Liebe in der Corona-Krise: Das rät die Expertin

Partnerschaft stärken

Liebe in der Corona-Krise: Das rät die Expertin

Wochenlang mit dem Partner in Isolation zu sein, stellt wohl für jede Beziehung eine Belastungsprobe dar. Immerhin sind in so einer Situation keine wirklichen Rückzugsmöglichkeiten vorhanden, der soziale Kontakt zu Freunden und Vertrauenspersonen ist verändert und darüber hinaus können Zukunftsängste und Unsicherheit das Gemüt plagen. Dr. Julia Belke von dem psychotherapeutischen Kompetenzzentrum „Wiener Couch“ hat für MADONNA acht Tipps für ein möglichst reibungsfreies Miteinander in Zeiten der Selbstisolation zusammengefasst.

Julia Belke © wienercouch.at

Expertin Julia Belke vonder Wiener Couch weiß, wie man jetzt die schwierige Phase zusammen meistern kann.wienercouch.at

8 Tipps für Paare

Erwartungen runterschrauben

Erwartungshaltungen gehen mit einer hohen Enttäuschungsquote einher. Vor allem die oftmals unrealistischen Erwartungen, dass der Partner eigene Defizite ausgleicht, führen zu Frust und Ärger. In Zeiten von Corona können die Erwartungen an den Partner steigen, da wir weniger Aufmerksamkeit, Anerkennung und Lob von anderen bekommen. Daher ist es hilfreich, sich den eigenen Erwartungen bewusst zu werden und daraus Bedürfnisse zu formulieren. Das erzeugt weniger Druck. Je mehr ein Partner gut für sich selbst sorgen kann und durch eigene Aktivitäten Grundbedürfnisse stillt, desto weniger Erwartungen werden an den Partner gestellt und Spannungen reduziert.

Miteinander reden

Unausgesprochenes birgt großes Konfliktpotenzial. Im Corona-Hausarrest bekommen die Themen, die sonst vermieden werden, größere Bedeutung. Schweigen ist die falsche Strategie. Miteinander reden ist die erste Wahl, um die Verbindung zum Partner herzustellen. 1. Stelle deinem Partner Fragen
2. Höre deinem Partner zu 3. Unterbrich deinen Partner nicht 4. Lasse das Gesagte wirken 5. Erzähle
deinem Partner, was dich bewegt.

Den Humor nicht verlieren

Gemeinsam lachen ist nicht nur gut für das Immunsystem, sondern wirkt auch positiv auf die Beziehung. Humor zählt damit zu den wichtigsten Beziehungsqualitäten. Anstatt aufgrund der Krise in Zynismus, Sarkasmus oder Resignation zu verfallen, hilft Humor über schwierige Situationen hinweg. Humor bringt eine Form der Gelassenheit in den Alltag, baut Stress ab und wirkt gegen
Depressionen.

Erotik gegen Ängste

Paare haben es in der Corona-Krise leichter als Singles. Der Geschlechtspartner muss nicht noch gefunden werden. Doch die Nähe kann auch ganz schnell ins Gegenteil umschlagen und Sex macht keinen Spaß mehr. Für eine sexuelle Anziehung ist das Wechselspiel zwischen Nähe und Distanz essenziell. Was durch reale Nähe und Distanz im Alltag bewerkstelligt wurde, ist jetzt in der Krise emotional zu bewältigen. Das funktioniert gut, wenn Menschen gut bei sich sein können, d. h., sie wechseln mit der Aufmerksamkeit zwischen sich selbst und dem Pa­rtner. Grundsätzlich ist Sexualität die beste Möglichkeit, um Ängste zu vertreiben.

Grenzen ziehen, Grenzen achten

Leben auf engem Raum, da passieren schnell Grenzverletzungen. Damit es soweit nicht kommt, müssen Grenzen deutlich ausgesprochen werden. Jeder Mensch hat andere Grenzen. In einer Beziehung geht es eben nicht nur um die eigenen, sondern auch um die Grenzen des anderen. Respektvoller Umgang mit Grenzen ist ein Ausdruck einer gesunden Beziehung.

Stressfaktoren reduzieren

Stress ist der schleichende Tod für jede Beziehung. Der „Hausarrest“ erhöht den Stresspegel, da viele neue und ungewohnte Situationen zu bewältigen sind. Daher muss aktiv daran gearbeitet werden, Stressfaktoren zu reduzieren. Strukturen aufbauen, sich gegenseitig unterstützen, miteinander reden, Zeiten für sich alleine planen, sind Faktoren, die im
Alltag helfen.

Emotional unabhängig werden

Das vielleicht Schwierigste ist, sich vom Partner emotional unabhängig zu machen. Nur weil der Partner einen schlechten Tag hat, muss man selbst nicht auf die gute Laune verzichten. Hilfreich für
eine gute Emotions- und Stressregulation ist nicht alles persönlich zu nehmen. Dann fällt es leichter, die Meinung oder das Verhalten des anderen stehen zu lassen, ohne dass man darauf mit Widerstand reagieren muss.

Verständnis entwickeln und Wertschätzung

Gerade jetzt ist es besonders wichtig, gegenseitiges Verständnis zu entwickeln. Partner sind schneller überfordert, gereizt und es werden Dinge gesagt, die man später bereut. Sorgen und Ängste greifen das Nervenkostüm in erheblichem Maße an. Den Partner in Arm nehmen, kleine Freuden in den Alltag integrieren, mal beide Augen zu drücken und den Blick auf die liebevollen Seiten des Partners werfen, bringen Entlastung und Entspannung. Auch der Ausdruck von Wertschätzung mit einem kleinen „Danke“ kann wahre Wunder bewirken.

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