Speed-Dating: Ein Selbstversuch

Wie lerne ich ihn kennen – in fünf Minuten?

Speed-Dating: Ein Selbstversuch

Den Traummann beim organisierten Treffen im Schnelldurchlauf kennenzulernen, ist angesagter denn je. MADONNA machte den Test. Mit erstaunlichem Ergebnis.

Beim 'City Speed-Dating' in Wien geht es locker zu. (c) KernmayerChristofer ist auf den ersten Blick ein netter Kerl. Ein bisschen schüchtern, schließe ich aus seinem feuchten Händedruck. Doch tapfer stellt er sich in Speed-Dating-Manier vor: „Ich bin M 1, Christofer – mit f.“ Gekonnt repliziere ich: „Eva, F 6.“ Danach trägt jeder die Eckdaten in ein vorgefertigtes Formular.

Die nächsten fünfeinhalb Minuten könnten über mein zukünftiges Liebesleben entscheiden, denn so lange haben der Flugbegleiter und ich Zeit, Informationen uns selbst betreffend auszutauschen. Fünfeinhalb Minuten, die darüber entscheiden, ob wir uns wiedersehen – dann müsste man auf dem Zettel hinter M 1 ein „Ja“ ankreuzen – und ob später sogar „mehr“ draus wird Ich versuche also, mich von meiner Schokoladenseite zu präsentieren.

Speed-Dating-Veteran
Doch trotzdem will es zwischen dem Flugbegleiter und mir nicht recht funken. Und auch M 12 – ich habe in der Zwischenzeit elf Mal fünfeinhalb Minuten über meine Hobbys (welche eigentlich?), meine Frühstücksvorlieben und meinen Beruf Smalltalk geführt – überzeugt mich nicht. Thomas nämlich outet sich als Speed-Dater der ersten Stunde.

Seit zehn Jahren mache er das. Die Richtige sei nie dabei gewesen, und wenn ja, wie solle er die erkennen? Überhaupt habe er bei der letzten Beziehung immer drauf gewartet, dass sie endlich „in Gang“ komme. Zwölf Jahre hat das gedauert! Auch unsere Zeit ist jetzt – Gott sei Dank – rum, meine Schale mit Gummibärchen von M 12 leer gegessen, mein Mund staubtrocken und fusselig geredet.

Notizen
Bin jetzt verdammt froh, dass ich mir nach jeder Runde – dreizehn Männer habe ich in zwei Stunden gedatet – Notizen gemacht habe. Da war Wolfgang, M 11, der romantisch sensible Typ mit schütterem Haupthaar. Irgendwas im Medizintechnik-Bereich administriert er und hat ein Buch über seine Motorrad-Reise durch Afrika verfasst.

M 2 war auch sympathisch. Als einziger der 13 Beziehungswilligen ist er schon mal verheiratet gewesen. Zwei Jahre ist das her und Vitus jetzt wieder „bereit“ für eine neue Liebe. Doch aus M 5, Wolfgang (IT-Consulter), und mir wird auch nichts. Er geht „mindestens“ dreimal die Woche laufen. Für ihn kommt nur eine Sportliche infrage. Ich nicht.

Schauen wir mal
Doch zwischen Moritz und mir lief’s ganz gut. Das Gespräch war ungezwungen, und die Standards haben wir sowieso gleich übersprungen. Deswegen kreuze ich bei M 8 mutig „Ja“ an. Schauen wir mal , was draus wird...