13. November 2009 14:42
Top-Expertin im Talk
Warnung vor Viren-Supergau

Die Schweinegrippe ist zurzeit Thema Nummer Eins. MADONNA traf Österreichs Top-Expertin zum Talk über Risiken & Nebenwirkungen.

Warnung vor Viren-Supergau
© Kernmayer

"Panik ist sicher nicht angebracht“, betont Univ.-Prof. Dr. Brigitte Blöchl-Daum gleich zu Beginn des MADONNA-Interviews.

Was die Fachärztin für Innere Medizin und Klinische Pharmakologie jedoch über das Thema Nummer Eins derzeit – die Schweinegrippe – zu sagen hat, klingt durchaus bedrohlich. Und wer, wenn nicht der stellvertretende Vorstand der Universitätsklinik für Klinische Pharmakologie am Wiener AKH, wo der viel diskutierte Impfstoff gegen das H1N1-Virus klinisch getestet wurde, sollte es besser wissen? Warum wir uns alle impfen lassen sollten, wie gefährlich die Schweinegrippe tatsächlich ist und wie es zu einem „viralen Supergau“ kommen könnte, verrät die zweifache Mutter (Vivien Cornelia, 12, und Colin Herbert, 10) und Delegierte zur European Medicines Agency in London im Talk.

Frau Prof. Blöchl-Daum, man hört täglich über die Schweinegrippe – alles nur Panikmache oder müssten wir das Thema noch viel ernster nehmen?
Brigitte Blöchl-Daum:
Man muss die Schweinegrippe unbedingt ernst nehmen! Sie ist offenbar ziemlich infektiös – wenn man von den bisherigen Daten ausgeht, kann man durchaus damit rechnen, dass im schlimmsten Fall 25 Prozent der Bevölkerung betroffen sein werden. Das könnte in Österreich bedeuten, dass rund 2 Millionen Menschen an der Schweinegrippe erkranken. Wenn davon nur ein Promille intensivmedizinisch betreut werden muss, und einige hundert Patienten daran sterben, ist das zu viel!

Sie meinen, dass man sich unbedingt impfen lassen sollte?
Blöchl-Daum:
Eine Impfung ist aus verschiedenen Gründen wichtig. Zum einen, um sich selbst zu schützen. Zum anderen, um seine Mitmenschen vor einer Ansteckung zu bewahren. So viel Verantwortungsbewusstsein sollte man haben. Stellen Sie sich vor, Sie wären schwanger, ich niese Sie an und Sie werden krank – das würden Sie mir doch niemals verzeihen! Aber auch aus wissenschaftlicher Sicht ist absolut zur Impfung zu raten: Denn je mehr Leute krank werden, desto größer ist die Gefahr, dass das Virus mutiert. Dann wäre eine Pandemie möglicherweise noch viel ernster!

Was würde das bedeuten?
Blöchl-Daum:
Das H1N1-Virus ist derzeit nicht besonders aggressiv – es verbreitet sich aber äußerst schnell. Wenn das Virus nun aber mutiert oder auf andere Viren trifft, könnte es passieren, dass es sich verändert und noch wesentlich gefährlicher wird.

Impfgegner sprechen immer wieder von Nebenwirkungen und reiner Geschäftemacherei.
Blöchl-Daum:
Bei der Diskussion über die Geschäftemacherei handelt es sich meines Erachtens um ein Missverständnis. Die Firmen erwirtschaften mit dem Impfstoff sicher beträchtliche Einkünfte – es waren aber nicht primär die Firmen, die mit der Produktentwicklung begonnen haben. Im Frühjahr erteilten die WHO, also die Weltgesundheitsorganisation und die Regierungen, nach Auftreten der ersten Fälle in Mexiko, den potenziellen Impfstoffproduzenten den Auftrag, einen Impfstoff gegen H1N1 zu entwickeln. Im Sommer, als die Firmen den Impfstoff bereit stellen konnten, wurden weltweit klinische Studien begonnen. Die möglichen Nebenwirkungen des österreichischen Impfstoffes können klar eingeschätzt werden und entsprechen jenen Reaktionen die wir auch für bisherige Grippeimpfungen kennen: leichte Schmerzen an der Einstichstelle, Kopfschmerzen, gelegentlich Fieberreaktionen. Man darf nicht vergessen, dass die Basis des Impfstoffes langfristig erprobt ist – heuer wurde lediglich das aktuelle H1N1-Virus in abgetöteter Form beigefügt. Ich weiß nicht, wieso viele vor diesem „toten Virus“ mehr Angst als vor dem „lebenden“ haben. Was definitiv nicht der Fall sein kann, ist, dass man von der Impfung die Schweinegrippe bekommt!

Stimmt es, dass der Impfstoff bald ausgehen könnte?
Blöchl-Daum:
Es wird laufend weiterproduziert – ich gehe also davon aus, dass jeder, der die Impfung haben will, sie auch bekommen wird. Aber es ist sicher von Vorteil, schnell zu sein – vor allem, um die weitere Ausbreitung der Krankheit zu verhindern. Es geht ohnehin erstaunlich schnell.

Die Frage, ob Sie und Ihre Kinder bereits geimpft sind, erübrigt sich wohl...
Blöchl-Daum:
Ja, wir haben uns alle impfen lassen. Gerade Kinder sind gefährdet. Es kann uns aber alle treffen!


Bild: (c) Kernmayer
Im MADONNA-Interview: Univ.-Prof. Dr. Brigitte Blöchl-Daum, stv. Vorstand der Pharmakologie am AKH