Kraft der Liebe

Wenn Trauer von Wut überschattet wird: Julija Nawalnajas Kampf-Ansage

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Vor einer Woche starb der russische Oppositionsführer Alexej Nawalny mit nur 47 Jahren im russischen Straflager. Seine Witwe Julija Nawalnaja will seinen Kampf fortsetzen. 

Er wäre stolz auf sie. So kämpferisch sich Alexej Nawalny in all den Jahren seines erbitterten Kampfes gegen Wladimir Putin und sein Regime zeigte, sich weder von einem Giftanschlag, noch von den Qualen in der Hölle des sibirischen Straflagers „Polarwolf“ brechen ließ, so stark tritt nun seine Ehefrau nach dem tragischen Tod des Oppositionsführers auf.

Zwischen Trauer und Zorn

Sie scheint der tiefen Trauer um ihren geliebten Ehemann, dem sie über 24 Jahre lang zur Seite stand, keinen Raum zu gewähren. Viel mehr wandte sich die zweifache Mutter (Daria, 22, & Zahar, 15) nur drei Tage nach Nawalnys Tod mit einer regelrechten Kapmpfansage an die Welt. „Vor drei Tagen hat Wladimir Putin meinen Mann Alexej Nawalny umgebracht“, so Julija Nawalnaja in ihrer bewegenden Videobotschaft am vergangenen Montag. Damit habe der russische Präsident, der seit Jahren versuchte, den Regimekritiker auszuschalten, „auch die Hälfte meines Herzens und meiner Seele getötet“, so Nawalnaja weiter. „Aber die andere Hälfte habe ich noch.“

Nawalnys Witwe erfuhr bei der Sicherheitskonferenz in München vom Tod ihres Ehemannes. Das Paar hatte sich im Urlaub in der Türkei kennengelernt. Im Jahr 2000, dem ersten Präsidentschafts-Amtsjahr Putins, heirateten Julija und Alexej. 2001 und 2008 wurden ihre Kinder geboren.  

Nawalnys Witwe erfuhr bei der Sicherheitskonferenz in München vom Tod ihres Ehemannes. Das Paar hatte sich im Urlaub in der Türkei kennengelernt. Im Jahr 2000, dem ersten Präsidentschafts-Amtsjahr Putins, heirateten Julija und Alexej. 2001 und 2008 wurden ihre Kinder geboren.  

© APA/ AFP
× Nawalnys Witwe erfuhr bei der Sicherheitskonferenz in München vom Tod ihres Ehemannes. Das Paar hatte sich im Urlaub in der Türkei kennengelernt. Im Jahr 2000, dem ersten Präsidentschafts-Amtsjahr Putins, heirateten Julija und Alexej. 2001 und 2008 wurden ihre Kinder geboren.  

Und mit dieser wolle die zweifache Mutter, die seit der neuerlichen Inhaftierung ihres Ehemannes 2020 mit ihren Kindern aus Sicherheitsgründen nicht mehr in Russland lebt, den Kampf ihres Mannes fortführen. „Ich werde weiterhin mit Ihnen für unser Land kämpfen, und ich bitte Sie dringend, mir zur Seite zu stehen“, wendet sich Nawalnys Witwe an die Welt, die ihr in diesen Tagen Beileid und Unterstützung bekundete. „Teilen Sie nicht nur die Trauer und den unendlichen Schmerz, der uns eingehüllt hat und nicht mehr loslassen wird. Ich bitte Sie, mit mir die Wut zu teilen. Wut und Zorn auf diejenigen, die es gewagt haben, unsere Zukunft zu zerstören.“

Powerfrau mit Mut

Angst habe sie ebenso wenig wie ihr Mann, der einmal in einem Interview sagte: „Wenn ich Angst hätte, würde ich mich schämen.“ Tatsächlich zeigte sich der inhaftierte Oppositionsführer selbst im höllischen Straflager bis zuletzt lachend und optimistisch. Wenngleich sich Alexej Nawalny stets dessen bewusst war, in welcher Gefahr sein Leben war. „Wenn sie entschieden haben, mich zu töten, bedeutet das, dass wir in diesem Moment besonders stark sind“, lautete eine der Botschaften des Kremlgegners in dem Dokumentarfilm „Nawalny“ von Daniel Roher, der 2023 den Oscar für das filmische Werk über Alexejs Widerstand gewann. Damals mit auf der Bühne in Los Angeles: Julja Nawalnaja, die unter Tränen sagte: „Alexej, ich träume von dem Tag, an dem du frei sein wirst und unser Land frei sein wird. Halte durch, meine Liebe!“

2023 erhielt der Dokumentarfilm über Nawalnys Kampf gegen Putins Regime einen Oscar. Auf der Bühne: Julija und die beiden Kinder. 

2023 erhielt der Dokumentarfilm über Nawalnys Kampf gegen Putins Regime einen Oscar. Auf der Bühne: Julija und die beiden Kinder. 

© Getty Images
× 2023 erhielt der Dokumentarfilm über Nawalnys Kampf gegen Putins Regime einen Oscar. Auf der Bühne: Julija und die beiden Kinder. 

Ihr Traum sollte sich nicht erfüllen. Stattdessen musste die 47-Jährige am Freitag, 16. Februar, im Rahmen der Sicherheitskonferenz in München die Nachricht über den Tod ihres Mannes entgegennehmen. „Ich weiß genau, warum Putin Alexej getötet hat“, sagt sie drei Tage später in ihrem Video, das den lebenslustigen Widerstandkämpfer auch mit seiner Familie zeigt. Sie werde die genauen Umstände, die zu seinem Tod geführt haben, aufklären, verspricht die wütende Witwe. „Wir werden Namen nennen, und wir werden Gesichter zeigen.“ Aber Alexej Nawalnys Geist lebt ohnehin weiter – hoffentlich nicht nur in seiner starken Familie.

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