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Warum jetzt alle "Das Damengamit" schauen

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Schachspielen ist in, Schachspielen ist Kult. Seit der Netflix-Serie „Das Damengambit“ stieg die Begeisterung für Schach rasant an. Das macht die Serie so besonders… 

Schach - das kennen wir. Schachbrettmuster auf Kleidern, die cremig-sahnige Schachbretttorten. Wir sehen  die weißen und schwarzen Figuren vor unserem inneren Auge tanzen: Dame, Läufer, Turm, Springer und... die Bauern. Wenn es für den König keinen Ausweg mehr gibt, dann ist das Schachmatt. Spiel zu Ende, verloren oder gewonnen, je nachdem. Das wissen wir. Vielleicht haben Sie damals zu Schulzeiten auch die „Schachnovelle“ von Stefan Zweig gelesen. Schach ist etwas Elitäres und Ästhetisches, etwas für Nerds und ja, Schach ist ein Sport. Nun holt Netflix das Schachspielen aus der verstaubten, antiken Ecke und bringt es auf die heimischen Bildschirme: Das Schöne daran? Sie müssen kein Schach können, um von „Das Damengambit" (originial "The Queen´s Gambit") vollkommen gefesselt zu sein. 
 
 

Worum geht’s? 

Natürlich um das Schachspielen. Und um Beth Harmon, ein Waisenkind aus Kenntucky in den 1950er Jahren. Die kleine Beth – wunderbar verkörpert von Isla Johnston –  stolpert eines Tages in den Keller des Hausmeisters und ist wie magnetisch angezogen von einem Schachbrett. Ihr Talent und ihre Passion sind nicht zu übersehen, dem Hausmeister ist klar: Dieses Kind ist etwas ganz Besonderes. Beth liest und lernt Schachbücher, nachts beginnen die Figuren an der Zimmerdecke zu leben. Der Aufstieg Beths ist ein rasanter, aber kein leichter. Schach, das war eine Männerdomäne, was konnte denn eine Frau, geschweige denn ein kleines Mädchen damit anfangen? Doch Beth beißt sich durch. Von Schicksalsschlägen nicht verschont – ihre Mutter stirbt, ihre Adoptivmutter ebenso – kämpft sich Beth durch und verschafft sich nach und nach Respekt. Beth Harmon lässt viele gefallene Könige und so manches gekränktes Ego hinter sich – auf dem Weg bis ganz nach oben. Nicht alle nehmen ihre Niederlage sportlich, manche brechen in Tränen aus und würden das Schachbrett am liebsten an die Wand pfeffern. Andere allerdings zeigen sich demütig: "Es war mir eine Ehre gegen Sie zu verlieren." Ihre Erfolge führen die erst 17-Jährige durch die USA, über Mexiko hin nach Paris und am Ende sogar nach Russland - der Wiege des Schachspiels. 

Keine Glanzstory 

Natürlich, der Plot deutet es schon an:  Die Geschichte von Beth Harmon ist keine Aschenputtel-Story. Ein Mädchen, dass es schwer hatte , dann aber gerettet wurde und plötzlich ist alles glänzend-golden und wohlig rosarot. Überhaupt wäre die Protagonistin dieser Serie die Allerletzte, die sich von einem Prinzen retten ließe. Beth Harmon rettet sich selbst. Trotzdem ist nicht alles Glanz und Glorie und neben ihrer Schicksalsschläge ist die geniale Schachspielerin auch abhängig von Beruhigungstabletten und hat ein massives Alkoholproblem. Schach ist kein Mannschaftssport und Beth ist eine Einzelkämpferin. Auch wenn sie immer wieder von Bewunderern umgeben ist – den Großteil ihrer Geschichte beschreitet sie alleine.  
 

