Mein perfekter Tag

Wie ein Puzzle

Glückliche Momente ergeben, wie ein Puzzle zusammengesetzt, einen perfekten Tag.

Meine überdimensionale Tennistasche über der Schulter, den Laptop in der einen und sechs Mineralwasserflaschen in der anderen Hand, erklimme ich behände die Stufen ganz nach oben und schließe die Tür auf. Das Wetter hat mir heute einen Strich durch die Rechnung gemacht und mein Training verregnet. Dennoch werde ich mein fernes Ziel, in dreißig Jahren, mit 80, endlich in der Staatsliga zu spielen, nicht aus den Augen verlieren.

Ich betrete also ungewohnt früh mein Zuhause und nichts stört die Ruhe.
Das Töchterchen wohnt im Nebenhaus. Ein Blick aus dem Fenster: Ihr Auto steht nicht auf dem Parkplatz – also ausgeflogen. Eingebettet in ihren Freundeskreis genießt sie das Leben, lebensfroh, von allen geliebt und immer auf Achse. Ich freu mich für sie.

Sohnemann, Eventmanager mit 28, ist ein seltener und vor allem stummer Gast im Hotel Mama. Bei diesem Gedanken fallen mir die Pflanzen in „seinem“ Reich ein.

Ich öffne die Tür, vor mir türmt sich das Chaos aus Wäschebergen – sauber oder nicht ist nur schwer erkennbar, aber an manchen Stellen lugt ein von mir gebügeltes Hemd hervor. Ich steige über Sporttaschen und Papiertürme hinweg und danke in diesem Moment meinem schweißtreibenden Stepp-Aerobic-Training.
Dass ich samt Gießkanne unfallfrei die Fensterbank erreiche, zaubert mir ein Lächeln aufs Gesicht. Auf dem ebenso beschwerlichen Rückweg überlege ich, wann der Moment des Wiedersehens („wenn mir die Wäsche ausgeht“ – Zitat Ende) wohl kommen würde.

Zurück in der Küche, gieße ich mir ein gutes Glas Wein ein. Mein Blick fällt auf die Lesebrille, die achtlos neben der Zeitung liegt. Sie gehört Ihm, seit 17 Jahren an meiner Seite. Fußballtrainer aus Leidenschaft mit Trainings, Sitzungen, Matches.

Lauschend hebe ich den Kopf. Ein Schlüssel dreht sich im Schloss und sie wirbelt herein, sofort fröhlich plaudernd erfahre ich die Ereignisse der letzten Tage, Klatsch und Tratsch. Und plötzlich, mitten in einem nicht enden wollenden Wortschwall meines Töchterchens, steht er da – Sohnemann. Ganz ohne Wäschesack, aber mit Freundin. Wir haben sie gar nicht kommen hören. Sie setzen sich zu uns, und gar nicht stumm, geben sie fröhlich Anekdoten aus dem Eventleben zum Besten. Mittlerweile, ungewohnt früh, - zuviel Regen am Fußballplatz? – komplettiert Er die Runde.

Unverhofft gut besetzter Esstisch und gleichzeitig leerer Kühlschrank lassen mich normaler Weise sofort in Panik verfallen. Doch stattdessen breitet sich Wärme in mir aus. Ich bin ganz entspannt und genieße die raren Stunden.

Als sich später die Tür hinter ihnen schließt, die Kinder in ihre eigenen Leben zurückkehren, spüre ich zärtliche Hände auf meinem Busen und Er raunt mir feurig seine Liebe ins Ohr. Ich lege meinen Kopf zurück und denke daran, was auch mit 80 mein Herz höher schlagen lassen wird – die Staatsliga - vor Anstrengung.