04. August 2017 14:17
Zweitschönste Nebensache der Welt
Die Wissenschaft vom Küssen
Bangladesch, ein Land, in dem öffentliches Schmusen verboten ist, brachte jüngst die innovativste Kuss-Studie heraus. Das Fazit: Auf der ganzen Welt wird gleich geküsst.
Die Wissenschaft vom Küssen
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Philematologie heißt sie. Noch nie gehört? Es ist eine der wichtigsten Wissenschaften der Welt: die Wissenschaft vom Küssen. Und tatsächlich hat die Kussforschung schon den ein oder anderen Durchbruch gefeiert: So verbrauchen wir pro Kuss-Minute knapp 6,5 Kalorien, und dauert der Zungenkuss zehn Sekunden lang, werden sage und schreibe 80 Millionen Bakterien übertragen. Das führt dazu, dass Küssen durchaus förderlich für das Immunsystem ist.     


Kuss-Erzählungen. Bangladesch ist ein Land, das es mit dem Küssen sehr ernst nimmt. Im öffentlichen Raum sind die Liebesbekundungen sogar tabu. 2002 wurde 18.000 Studenten der Universität in Dhaka das Küssen verboten. Und ausgerechnet dort kommen die aktuellsten Küss-Praktiken, die weltweit gültig sind, her. 48 verheiratete, heterosexuelle Paare wurden von Forschern der Universität Dhaka und Bath gebeten, sich innerhalb der eigenen vier Wände zu küssen. In einem Nebenraum erzählten die Probanden dann den Forschern unabhängig voneinander von dem Kuss-Erlebnis. Die Erkenntnisse sind  deshalb revolutionär, da in dem südostasiatischen Land das Küssen nicht nur im öffentlichen Raum, sondern auch in Filmen und Fernsehen zensiert bzw. verboten ist. Die meisten bisher durchgeführten Kuss-Studien sind im Durchschnitt durch „reiche, demokratisch geprägte westliche Industrienationen beeinflusst“, konstatiert Dr. Alexandra de Sousa (Bath Spa University), eine der Autorinnen der Studie. Somit lassen sich die Ergebnisse nur teils auf die weltweite Allgemeinbevölkerung übertragen. „In dieser Kohortenstudie stellt das Kussverhalten jedoch etwas Privates dar und ist daher weniger Gegenstand kultureller Einflüsse als in Ländern, in denen nicht nur in privatem Rahmen geküsst wird“.


Kuss-Erkenntnisse
. 73 Prozent der Personen, die zuerst den Kuss initiieren, neigen dabei ihren Kopf nach rechts. Auch die Personen, die geküsst wurden, neigen zu 75 Prozent den Kopf nach rechts. Auch Rechtshänder bevorzugen als Kussrichtung rechts, während Linkshänder hier fast 50:50 variieren. Die Kuss-Initiatoren waren zu 79 Prozent männlich, was laut Forschern keinen Unterschied zur westlichen Gesellschaft macht und auch hormonell bedingt ist: „Testosteron spielt auch beim Küssen eine Rolle, weil es den Sexualtrieb reguliert, Männer daher sexuell dominanter sind“. Die nächste Studie soll sich mit Umarmen beschäftigen – Küssen und Umarmungen gehen ja oft einher.