Fünf Jahre nach Schwangerschaftsabbruch

Studie: So bewerten Frauen Abtreibungen im Nachhinein

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95 Prozent bezeichneten die Abtreibung als richtige Entscheidung.

Fünf Jahre nach einem Schwangerschaftsabbruch bewertet der überwiegende Teil der Frauen den Eingriff als richtige Entscheidung. Das berichten Forscherinnen der Universität von Kalifornien im Fachblatt "Social Science & Medicine". Ihre Studie ist insofern wichtig, da Abtreibungsgegner immer wieder die angeblichen negativen psychologischen Folgen als Argument anführen.

Das Team um die Medizinerin Corinne Rocca untersuchte Daten der so genannten Turnaway-Studie, einer Langzeituntersuchung mit fast 1.000 Frauen aus 21 US-Bundesstaaten zum Thema ungewollte Schwangerschaft. Die Analyse umfasste zunächst 667 Frauen im Alter von durchschnittlich 25 Jahren, die zu Beginn der Studie eine Abtreibung hatten vornehmen lassen. Die Frauen wurden eine Woche nach dem Eingriff sowie elf weitere Male alle sechs Monate befragt. 37,5 Prozent nahmen bis zum Ende der Studie nach fünf Jahren daran teil.

Befragung fünf Jahre nach Schwangerschaftsabbruch

Die Frauen berichteten, dass im Laufe der Zeit sowohl die negativen als auch die positiven Gefühle zum Schwangerschaftsabbruch schwanden. Nach fünf Jahren sagten 84 Prozent der verbliebenen Teilnehmerinnen, dass sie entweder positive Emotionen oder gar keine mehr dazu hatten. 95 Prozent bezeichneten die Abtreibung als richtige Entscheidung.

Für Anette Kersting, Direktorin an der Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Universitätsklinikum Leipzig, ist besonders die Datenlage der Studie bemerkenswert: "Untersuchungen wie diese mit 30 Einrichtungen, einer derart hohen Fallzahl und einem Zeitraum von fünf Jahren können selten durchgeführt werden." Allerdings müsse auch im Blick behalten werden, dass von den angefragten Frauen nur 37,5 Prozent bis zum Ende der Studie teilgenommen hätten, so dass die Frage nach der Repräsentativität gestellt werden müsse. "Das ist aber bei allen Studien zu dem Thema so", betont Kersting. Insgesamt blieben die Ergebnisse dennoch in ihrer Tendenz wichtig.

Für 27% eine schwere Entscheidung

Diese zeigen auch, dass jeweils 27 Prozent der 667 befragten Frauen die Entscheidung für eine Abtreibung entweder schwer oder sehr schwergefallen ist, 31 Prozent fürchteten eine Stigmatisierung in ihrem Umfeld, sollte der Schwangerschaftsabbruch bekannt werden. Eben jene Gruppen fühlten sich in der Zeit nach dem Eingriff auch öfter traurig, schuldig oder wütend. Doch bereits im ersten Jahr danach gingen diese Emotionen bei den allermeisten deutlich zurück und das Gefühl der Erleichterung überwog.

"Nicht der Schwangerschaftsabbruch an sich führt zu Belastungen, die die Frauen nicht bewältigen können", sagte Kersting. Entscheidend seien vielmehr persönliche Faktoren sowie das soziale Umfeld. So seien etwa Menschen, die unter Traumata litten oder kein verlässliches soziales Netz hätten, oft weniger gut gerüstet, um eine derartig schwere Entscheidung zu treffen, sagte Kersting und ergänzt: "Die Hälfte der Befragten gab an, dass es schwierig gewesen sei, sich für den Abbruch zu entscheiden – was ebenso normal wie nachvollziehbar ist." Das Abebben von negativen Emotionen innerhalb eines Jahres zeige aber, dass die meisten Frauen damit zurechtkämen.

Ähnlich äußert sich Psychologin Julia Steinberg von der Universität von Maryland in einem begleitenden Kommentar: Eine schwere Entscheidung sei nicht gleichzusetzen mit einer falschen. Für Steinberg ist die Studie auch insofern wichtig, da sich die Annahme von den negativen psychologischen Folgen auch in den Vorschriften für einen Schwangerschaftsabbruch zeigten. Je nach Bundesstaat gehören dazu in den USA bestimmte einzuhaltende Wartezeiten und zwei Beratungstermine.

Steinberg schreibt von Bürden für die Frauen wie auch von Stress, der sonst gar nicht aufkommen würde: "Das ist als sich selbst erfüllende Prophezeiung bekannt. Die psychologischen Effekte hätten gar nicht existiert, hätte eine externe Quelle (und externe Informationen sind hier per Gesetz vorgeschrieben) nicht vermittelt, dass Frauen negative psychologische Auswirkungen, Entscheidungsschwierigkeiten oder eine falsche Entscheidung erwarten können."

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