Nach der Geburt: Der Weg zurück zum Sex

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Nach der Geburt: Der Weg zurück zum Sex

Nichts bleibt, wie's war - schon gar nicht die Sexualität. Was jedoch nicht bedeutet, dass nach einer Geburt Flaute herrschen muss. Wann und wie das Lovelife wieder in Schwung kommen kann. 

Ein Déjà-vu: Gefühle wie damals, als man wusste, bald passiert 's - das erste Mal! Dutzende Fragen gehen durch den Kopf. Ist mein Körper bereit? Tut das erste Mal nach der Geburt weh? Was werde ich empfinden? Und wem stellt man diese Fragen? Hat die Frauenärztin/der -arzt dafür Zeit? Wissen Familienmitglieder und Freundinnen fundierten Rat? Oder wendet man sich doch lieber an Dr. Google? Birte Glang, Schauspielerin, Mutter von zwei kleinen Kindern und Expertin für prä- und postnatale Fitness, weiß aus Erfahrung, dass rund ums Thema Kinderkriegen und Sex viel zu viele Fragezeichen stehen und das Fragenstellen oftmals als unangenehm empfunden wird. Daher die Idee zu ihrem neuen Ratgeber "Elternsex". Gemeinsam mit Hebamme, Gynäkologen und Paar-sowie Psychotherapeutin konzipierte Glang einen Guide mit Profi-Ratschlägen sowie lustfördernden Tipps und (Beckenboden-)Übungen. Antworten auf die am häufigsten gestellten Fragen zum Thema liefert sie gleich hier:

Wann darf ich wieder?

Verlauf der Geburt entscheidend. "Die Phase der Rückbildung", erklärt Frauenarzt Dr. med. Christopher Blanck, "wird offiziell meist mit sechs Wochen veranschlagt. In der Praxis dauert sie aus meiner Erfahrung für die meisten Frauen aber länger. Sex direkt nach den sechs Wochen wird deshalb von mir auch nicht unbedingt empfohlen -ist aber erlaubt. Die Scheide ist dann meist noch nicht vollständig abgeheilt, und der Beckenboden sollte trainiert werden. Wie problemlos und schnell die Rückbildung vonstattengeht, kommt vor allem auf den individuellen Verlauf der Geburt an: War es eine Vaginalgeburt oder Kaiserschnitt, eine Geburt mit Dammschnitt oder auch Saugglocke?" Generell gilt, wenn etwas genäht wurde, haben die Nerven nach nur sechs Wochen höchstwahrscheinlich noch nicht die volle Funktion wiedererlangt. Vor allem diejenigen, die mittels Kaiserschnitt entbunden haben, sollten sich Zeit zur Heilung geben. Zu intensive Bewegungen können Narben aufreißen lassen.

Versiegen des Wochenflusses. Ein Indikator, der anzeigt, ob der Körper schon bereit ist, ist der Wochenfluss. "Häufig", so die Autorin, "wird von medizinischer Seite geraten -unabhängig von Spontangeburt oder Kaiserschnitt -, abzuwarten, bis der Wochenfluss versiegt ist. In diesem Zeitraum heilen nämlich die Verletzungen an der Gebärmutter, die durch die Ablösung der Plazenta entstanden sind. Der Wochenfluss ist das Wundsekret. Wenn ihr aber schon während des Wochenflusses Lust auf Sex bekommt, spricht theoretisch nichts dagegen, solange ihr euch dabei wohlfühlt und keine Schmerzen oder Blutungen habt. Meistens wird empfohlen, zur Sicherheit in dieser frühen Zeit mit Kondom zu verhüten, um so Infektionen an den teils noch frischen inneren Wunden vorzubeugen."

Fokus auf den Beckenboden. "Dieser", so Hebamme Claudia Leder-Appiah, "muss wieder gut funktionieren." Wie fit der Beckenboden ist, wird bei der Abschlussuntersuchung durch Gynäkolog:innen gecheckt. Die Ärzte geben auch die Freigabe für Rückbildungsgymnastik.

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Was tun, wenn's weh tut? 

