Wolke Sieben

Frühling der großen Gefühle

15.03.2013


Das Geheimnis der Liebe. Viele Stars schweben derzeit auf Wolke sieben. Warum wir uns zu dieser Jahreszeit besonders schnell verlieben, was dabei mit uns passiert und wie wir das Wissen um „Frühlingsgefühle“ nutzen können.

Zur Vollversion des Artikels
 
Zur Vollversion des Artikels

Man könnte meinen Heidi Klum sei das erste Mal verliebt. Mit einem verklärten Lächeln schmiegt sich die bald 40-Jährige  im Park an ihren starken Mann Martin Kristen, umarmt ihn stürmisch an der Supermarktkassa, tollt gelöst mit ihm am Strand und kichert wie ein Teenie. Bei Heidi und vielen anderen Promis sind  die Frühlingsgefühle ausgebrochen. Tag für Tag werden neue Pärchen von den Paparazzi erwischt. Auf der Liste der frisch Verliebten: Auch Heidi-Ex Seal, Pippa Middleton und Marc Anthony.
Zufall? Oder liegt es wirklich an der Jahreszeit? Gibt es die berühmten Frühlingsgefühle – aus Expertensicht – denn überhaupt? „Man kann Frühlingsgefühle“, so Paartherapeutin Evelin Brehm (www.brehmsimago.eu), „ nicht messen, aber man weiß, dass Melatonin mit unser Stimmung und den Glücksgefühlen zusammenhängt.“ Hormonspezialist Univ. Prof. DDr. Johannes Huber erklärt: „Die Hormone hängen von der Lichteinstrahlung ab. Dadurch können auch jene Gefühle, die mit der Fortpflanzung zu tun haben, mit der warmen Jahreszeit verstärkt werden. Melatonin, das im Gehirn gebildet wird, unterdrückt normalerweise die Geschlechtsdrüsen, wodurch verhindert werden soll, dass sich im Winter – also in ungünstigen Zeiten – die Säugetiere fortpflanzen. Wenn die Tage nun wieder länger werden, wird das Melatonin durch das Licht unterdrückt und die Geschlechtsdrüsen beginnen wieder mehr zu arbeiten.“ Weitere Parameter, so der Experte, seien die Wärmeempfindung auf der Haut, sowie die vermehrte Produktion von Vitamin D, das wir durch die Sonne beziehen. „Eine ganz neue Erkenntnis aus Graz: Vitamin D ist ein ganz starker Stimulator des Testosteronspiegels.“


Das Licht und die Liebe. Das bedeutet: wenn wieder mehr Sonne scheint und die Temperaturen steigen, läuft unser ganzer Körper auf  Hochtouren und „dopt“ sich mit körpereignen Stoffen. „Die Tage“, so Brehm, „werden für uns länger, wir riechen mehr, schmecken, mehr, sehen mehr Haut, sind mehr miteinander in Kontakt.“ Wir fühlen uns körperlich wohler, wir setzen unsere Sinne vermehrt ein und genau das trägt zum Verlieben bei. Aber es gehört natürlich noch viel mehr dazu.
„Das Verlieben“, so Hormonexperte DDr. Huber, „ist ein komplexes Geschehen, das einerseits durch die visuellen Reize, aber auch durch Riechreize vermittelt wird. Zudem gibt es Parameter, wie die Symmetrie des Gesichtes oder die Ausprägung gewisser Körperteile. Beim Mann ist es z. B. der Quotient zwischen Schulter- und  Bauchumfang. Je breiter die Schultern und je  dünner die Taille, desto höher ist das Testosteron und desto attraktiver wird der Mann. Je größer der Quotient, desto größer ist der  erotische Reiz für das weibliche Auge.“


Wie auf Droge. Was uns dann tatsächlich die Schmetterlinge in den Bauch bringt, darüber sind sich die Experten noch nicht einig. Es gibt viele Ansätze und Theorien. Soviel ist aber sicher: das berühmte Bauchgefühl entsteht im Kopf.
Paartherapeutin Brehm arbeitet mit der Imago-Methode. Imago, das lateinische Wort für „Bild“, ist im wesentlichen ein zusammengesetztes Ebenbild von Menschen, die uns in unserer Kindheit am meisten beeinflusst haben. Brehms Erklärung, was beim Verlieben passiert: „Unser inneres Bild, das sogenannte Imagobild, bringt uns mit jemandem zusammen, der in unser Familienbild passt. Die visuelle Wahrnehmung weckt die Erinnerungen aus unserer Kindheit – wie es sich damals angefühlt hat. Mit den Erinnerungen sind die Gefühle  verbunden. Unser Gehirn denkt: Das ist wie Zuhause. Dann gibt es noch eine chemischen Substanz namens Phenylethylamin, PEA, das uns die Schmetterlinge in den Bauch zaubert. Es setzt uns sozusagen unter Drogen. Wenn wir uns in einen Menschen verlieben, brauchen wir dieses Gefühl, um uns richtig auf die Person einlassen zu können. Wir sehen dann nur die positiven Seiten am anderen, die negativen Seiten erkennt man erst nach circa eineinhalb Jahren, wenn der Gefühlsrausch nachlässt. Und dann ist die Beziehung im Idealfall bereits so gefestigt, dass man Machtkämpfe gut überstehen kann.“
Brehm weiters: „Anfangs ist das Verlieben nur eine Projektion auf einen fremden Menschen. Aber wenn es passt, dann kann die Beziehung über eine lange Zeit halten.“ Romantischer Liebe wird dann zu einer reifen Beziehung. Aber das ist eine andere Geschichte.

Zur Vollversion des Artikels