Sexual-Expertin analysiert "50 Shades"

»Der Film weckt sexuelle Sehnsüchte«

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Brigitte Bösenkopf analysiert den „Shades“-Hype.

Peitschenhiebe, Sex, wilde Fesselspiele: Mit Fifty Shades of Grey erobert der Sadomaso die Kinosäle. Die Bestsellerverfilmung mit Dakota Johnson (25) und Jamie Dornan (32) bricht weltweit Kassenrekorde. Sexual-Expertin und Psycholgin Brigitte Bösenkopf analysiert den „Shades“-Hype:

ÖSTERREICH: Was fasziniert die Menschen derart an „Fifty Shades of Grey“?
Brigitte Bösenkopf:
Es ist die Faszination an dem Spiel „Dominanz und Unterwerfung“. Diese Fantasie existiert in den Köpfen vieler Menschen, auch wenn sie diese nicht immer ausleben. Einer aktuellen Umfrage zufolge sagen 56 Prozent der Befragten, dass sie beim Liebesakt gerne dominiert werden wollen. Und genau das ist ja das Thema von Fifty ­Shades of Grey. Viele wollen ihre Fantasien auch gar nicht persönlich ausleben und finden dann eine Art der Befriedigung im Lesen des Buches – oder im Ansehen des Films.


ÖSTERREICH: Das Thema weckt geheime Sehnsüchte?
Bösenkopf:
Geheime Sehnsüchte werden sogar befriedigt, indem man diese Bilder sieht. Und Buch und Film können für viele eine Vor­lage sein. Paare können so sagen: Ja, wir wollen wieder mehr erotischen Schwung in unsere Beziehung bringen, schauen wir uns an, was alles machbar ist.


ÖSTERREICH: Am Film wird jetzt kritisiert, er zeige die im Buch beschriebenen Sadomaso-Szenen nicht. Wie enttäuscht werden da die Fantasien der Menschen?
Bösenkopf:
Natürlich wird dadurch die Erwartungshaltung jener nicht erfüllt, die hoffen in dem SM-Bereich viel sehen zu können. Aber je weniger gezeigt wird, umso mehr wird die Fantasie angeregt. Das hat Vorteile, denn man kann sich von den Filmbildern zwar anregen lassen, die eigenen unerfüllten Wünsche dann aber ganz individuell ausleben – ohne Vorlage. Wichtig ist aber: Wenn ein Paar den Film ansieht, dann sollte danach darüber gesprochen werden.


ÖSTERREICH: Kann der Film eingeschlafene Beziehungen wieder in Schwung bringen?
Bösenkopf:
Ich habe viele Klienten, die im erotischen Bereich wenig experimentieren. In Langzeitbeziehungen, die wirklich monogam sind, gibt es oft den Wunsch, wieder Schwung in den sexuellen Alltag zu bringen. Es ist auch so, dass es Untersuchungen gibt, dass die Gruppe jener, die klassische SM-Spielchen praktizieren, immer größer wird. Und laut Studien zeigt sich, dass Menschen, die ihre sexuellen Fantasien ausleben, glücklicher sind als solche, die ein „normales“ Sex-Leben führen. Begründet wird es damit, dass diese Menschen sich gut fühlen, weil sie etwas Ungewöhnliches machen. Schwierig ist es hingegen, wenn jemand seine Bedürfnisse verschweigt oder verdrängt.


ÖSTERREICH: Was tun, wenn nur ein Partner gewisse Sehnsüchte hat, der andere aber nicht?
Bösenkopf:
Dieses Problem ist nur schwer zu lösen. Man kann langsam versuchen, mit einem Partner in eine ­Situation zu gehen, ihn also behutsam zu gewissen Spielen überreden. Wenn das gar nicht klappt, dann ist das sehr oft der Hintergrund, warum fremdgegangen wird. Wenn sich hingegen Paare finden, die im sexuellen Spiel ihre Sehnsüchte ausleben, dann können solche Beziehungen wirklich ein Leben lang halten.

ÖSTERREICH: Sind Sie überrascht, dass der Hype um den „Shades“-Film so enorm ist?
Bösenkopf:
Ja, schon, aber ich finde es eigentlich auch traurig: Denn wenn ein Paar seine sexuelle Lust sowieso schon auslebt, dann ist der Wunsch, dass man sich den Film ansehen muss, gering. Es lässt also Rückschlüsse auf die ­Gesellschaft zu: Eigentlich wird überall über Sex gesprochen, aber das Ausleben der eigenen Bedürfnisse ist offenbar immer noch ein großes Tabuthema.

Brigitte Bösenkopf ist Psychologin und Sexual-Expertin auf www.love.at

Brigitte Bösenkopf
© TZ Oesterreich FALLY Gerhard
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