Ästhetisch inszeniert 

In jeder Szene könnten Sie vollkommen zufällig die Pause-Taste drücken, das eingefrorene Bild in einen Rahmen stecken und es in Ihrem Wohnzimmer aufhängen. Zugegeben, manche Szenen wären erschreckend und nicht sonderlich fröhlich, aber zumindest wunderbar ästhetisch.  Das Kinn auf die gefalteten Hände gestützt, der Blick konzentriert. Die Föhnwelle Beths roter Haare und ihr Statement-Lippenstift. Die tickenden Schachuhren, das Klacken der Figuren auf dem Brett, die spannungsgeladene Musik, der Wimpernaufschlag des Gegners. Nichts, wirklich rein gar nichts, ist dem Zufall überlassen. Die Macher der Serien haben überall Schachbrettmuster versteckt, in Tapeten, Teppichen und Kleidung, um möglichst subtil (oder ganz offensichtlich) ständig an das Schachspiel zu erinnern. 
 
 
Warum jetzt alle
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Bekannte Gesichter 

„Das Damengambit“ ist ein Wiedersehen mit vielen bekannten Gesichtern.  Harry Beltik, einer von Beths ersten Gegnern ist niemand Geringeres als Harry Melling. Harry Melling, warten Sie, da klingelt doch etwas? Richtig, genau. Um einige Kilo leichter, ein Jahrzehnt älter und definitiv nicht so gemein wie damals: Wir treffen Dudley Dursley aus Harry Potter wieder. Doch damit nicht genug: Erinnern Sie sich noch an den kleinen Jungen aus dem Weihnachtsfilm „Tatsächlich Liebe“, der sich mit seinem blonden Wuschelkopf mitten in die Herzen der Zuschauer spielte? Das ist Thomas Brodie-Sangster. Hier mit Schnauzer und Cowboyhut, draufgängerisch und arrogant. Als U.S-Champion ist er zunächst Beths Mentor, später dann Mentor und enger Freund… Die Schauspielerin, die Beth Harmon in Jugend- und Erwachsenenjahren verkörpert, ist Anya Taylor-Joy, eine britisch-argentinische Schauspielerin, die bereits für den Psychotriller „Split“ und die Jane Austen Verfilmung „Emma“ vor der Kamera stand. 
 

Streaming Rekord 

Die Netflix-Eigenproduktion "Das Damengambit" verzeichnet einen Rekord. Laut Angaben der Plattform haben sich innerhalb von 28 Tagen rund 62 Millionen Haushalte die Serie um das Waisenkind Beth angesehen. Damit ist es die erfolgreichste fiktionale Mini-Serie, die Netflix bis dato produziert hat. Wie bereits gesagt – nichts bleibt den Zufall überlassen. Und das ist mitunter auch ein Grund, warum „Das Damengambit“ so enorme Erfolge verzeichnet. Jedes Schachmatt, jeder Zug – ist durchdacht.  Akribisch haben die Schauspieler jeden Zug gelernt, sodass jeder Sieg, jede Strategie wirklich Sinn ergibt und Beth nicht von Ungefähr, vollkommen zufällig und mit Glück gegen Champions gewinnt. Dabei haben sich die Macher der Serie von absoluten Profis beraten lassen, damit alles seine Richtigkeit hat. Auch aktive Schachspieler finden nur lobende Worte für "Das Damengambit". 

Lust auf Schach 

„Bringing sexy back to chess“, schreibt der Schauspieler Jacob Fortune Lloyd, der in der Serie den attraktiven Towns verkörpert. Schach ist plötzlich wieder heiß begehrt, spannend und sexy. Die meisten verspüren  nach dem Binge-Watching dieser Serie das Verlangen, sich nun endlich auch einmal mit diesem genialen Sport auseinanderzusetzen.  Online-Schach boomt wieder. Wenn Sie Schach spielen können, werden Sie "Das Damengambit" lieben. Wenn nicht, ist das auch nicht schlimm. Denn auch Schachlaien kommen hier auf ihre Kosten und sei es nur wegen der ausdrucksstarken und beeindruckender Persönlichkeit einer Beth Harmon. Feminismus, Emanzipation, eine einzelne Frau in einer Männerwelt - und das vor gut sechzig Jahren.
 
Wow. 
 
Tauchen Sie also ein, in die Welt der 64 Feldern, wo es zur Abwechslung keine Graustufen gibt, nur Schwarz und Weiß. Die Welt ist ein Schachbrett und Beth Harmon ist ihre Königin.                                                                             
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