Geldfragen in der Partnerschaft

Partnerschaft & Finanzen

Geldfragen in der Partnerschaft

Im Volksmund heißt es: Geld regiert die Welt, aber kein Herz! Dass die Lebensbereiche „Konto“ und „Liebe“ durchaus korrelieren, belegen zwei Autoren in ihren neuesten Werken, die sich eingehend dem Verhältnis von Geld und Liebe sowie den Problemen damit widmen.

Stundenhotels, Fremdgehen, Prostitution: Die verzwickte Beziehung von Geld und Liebe geht weit über die käufliche Liebe und die Grenzen des Verbotenen hinaus, bis tief hinein in die Beziehungsgefilde einer jeden als normal erscheinenden Beziehung. Denn: Das gemeinsame Konto ist – wie der erste gemeinsame Urlaub – oft eine der größten Herausforderungen für eine an sich funktionierende Beziehung. Beim Geld hört sich oft die Liebe auf, denn in einer Welt, regiert vom Streben nach Glück durch immer mehr Konsumgüter, dem Finden großer Gefühle auf Online-Partner-Börsen, gerät die uneingeschränkte Selbstlosigkeit innerhalb von Partnerschaften mehr und mehr ins Hintertreffen.   

Bredouille
Wie präsent der Zusammenhang von Liebe und Geld in Beziehungen heutzutage oft sein kann, zeigen die Publikationen des Buchmarktes, der ja (oft) druckt, was der Leser lesen will. Und der Leser ist derzeit auf der Suche nach einer ganz bestimmten Antwort: Wie bringe ich mein Bankkonto und meine große Liebe unter einen Hut? Passende Lösungsvorschläge liefern dazu aktuell der Wiener Journalist Robert Misik (52) und der in Hamburg lebende Paartherapeut Michael Mary (64). Mary ist in seinem Buch „Die Liebe und das liebe Geld. Vom letzten Tabu in Paarbeziehungen“ auf der Suche nach genau dieser Antwort, nämlich „wie man über Geld spricht, ohne die Liebe zu riskieren“. Dabei beschreibt er nicht nur die Rolle, die Geld in Paarbeziehungen einnimmt, sondern gibt auch „individualisierbare Anregungen“ zum Thema, aufgrund derer „ein Paar selbst entscheiden kann, wie es mit dem Thema umgehen möchte.“ Im Gegensatz dazu hat sich Journalist Misik in dem neuen Werk „Liebe in Zeiten des Kapitalismus“ 33 Begriffe hergenomen, mit denen er ein Panorama der Jetztzeit zu schaffen versucht. Die Thematiken, die sich für ihn in 17 Jahren Berufserfahrung manifestiert haben, reichen von „Liebe bis Kollaps, von Angst bis Freiheit, von Erfolg über Ironie bis Identität, Warenkonsum oder Integration – und Glück“.


Liebes-Ratschläge
Mary gliedert sein Werk zuerst in Beschreibungen von beispielsweise den drei Dimensionen von Paarliebe, den Arten von Beziehungsgeld und mehr, bis er übergeht zu konkreten Konfliktsituationen in Paarbeziehungen. Für ein besseres Verständnis seiner Theorien bringt Mary dem Leser seine Sachverhalte anhand von praktischen Beispielen näher. So ist die Beziehung zwischen einer reichen Frau und einem Handwerker schon einmal die Ausgangslage, zu erklären, warum man sich trotz Liebesgeschenken keine freundschaftlichen Wohltaten erwarten darf.
Falsche Erwartungen. Mary sieht hier gleich zwei Haken: „Zum einen kann man etwas, das man aufgrund einer Forderung erhält, nicht als Geschenk empfinden. Zum anderen kann man das, was man aufgrund einer Forderung schenkt, nicht als Geschenk meinen.“ Ganz unabhängig von jeglichen Sugardaddy-Beziehungen ist es in ganz normalen Beziehungen durchaus gang und gebe sich Zuwendung oder Zärtlichkeiten durch Geschenke zu erkaufen. Der Partner belohnt Materielles mit Zeit zu zweit. „In dem Fall wird die partnerschaftliche Liebe Tauschlogik auf der emotional-leidenschaftlichen Ebene angewendet, was vielleicht verständlich, aber ebenso sinnlos ist“, konstatiert Mary. „Geld ist nicht gleich Geld“, sagt der Autor. Es hat auch in freundschaftlichen Beziehungen Sinn, hier seine verschiedenen Ebenen von Geld und Bindungen unterscheiden zu lernen. Denn im Gegensatz zu vielleicht noch vor wenigen Jahrzehnten gehen wir heute Beziehungen „emotional und nicht rational“ ein. Ist die Frage also: Was sind uns Emotionen eigentlich wert?


Liebe in Zeiten...

Im Gegensatz zu Mary gliedert der Wiener Autor Robert Misik mit seinen 33 Themenbereichen noch mehr gesellschaftspolitische Welten in seine Ausführung zu Liebe und Kapitalismus ein. So bringt er das Thema mit den Hashtags #Liebe #Kapitalismus und #Tinder­isierung auf den Boden. Misik sagt, dass sich der zeitgenössische Kapitalismus durch die Eigenart auszeichnet, dass wir „permanent eine Auswahl haben, die uns tendenziell überfordert. Man kann das auch die Tinderisierung des Alltags und jedweden Sozialverkehrs nennen.“ Der Autor koppelt diese Entwicklung mit dem steigenden Konsumbedürfnis, da vor 120 Jahren bei den Gütern, die normale Leute konsumierten, rein ihre funktionale Seite von Bedeutung war: „Man kaufte keine Marke, sondern Hosen.“ So geht es auch der Liebe: Man hat Auswahl wie nie – und nichts ist fix. „In der hedonistischen Vergnügungsgesellschaft ist die Liebe befreit und zugleich neu eingekerkert“, stellt Misik fest. Im Ozean der Auswahl fällt es schwer, sich zu entscheiden, „und wer mag sich schon zu einem Partner bekennen, wenn übermorgen um die nächste Ecke ein noch besserer Partner kommen könnte“. Der Bösewicht per se: Technologie-Tools von Parship bis Tinder, die Grenzenlosigkeit potenzieller Erlebnisse versprechen. „In diesen Technologien wird der Geist des Konsumismus eklatant, der in unserem sozialen Verkehr längst drinnen steckt, den wir aber zugleich peinlich berührt zu ignorieren versuchen.“ Ursprung der Problematik ist laut Misik aber nicht beispielsweise Tinder selbst, sondern diese Apps sind „Resultat eines neuen Mindsets und zugleich dessen Verschärfung. Sie hacken unser Leben.“


Kommunikation
So wie viele Beziehungen ist also auch die Liaison von Geld und Liebe eine komplizierte. Was beide Autoren jedoch bestätigen: Der gesellschaftliche Wandel sorgt für die Verwirrung. Was Autor Mary allen Beziehungsmenschen versichern kann: Reden über Geld ist möglich, auch ohne die Liebe dabei zu beschädigen.

Buchtipps:
Der renommierte Sachbuchautor Robert Misik macht sich Gedanken zu unserer Gegenwart. Liebe in Zeiten des Kapitalismus, erschienen bei Brandstätter am 19. Februar um 19,90 Euro.
Buch © Brandstätter

Die Neuauflage des Taschenbuchs Die Liebe und das liebe Geld handelt vom letzten Tabu in Paarbeziehungen: Geld. Erschienen bei Piper am 1. März um 11 Euro.
Buch © Piper
 

 

 

 

 

 

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