Todesgefahr durch Botox?

Wie gefährlich es wirklich ist

Todesgefahr durch Botox?

28 Todesfälle. Botox soll nicht nur Falten killen, sondern auch Patienten! MADONNA recherchierte, was hinter der Schlagzeile steckt.

(c) GettyAuch wenn Gefühlsregungen dank ­Botox nur schwer zu erkennen sind, dürfte zahlreichen Anwendern des beliebten Faltenkillers in den letzten Tagen doch die Angst ins Gesicht geschrieben gewesen sein. Wurden doch in zahlreichen Medien Horror-Schlagzeilen wie „Tod durch Botox“ publiziert.

So hatte das deutsche Nachrichtenmagazin Focus berichtet, dass in den letzten Jahren 28 Menschen nach Botox-­Behandlungen verstorben sind und in weiteren 600 Fällen Verdachtsberichte zu Nebenwirkungen von Botox-Injektionen vorliegen.

Das Magazin stützte sich auf Angaben der Europäischen Arzneimittelbehörde EMEA und der amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA, die bereits Anfang des Jahres vor den gefährlichen Nebenwirkungen gewarnt hatte.

Entwarnung
Die Folge der medialen Berichterstattung: Sorgen und Unsicherheit bei den Patienten. MADONNA hat deshalb bei Experten für Toxikologie, Arzneimittel und Schönheitsmedizin nachgefragt und kann Entwarnung geben. Kein Todesfall steht im Zusammenhang mit kosmetischen Eingriffen. „In keinem der Fälle wurden die Botulinumtoxin-Präparate zur Faltenglättung verabreicht, sondern als Medikament bei schwerwiegenden Erkrankungen“, weiß Ulrich Hagemann, Leiter für Arzneimittelsicherheit am deutschen Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. Und selbst in diesen Fällen konnte noch kein direkter Zusammenhang mit Botox hergestellt werden.

Ein dokumentierter Todesfall

Laut dem Toxikologen Hans Bigalke von der Universität in Hannover, der als führender Botox-Experte gilt, gibt es weltweit nur einen einzigen dokumentierten Todesfall, der mit Botox in Verbindung gebracht werden kann. „Bei diesem britischen Patienten mit dem Krankheitsbild Schiefhals wurde Botox in den Halsdreher-Muskel injiziert und nicht richtig platziert“, so der Toxikologe. Daraufhin ist das Nervengift in den Halsbereich gelaufen und hat die Schluckmuskulatur beeinträchtigt.

Wenig Risiken

Abseits davon kann der Wissenschaftler aber Entwarnung geben. „Vergleicht man Botox mit Aspirin, dann ist Aspirin gefährlicher“, bringt es Hans Bigalke auf den Punkt. Und wird das Nervengift von einem Mediziner mit Erfahrung angewendet, gibt es prinzipiell keine Bedenken. Um einen Menschen ernsthaft in Gefahr zu bringen, müsste man die 3.000-fache Dosis einer Faltenbehandlung direkt in die Blutgefäße injizieren.

Was natürlich bleibt, sind mögliche Folgeerscheinungen einer nicht perfekt ausgeführten Injektion.

Richtiges Verhalten
Um ein möglichst optimales Ergebnis zu erzielen, sollte man nach der Injektion von Botox nichts tragen, was einengt, wie Sturzhelm oder Stirnband. Auch Hitzeeinwirkung durch Sonne oder Sauna sollte man vermeiden. Das gleiche gilt für körperliche Belastung. „Alles, was die Durchblutung verstärkt, schadet, weil sich so das Botox an anderen Stellen verteilen kann“, weiß Schönheitsmedizinerin Sibylle Wichlas von Woman & Health.

Was passieren kann
Sollte doch etwas schiefgehen, sind die Folgen je nach Region unterschiedlich. Spritzt man in den Stirnbereich, kann das Lid hängen. Im Halsbereich können Schluckbeschwerden die Folge sein, und bei Injektionen in die Lippen, kann es zu Sprachschwierigkeiten kommen. Spätestens nach ein paar Wochen sind diese unerwünschten Nebenwirkungen allerdings wieder verschwunden. Dennoch muss jeder selbst das Risiko genau abwägen und überlegen, wie viel ein faltenfreies Gesicht wert ist. Denn Botox ist und bleibt ein Nervengift und Langzeitstudien gibt es noch nicht.