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Über Frauen und Gleichberechtigung in der Kirche

Die Kirche als Männerdomäne hat ausgedient, der Ruf nach mehr Frauen in Führungspositionen wird lauter! Eine davon ist Gabriele Eder-Cakl – der Talk.  

Die römisch-katholische Kirche und Gleichberechtigung von Frauen – die Geschichte eines langen Leidensweges. Das soll sich nun ändern, denn die heimische Glaubensgemeinschaft pocht auf eine Erhöhung des Frauenanteils in kirchlichen Leitungspositionen. In sieben Jahren soll ein Drittel der Führungskräfte weiblich sein – auch die Stärkung von Frauen generell wird forciert.

Expertin.
Eine, die ganz vorne mitmischt, ist Theologin Gabriele Eder-Cakl. Seit 2017 ist sie die erste Frau, die das Amt der Pastoralamtsdirektorin der Diözese Linz bekleidet. Die Mutter dreier Töchter im MADONNA-Interview über Feminismus in der Kirche, Papst Franziskus’ Rolle und Mut zur Veränderung.

Wann und wie sind Sie erstmals mit der Kirche in Berührung gekommen?
Gabriele Eder-Cakl:
Bereits als Kind in der Pfarre Linz-Kleinmünchen. Ich konnte übrigens bereits wie alle anderen Buben nach der Erstkommunion mit acht Jahren als Ministrantin mitmachen. Das war damals 1978 überhaupt nicht üblich. Ich war auch als Jugendliche immer selbstverständlich in das Pfarrleben mit eingebunden. Erst im Studium bemerkte ich, dass Frauen in der Kirche auch zurückgewiesen werden.

Welche Bedeutung haben Kirche und Religion für Sie?
Eder-Cakl:
Ich habe eine wichtige Erfahrung gemacht, als meine Tochter sehr klein war. Ich merkte, dass sie ohne mich nicht leben könnte, aber ich spürte auch deutlich, dass ich ihr Leben nicht in der Hand habe. Da merkte ich: Es gibt Gott. Diese Erfahrung, dass es jemanden, etwas über meine Begrenztheit hinaus gibt, diese Gotteserfahrung ist mir im Glauben als religiöse Frau wichtig. Jesus fasziniert mich als Mensch, wie er jeder Person ihre Würde zuspricht und sie so nimmt, wie sie ist. Und natürlich alle heiligen Frauen: Sie sind mir wirkliche Vorbilder. Oft haben sie in sehr schwierigen Situationen gelebt und gewirkt und waren große Persönlichkeiten.

Momentan ist die Rede, dass mehr Frauen in höheren Ämtern besetzt werden sollen. Was tut sich hier?
Eder-Cakl
: Uns kirchlichen Frauen ist sehr wichtig, dass Schritte in Richtung Gleichberechtigung und Geschlechtergerechtigkeit in der Kirche gesetzt werden. Dies haben wir auch in einem sehr guten Gespräch mit den österreichischen Bischöfen betont. Die Entscheidung der Bischöfe, dass sie ein Drittel aller Leitungspositionen mit Frauen besetzen möchten, ist ein wichtiger Meilenstein im konsequenten Dialog miteinander. Viele junge Frauen verstehen eigentlich nicht mehr, warum die katholische Kirche in manchen Bereichen Unterschiede zwischen den Geschlechtern macht. Sie wollen genauso wertgeschätzt werden wie die Männer. Dies sprechen wir an. Da kann man etwas tun in der Kirchengemeinschaft, und das geschieht nun. Auch Papst Franziskus ist das Miteinandergehen sehr wichtig. Er bittet ja derzeit alle Diözesen auf der ganzen Welt, sich an dem synodalen Weg zu beteiligen. Da möchte er, dass den Menschen heute sehr gut zugehört wird. Er betont sogar, besonders den Jugendlichen und Frauen soll zugehört werden. Das nehmen wir sehr ernst und reden mit.

Wie sieht das in anderen Staaten der Welt mit Frauen in kirchlichen Führungsposi­tionen aus?
Eder-Cakl:
In allen Bistümern der Welt haben Frauen bereits wichtige Leitungspositionen inne. Es hängt etwas von der gesellschaftlichen Situation ab, welchen Stellenwert Frauen dort haben. Aber die Zahl ist überall ausbaufähig, eben auch in Österreich. Ich weiß von den weltweiten Bischofstreffen der vergangenen Jahre zum Thema Jugend oder Amazonasgebiet, dass die Forderungen nach Geschlechtergerechtigkeit innerhalb der katholischen Kirche aus allen Kontinenten kommen.

Wie profitiert die Kirche von mehr Frauen in der Gemeinschaft, aber vor allem auch in Führungspositionen?
Eder-Cakl:
Soziologische Studien sagen, dass gemischte Teams kreativer, transparenter und zielorientierter arbeiten. Das ist nicht nur im wirtschaftlichen Bereich so. Jede Organisation und jede Gemeinschaft profitiert von der Buntheit und Vielfalt ihrer Mitglieder.

Wie feministisch ist die katholische Kirche?
Eder-Cakl:
Es gibt in der katholischen Kirche einen wichtigen Ansatz der feministischen Theologie. Diese hat sich in den letzten 50 Jahren etabliert. So wurde zum Beispiel die Bibel mit den Augen von Frauen gelesen, und da ist man doch auf einiges draufgekommen. Dieser ­feministische Beitrag ist in der Kirche bedeutend und zukunftsweisend.

Sehen Sie sich selbst Feministin?
Eder-Cak
l: Ja, ich sehe mich auch so. Mir ist es wichtig, auf die Gleichberechtigung von Frauen hinzuweisen, ich mache meinen weiblichen Blickwinkel zum Thema. Ich setzte mich in meinem täglichen Leben für Geschlechtergerechtigkeit ein. Das ist mir auch in der Partnerschaft, im Freundeskreis und in der Familie wichtig.

Die Kirche als Männerdomäne: Warum dauert es so lange, bis Frauen sich hier durchsetzen können? Mussten Sie ähn­liche Erfahrungen machen?
Eder-Cakl:
Ich selber habe, wie eingangs gesagt, Kirche als einladend für mich als Frau erlebt. In der Kirche hängt die Schieflage mit der Unterscheidung zwischen Klerikern – Diakone, Priester, Bischöfe – und Laien zusammen. Kleriker können derzeit nur Männer sein. Das ist zunehmend unverständlich. Auch hier fordern wir Frauen, dass dieses Weiheamt reformiert wird und Frauen zugelassen werden. Da bin ich nicht die Einzige, das fordern Frauen und Männer weltweit. Ich wünsche mir sehr, dass es in Zukunft in der katholischen Kirche Diakoninnen, Priesterinnen und Bischöfinnen gibt.

Was wünschen Sie sich für die Kirche – und für uns als Gesellschaft?
Eder-Cakl:
Für die Gesellschaft wünsche ich mir, dass wir aufeinander schauen und uns gegenseitig stärken. Jedem und jeder Einzelnen von uns wünsche ich einen Frieden im Herzen, denn damit geht es leichter von der Hand. Und unserer christlichen Gemeinschaft wünsche ich offene Augen und Ohren für das Rundherum und für die eigene spirituelle Mitte, und dass es uns gelingt, auf die Menschen und die Umwelt würdevoll und wertschätzend zuzugehen.  

Interview: Manuela Tiefnig

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