Kuss-Studie

Küssen ist intimer als Sex?!

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Studie: Die Hauptfunktion des Küssens ist nicht die Initiation sexueller Handlungen, sondern die Vermittlung von Gefühlen und Emotionen.

 Ein Kuss am Morgen zum Aufwachen und ein Gute-Nacht-Kuss am Abend. Ein Kuss zur Begrüßung und ein Abschiedskuss. Küssen ist das A und O in einer Beziehung. Doch warum kommt es in einer Partnerschaft zu so vielen Küssen? Lange ging man in der Forschung von der Hypothese aus, dass der einzige Grund und das Hauptziel des Küssens die Erhöhung der Erregung beziehungsweise Steigerung der Lust wäre. Jedoch steckt nicht hinter jedem Kuss die Intention eine sexuelle Handlung zu initiieren. Folglich muss es noch andere Funktionen von Küssen geben.

Studie zu den Funktionen des Küssens

Ein Forschungsteam der Fakultät für Psychologie an der Universität Oxford startete eine Studie, deren Ziel es war herauszufinden, was die Funktionen von Küssen in Beziehungen sind. Dafür wurde ein internationaler Online-Fragebogen erstellt, bei dem 308 Männer und 594 Frauen im Alter von 18 bis 63 Jahren Fragen zur Bedeutung von Küssen in unterschiedlichen Kontexten einer Partnerschaft beantworteten. Als Zusammenfassung der Forschung wurden folgende Funktionen ausfindig gemacht. 

  • Erregung fördern und sexuelle Handlungen initiieren

  • Bewertung der Eignung eines potentiellen Partners/einer potentiellen Partnerin

  • Vermittlung von Gefühlen der Bindung

Außerdem wurde festgestellt, dass die Häufigkeit des Küssens in einer Partnerschaft Auskunft darüber geben kann, wie glücklich die Liebenden in der Beziehung sind. Je öfter geküsst wird, desto zufriedener die Partner/innen.

Küssen für sexuelle Erregung

Das Resümee der Studie zeigt, dass die Testpersonen Küssen unter anderem als erregungsfördernd empfinden und damit sexuelle Handlungen initiiert werden. Jedoch brachten die Ergebnisse keine Beweise für die ursprüngliche Hypothese, dass die Hauptfunktion des Küssens in der Erhöhung der sexuellen Erregung liegt. Natürlich ist nicht abzustreiten, dass Küsse die Lust anregen können und oft Teil des Vorspiels sind. Allerdings gibt es noch ganz andere Gründe zu küssen. 

Wie bewertet man den/die Partner/in durch das Küssen?

Küsse sind durchaus informativ, denn man lernt dabei die andere Person besser kennen. Allerdings geht es dabei nicht nur darum, ob das Küssen an sich harmoniert, sondern man schätzt unbewusst den potentiellen Partner/die potentielle Partnerin währenddessen ein. Mit Mund und Nase werden beim Küssen Pheromone und andere chemische Botenstoffe aufgenommen, die Aufschluss über Gesundheit und Fruchtbarkeit geben.

Die Redewendung sich gut riechen können ist demnach nicht an den Haaren herbeigezogen, denn aufgrund des Geruchs wird der/die andere hinsichtlich der Kompatibilität bewertet. Besonders interessant: Während des Küssens wird Speichel und somit DNA zwischen den Partner/innen ausgetauscht. Anhand des Geschmacks stellt der Körper fest, welche Erbinformationen im Speichel enthalten sind. Angezogen fühlt man sich vor allem von den Kusspartner/innen, deren DNA besonders verschieden zu der eigenen ist. Dadurch werden nämlich die Chancen erhöht, dass ein potentielles zukünftiges Kind gesund und ohne genetische Mutationen zur Welt kommt.

Küsse sind intimer als Sex?!

Durch das Küssen wird Intimität hergestellt, Behauptungen zufolge sogar mehr Intimität als bei Sex. Im Fokus stehen beim Küssen das Gesicht und der Kopf, mit dem man sowohl sieht und hört als auch schmeckt, riecht und fühlt. Alle fünf Sinne sind vereint und fokussieren sich auf den/die Partner/in und den Kuss. Man befindet sich von Angesicht zu Angesicht und kann sich besonders nah sein. Man blickt dem/der anderen in die Augen und muss sich dem Gegenüber aktiv zuwenden, um ihn/sie zu küssen. Im Gegensatz zum Geschlechtsakt, werden bei Küssen immer auch Emotionen transportiert und es wird eine Verbindung hergestellt.   

Während es beim Küssen also vor allem um Gefühle geht, ist Sex eine körperliche Leistung. Man kann sich dafür Routinen und Bewegungsabläufe antrainieren und immer wieder aufs Neue abrufen. Beim Küssen hingegen gibt es keine Routinen, man muss sich auf jede/n Partner/in neu einstellen und es fällt sofort auf, ob Anziehung vorhanden ist. Denkt man an Sex zurück, erinnert man sich zwar, ob er gut war oder nicht, und welche Stellungen zum Einsatz kamen, aber bei Küssen werden die empfundenen Emotionen zurück ins Gedächtnis gerufen. 

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