Neues probieren! Es gibt einige körperliche Veränderungen, die die Geburt mit sich bringen kann, die zu Unwohlsein und Schmerzen führen können: "Zum Beispiel", so Glang, "kann der Nervus pudendus, der Schamnerv, noch überdehnt sein. Es braucht eine Weile, bis sich das wieder normalisiert. Oder wenn eine Senkung der Organe vorliegt, kann die ein oder andere Stellung etwas schmerzhaft sein. Dann probiert einfach eine andere Position aus." Expertentipp: "Für das erste Mal nach der Geburt sind die Stellungen am besten geeignet, bei denen die Scheidenwand nicht zu sehr gereizt wird und der Partner nicht zu tief eindringt - z. B. die Löffelchenstellung."
Gut zu wissen: Einer Blasen-, Darm- oder Gebärmuttersenkung - häufig sinken die Organe auch gemeinsam etwas ab, da sie zusammenhängen - kann meist sehr effektiv mit Beckenbodenübungen begegnet werden. Wenn nach den ersten Monaten der Beckenboden gestärkt ist, können die Übungen mit Vaginalgewichten erweitert werden.

Was kann ich mit meinen Brüsten tun? 

Auslaufschutz. "Sexuelle Erregung lässt die Milch fließen", so die Autorin. Das liege daran, dass das Hormon Oxytocin sowohl bei der Produktion von Muttermilch als auch beim Orgasmus eine wichtige Rolle spielt. Was hilft? "Geht, vorbereitet' ins Liebesspiel. Das heißt, ihr stillt vorher bzw. pumpt Milch ab. Übrigens, je öfter ihr stillt, desto weniger wahrscheinlich ist das unkontrollierte Überfließen der Brüste. Ist der Sex eher spontan oder ihr stellt fest, dass es trotz vorherigem Stillen/Abpumpen tropft, könnt ihr mit den Händen oder Fingern auf die Brustwarzen drücken. Bei manchen Frauen hilft das schon, um den Milchfluss für die nächste Zeit zu stoppen", so Glang.

Wie fühle ich mich besser in meinem Körper? 

Richtige Pflege. "Wie beim Beckenboden", so die Autorin, "könnt ihr eurem Körper und eurer Haut durch zielgerichtetes Training, gesunde Ernährung und Ähnliches Hilfestellungen bieten, um sich bestmöglich zu regenerieren. Z. B.: Gebt darauf acht, nicht zu lange und zu heiß zu duschen, das trocknet die Haut aus." Besser: Wechselduschen und die Haut danach mit Spezialölen pflegen. "Am besten", so die Autorin, "trägt man nach dem Duschen das Öl auf die noch feuchte Haut auf. Dabei könnt ihr eurer Haut gleich noch eine kleine Massage mitgeben, denn das fördert die Durchblutung und somit die Regeneration der Haut. Cremt euren Bauch am besten täglich zweimal ein."

Wird meine Vagina je wieder so wie früher? 

Mit etwas Arbeit schon. Die Vagina weitet sich um bis zu einem Zehnfachen durch die Geburt! "Doch schon wenige Stunden nach der Entbindung", so Glang, können wir uns nicht mehr vorstellen, dass da mal ein Kind mit einem Durchschnittskopfumfang von 33 bis 38 Zentimetern durchgepasst hat. Wir haben es mit einem Muskel zu tun, der sehr elastisch ist. Nach der Geburt brauchen die Scheidenmuskeln einfach einige Zeit, bis sie sich in den (fast) Normalzustand zurückgeschrumpft haben. Diesen Rückschrumpfungsprozess kann man durch bestimmte Übungen, die auch teilweise in der Rückbildungsgymnastik gemacht werden, beschleunigen. Insbesondere Beckenbodentraining eignet sich hier gut." Für den Sex-Einstieg empfiehlt sie ein "praktisches Hilfsmittel":" Mit einem Penisring fühlt sich der Penis größer an."

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Darf das Baby im Zimmer sein? 

Geschmackssache. "Ein erst einige Wochen altes Baby", so die Autorin, "sieht nur sehr verschwommen. Erst etwa ab dem dritten Monat erkennt es Menschen und ab dem vierten Monat umliegende Gegenstände." Generell gilt: "Ihr solltet immer darauf achten, was sich für euch als Paar gut und vertretbar anfühlt und natürlich auch, ob euer Baby möglicherweise unruhig wird, wenn ihr Sex habt. Das, was sich richtig anfühlt, ist auch richtig!"

Noch mehr Tipps: "Elternsex. Wie euer Liebesleben wieder in Schwung kommt" von Birte Glang. Verlag Junior Medien, 20 Euro.

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