Warum man bei Vollmond schlechter schläft

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Warum man bei Vollmond schlechter schläft

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Lange-Nacht-Mond von Samstag auf Sonntag: Es ist die längste Vollmondnacht des Jahres.

Am vierten Adventsonntag, um 05:35 findet der letzte Vollmond des Jahres statt. Da sich das Himmelsspektakel kurz vor der Wintersonnwende ereignet, ist es auch die längste Vollmondnacht des Jahres – weshalb der Vollmond auch Long-Night-Moon genannt wird. 
  

Man kennt es: der Mond steht kreisrund am Himmel, die Uhr schlägt drei Uhr morgens und man ist putzmunter und denkt in Grauen an den kommenden Arbeitstag. Immerhin ereignet sich der Vollmond dieses Monat am Wochenende. Aber warum schlafen wir so schlecht? Eine mögliche wissenschaftliche Erklärung nimmt Bezug auf die Melatonin-Produktion. Melatonin regelt den Rhythmus von Schlaf- und Wachphasen: In der Nacht, also bei Dunkelheit, steigt seine Konzentration im Blut an. Licht andererseits hemmt seine Bildung. Der vergleichsweise helle Vollmond könnte der Grund für etwaige Schlafstörungen sein.

 

Melatoninmangel und Munterkeit

 

© Getty Images
Warum man bei Vollmond schlechter schläft
× Warum man bei Vollmond schlechter schläft

 

Im Jahr 2013 wurde eine Studie zu dieser Thematik durchgeführt, deren Ergebnisse tatsächlich verminderte Melatonin-Spiegel von Proband*innen in Vollmondnächten feststellten. Zudem schliefen die Testpersonen im Durchschnitt 20 Minuten kürzer und benötigten fünf Minuten länger um einzuschlafen. Allerdings fand die Studie nur an 33 Menschen statt – eine viel zu kleine Stichprobe, weshalb die Ergebnisse angezweifelt werden.

 

Weiterhin ungeklärt

 

Laut Expert*innen geben bis zu einem Drittel der Menschen in Befragungen an bei Vollmond schlechter zu schlafen. Nichtsdestotrotz ließ sich bisher kein Zusammenhang zwischen Mondphase und Schlafqualität nachweisen. In einer Studie wurde das Schlafverhalten von rund 200 Proband*innen in ganz Europa verfolgt. Nur circa 10 Prozent der Testpersonen bezeichneten Vollmondnächte als jene, in denen sie am schlechtesten geschlafen hätten, während 25 Prozent in diesen Nächten nach eigenen Angaben ihre beste Schlafqualität erlebten. Im Jahre 2014 wurde auch vom Max Planck Institut für Psychiatrie eine groß angelegte Studie zu bereits bestehenden Daten in Bezug auf Mondphase und Schlafqualität durchgeführt. Auch die Neurowissenschaftler*innen konnten keinen Zusammenhang nachweisen.

 

Psychologisches Zustandekommen

 

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Viele Expert*innen schreiben die Schlafstörungen eher psychologischen als physiologischen Auslösern zu: guter alter Stress, selektive Wahrnehmung, die Self-fulfilling Prophecy oder der sogenannte Rückschaufehler könnten als Erklärung dienen. Die selektive Wahrnehmung beschreibt ein kognitives Phänomen, bei welchem nur bestimmte Aspekte der Umwelt wahrgenommen und andere ausgeblendet werden. Bei der Self-fulfilling Prophecy gehen vorherige Erwartungen in Erfüllung, wobei die vorherige Prognose wesentliche Ursache dafür ist, dass diese Zukunft auch eintritt. Der Rückschaufehler bezeichnet die kognitive Verzerrung, dazu zu neigen, nachdem ein Ereignis eingetreten ist, die Vorhersehbarkeit dieses Ereignisses zu überschätzen. Gemein ist all diesen psychologischen Phänomenen die Überschätzung der Wirkmacht des Mondes.

Nichtsdestotrotz klagen weiterhin viele über verminderte Schlafqualität in Vollmondnächten. Wissenschaftler*innen nehmen die Beschwerden Betroffener ernst und werden auch weiterhin versuchen die unbekannten Gründe schlechten Schlafs in Zusammenhang mit der Mondphase aufzudecken.

  

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