angaben, schreibt er eine doppelt so hohe Lebenszufriedenheit zu. Übrigens gaben mehr Männer als Frauen ihre jeweiligen Partnerinnen als beste Freunde an. Laut Helliwell „verständlich, da Männer dazu neigen, weniger Freunde zu haben“. Ist es also zu empfehlen, seinem Ehepartner diese freundschaftlichen Gefühle entgegenzubringen? „Keinesfalls“, so Dr. Helliwell. „Die Vorteile einer Ehe sind stark, auch für diejenigen, die jede Menge außereheliche Freundschafts-Bande haben. Dennoch steigt das Glück für diejenigen, die ihren Ehemann oder ihre Ehefrau als engen Freund oder Freundin sehen. Es ist ein Bonus.“

36 Fragen, die zur Liebe führen können...
  • Wenn Sie irgendeinen Menschen dieser Welt zum Essen einladen könnten, wer wäre es?
  • Wären Sie gerne berühmt? Wenn ja, wie?
  • Wenn Sie einen Telefonanruf machen, üben Sie manchmal, was Sie sagen werden? Warum?
  • Was würde für Sie einen perfekten Tag ausmachen?
  • Wann haben Sie das letzte Mal für sich selbst gesungen? Wann für jemand anderen?
  • Wenn Sie 90 Jahre leben könnten und für die restliche Zeit entweder den Verstand oder den Körper einer 30-jährigen Person behalten könnten, was würden Sie wollen?
  • Haben Sie eine geheime Ahnung, wie Sie sterben werden?
  • Nennen Sie drei Dinge, die Sie und Ihr Gegenüber gemeinsam zu haben scheinen.
  • Wofür sind Sie im Leben am dankbarsten?
  • Wenn Sie etwas daran ändern könnten, wie Sie großgezogen wurden, was ­wäre es?
  • Nehmen Sie sich vier Minuten Zeit, um ­Ihrem Gegenüber Ihre Lebensgeschichte so detailreich wie möglich zu schildern.
  • Wenn Sie morgen mit einer neuen Fähigkeit aufwachen könnten, welche wäre das?
  • Wenn Ihnen eine Kristallkugel die Wahrheit über Sie selbst, Ihr Leben, Ihre Zukunft oder anderes sagen könnte, was würden Sie gerne wissen?
  • Gibt es etwas, von dem Sie schon lange träumen, es zu tun? Warum haben Sie es noch nicht getan?
  • Was ist Ihre größte Errungenschaft im Leben?
  • Was schätzen Sie in einer Freundschaft am meisten?
  • Was ist Ihre wertvollste Erinnerung?
  • Was ist Ihre schlimmste Erinnerung?   
  • Wenn Sie wüssten, dass Sie in einem Jahr plötzlich sterben werden, würden Sie irgendetwas daran ändern, wie Sie jetzt leben? Warum?
  • Was bedeutet Ihnen Freundschaft?
  • Welche Rolle spielen Liebe und Zuneigung in Ihrem Leben?
  • Wechseln Sie sich ab, jeweils fünf positive Eigenschaften Ihres Gegenübers aufzuzählen.
  • Wie nahe und warmherzig ist Ihre Familie? Glauben Sie, dass Ihre Kindheit glücklicher war als die anderer Menschen?
  • Wie ist die Beziehung zu Ihrer Mutter?
  • Machen Sie jeweils drei wahre Aussagen, die „wir“ beinhalten. „Wir sind beide in diesem Raum und fühlen …“
  • Vervollständigen Sie diesen Satz: Ich wünschte, ich hätte jemanden, mit dem ich … teilen kann.
  • Wenn Sie ein enger Freund Ihres Gegenübers werden sollten, was wäre wichtig für sie oder ihn über Sie zu wissen?
  • Sagen Sie Ihrem Gegenüber, was Sie an ihm oder ihr mögen. Seien Sie dabei ehrlich und sagen Sie etwas, das Sie wahrscheinlich nicht zu jemandem, den Sie gerade getroffen haben, sagen würden.
  • Teilen Sie einen peinlichen Moment Ihres Lebens.  
  • Wann haben Sie zuletzt vor einer ­anderen Person geweint? Und wann alleine?
  • Was mögen Sie jetzt schon an Ihrem ­Gegenüber?
  • Was ist zu ernst, sodass man darüber keine Witze machen sollte?
  • Wenn Sie heute Abend sterben und keine Gelegenheit mehr haben würden, mit jemandem zu reden – was würden Sie am meisten bereuen, nicht gesagt zu haben? Und warum haben Sie es noch nicht ­gesagt?
  • Ihr Haus und darin alles, was Sie besitzen, brennt. Menschen und Tiere sind in Sicherheit, und Sie haben die Möglichkeit, noch ein Ding zu retten. Was wäre das und wieso?
  • Von all den Menschen in Ihrer Familie – wessen Tod würde Sie am meisten treffen?
  • Teilen Sie ein persönliches Problem und fragen Sie Ihr Gegenüber, wie er oder sie damit umgehen würde. Bitten Sie auch Ihr Gegenüber zu reflektieren, wie Sie wohl zu dem Problem stehen, das Sie gewählt haben.

Buchtipp:  „Die Beziehungsformel“ von Monika Wogrolly ist erschienen im Ueberreuter Verlag. Erhältlich um 19,95 Euro. Zur Autorin. Die 50-jährige Grazerin ist promovierte Philosophin und Psychotherapeutin. Ihre Erfahrungen aus der Praxis hat sie in dem neuen Buch „Die Beziehungsformel – Endlich glücklich lieben“ verarbeitet. Darin finden Sie Anstöße zur Selbsterkenntnis und Bewusstmachung von Beziehungstypen, wie auch Fallbeispiele aus dem echten Leben, garniert mit wissenschaftlichen Analysen aus Psychologie, Philosophie wie auch Literaturwissenschaft.

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© oe24

Ueberreuter Verlag
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