Lernen im Erwachsenen-Alter

So wird jeder zum Superhirn

24.09.2019

Im Leben lernt man nicht aus! Und dass man sich auch im Alter mit bestimmten Lern­methoden Dinge einfach merken kann, erfahren Sie hier.

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Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr – diesen Spruch kennt wohl jeder. Mittlerweile wurde diese These aber widerlegt, denn unser Gehirn bleibt ein Leben lang plastisch, sprich es verändert sich durch neue Lernerfahrung. Das weiß auch Dr. Katharina Turecek, Medizinerin und Kognitionswissenschaftlerin: „Lernen ist Übungssache! Wer aufhört zu lernen, verlernt es – das kann in jedem Alter passieren.“ Und ob Einkaufszettel merken, für eine wichtige Prüfung strebern oder einfach das Gehirn auf Trab halten, Dr. Turecek zeigt, wie’s geht.

Das passiert im Kopf

Als Gedächtnis bezeichnet man die Fähigkeit der Nervensysteme aufgenommene Informationen umzuwandeln, zu speichern und wieder abzurufen. Es besteht aus dem sensorischen Gedächtnis (Ultrakurzzeitgedächtnis), dem Kurzzeit- bzw. Arbeitsgedächtnis und dem Langzeitgedächtnis. Im Ultrakurzzeitgedächtnis werden Informationen für Millisekunden bis Sekunden gespeichert, das Kurzzeitgedächtnis hält diese bei einmaliger Einspeicherung immerhin 20 bis 45 Sekunden und das Langzeitgedächtnis merkt sich Dinge über Jahre hinweg. Wer sich also etwas über längere Zeit merken möchte, sollte vor allem das Langzeitgedächtnis mit Übungen trainieren.

Kreativ zum Lernerfolg
Beim Lernen kommen die Informationen zunächst über das sensorische Gedächtnis in den Kurzzeitspeicher, in dem dann entschieden wird, ob das Gelernte „wert ist“, dauerhaft konserviert zu werden. Entscheidend für die dauerhafte Konservierung ist die Relevanz, der Neuigkeitswert, die Bedeutung und die Sinnhaftigkeit des Lernstoffs. Da unser Gedächtnis vernetzt arbeitet, wird der Lernstoff eher gemerkt, wenn er mit bestehenden Wissensinhalten verknüpft wird. „Es ist also wichtig, Lerninhalte auch zu verstehen, und nicht nur stur auswendig zu lernen. Das können vor allem Erwachsene gezielt nutzen, da ihnen zwar das Auswendlernen schwererfällt, aber sie dafür Zusammenhänge besser erkennen“, so die Kognitionswissenschaftlerin.

Um sich neue Informationen einfacher merken zu können, ist aber nicht nur das Verknüpfen von Inhalten wichtig, sondern auch die Art und Weise, wie man etwas lernt. Alltagsrelevante Beispiele und kreative Hilfsmittel helfen sowohl bei der Organisation des Lernstoffs als auch beim aktiven Lernen. Ein weiterer wichtiger Aspekt für den Lernerfolg ist es, beim Lernen möglichst viele Sinne anzusprechen, um sich den Stoff besser zu merken. Das Gehirn speichert sogar zwischen 80 und 90 Prozent der neu erlernten Informationen, die gleichzeitig mehrere Sinne ansprechen, also beispielsweise Hören, Sehen und Erleben. Auch das Wiederholen spielt eine wichtige Rolle beim Lernprozess: Etwas nicht nur einmal auswendig zu lernen, sondern ab und an zu wiederholen, fördert nämlich die langfristige Speicherung im Gedächtnis. Zu welcher Uhrzeit  man am besten lernt, ist übrigens von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Das Zeichnen einer Leistungskurve im Tagesverlauf kann dabei helfen, wann man persönlich am leichtesten lernt.



Die richtige Methode finden
Tipps und Tricks wie man lernt, gibt es zu genüge, doch Dr. Turecek weißt auch in ihrem Buch „Alles im Kopf“ darauf hin: „Es gibt nicht nur die eine Lernstrategie, die für jeden Menschen passt. Mir ist es wichtig, verschiedene Impulse und Ideen zu geben, damit sich jeder Einzelne seine maßgeschneiderte Lernstrategie herauspicken kann – und die ist naturgemäß für jeden anders.“ Das können beispielsweise Eselsbrücken oder aber auch die Visualisierung der Lerninhalte sein. In jedem Fall sollte man das Gehirn – besonders im Alter – fordern. So hat es die beste Chance, ein Leben lang fit zu bleiben!

© Krenn Verlag

Dr. Katharina Turecek verrät Tipps und Tricks, wie man die perfekte Lernstrategie findet und anwendet. Krenn Verlag, 22,40 Euro

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