Wann ist es zu spät, ein Kind zu bekommen?

Wussow löst Debatte aus

Wann ist es zu spät, ein Kind zu bekommen?

Die einstige Sexbombe und Dschungel-Queen Brigitte Nielsen tat es mit 54, die deutsche Moderatorin Caroline Beil mit 50, Gianna Nannini ebenfalls mit 54 Jahren! Sie alle erfüllten sich den Traum, (noch) ein Baby zu bekommen. Risikoschwangerschaften – als solche gelten „andere Umstände“ bereits ab dem 35. Lebensjahr – sind längst keine Seltenheit mehr. Mit 40 Jahren Nachwuchs zu bekommen, ist inzwischen gesellschaftlich völlig akzeptiert. Anders verhält es sich, wenn frau über 50 sich ganz gezielt dazu entscheidet, Mutter zu werden.
 
Verantwortungslos. Die österreichische Schauspielerin Barbara Wussow bekam ihr zweites Kind mit 44 Jahren. Johanna ist heute 14, und ihre 58-jährige Mutter gibt nun zu: Eine späte Mutterschaft ist nicht unbedingt ein Glücksfall. „Auch wenn es heutzutage medizinisch möglich ist, finde ich es verantwortungslos, mit über 50 Jahren noch Kinder zu bekommen“, ließ die Tochter von TV-Legende Klausjürgen Wussow († 2007) kürzlich in der deutschen Bild-Zeitung aufhorchen. Ihre Begründung: „Denn wie lange kann man sein Kind dann noch begleiten?“ Fakt sei, dass sowohl die Geburt als auch der Alltag mit einem Kind eine große Belastung für den weiblichen Körper ab Mitte 40 seien. Sie selbst würde seit der Geburt ihrer Tochter „nur vier Stunden schlafen – und erst wenn meine Familie so gegen elf Uhr im Bett ist, komme ich zur Ruhe“. Herausforderungen, die man zwischen 20 und 30 Jahren wohl leichter meistert.
 
Schmerzhafte Kommentare über ihre späte Mutterschaft ist Caroline Beil gewohnt. Zunächst hatte die Moderatorin mit ihrer Liebe zu dem knapp 15 Jahre jüngeren Oralchirurgen Philipp Sattler für Schlagzeilen gesorgt. Als bekannt wurde, dass die Moderatorin und Mutter von ­David (10, aus der früheren Beziehung mit Schauspieler Pete Dwojak) mit 50 noch einmal schwanger ist, erntete sie Shit­storms. „Dass unsere Entscheidung, noch einmal ein Kind zu bekommen, polarisieren würde, das war uns klar. Aber es war unsere Entscheidung“, erklärte sie im Interview mit der Bunten. Was sie besonders verwunderte: „Ich habe mir dann mal die Profile angeguckt, wer das denn geschrieben hat. Männer oder Frauen. Und es waren tatsächlich hauptsächlich Frauen in meinem Alter.“
 
Das Baby als Therapie empfand die italienische Rockröhre Gianna Nannini (62), was ihr freilich nicht minder Kritik einhandelte. Mit 54 Jahren wurde sie eigenen Angaben zufolge auf „natürliche Weise“ schwanger. „Die Frauen im Süden Italiens bekommen auch heute noch Kinder mit über 50, aber davon redet niemand, weil die nicht so berühmt sind wie ich“, erklärte die Sängerin, die vor ihrer Schwangerschaft in einer tiefen Krise steckte. Penelope (heute 8) habe sie „wieder auf den Boden gebracht“, ihr bewusst gemacht, wie wichtig es ist, gesund zu leben und sich dem „Dauerdruck der Karriere“ zu entziehen.
 
Späte Mütter im Trend. Dass eben dieser Karrieredruck der Grund dafür ist, dass es immer mehr Spätgebärende gibt, steht fest. Ebenso, dass in Österreich die Tendenz späten Babyglücks steigend ist. Laut Statistik Austria bekamen 2007 nur fünf Mütter im Alter zwischen 50 und 54 Jahren ein Kind. 2013 waren es bereits 21. Und auch der Altersdurchschnitt jener Frauen, die sich an Kinderwunschkliniken wenden, steigt an, wie auch Gynäkologe und Wunschbaby-Zentrum-Chef Wilfried Feichtinger bestätigt. Noch liegt die gesetzliche Altersgrenze für eine Eizellenspende in Österreich bei 45 Jahren. Wie es 2030 aussehen wird, bleibt vorerst dahingestellt: Dann wird Prognosen zufolge das Durchschnitts­alter bei Geburt des ersten Kindes bei 31 Jahren liegen – und Geburten zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr werden wohl für keine Schlagzeilen mehr sorgen.
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