So macht Erziehung glücklich

Monster oder Traumkind

So macht Erziehung glücklich

"Das letzte große Erlebnis unserer Zeit ist das Erziehen von Kindern", schreibt Yvonne de Bark (38), zweifache Mutter, Schauspielerin und Autorin im Vorwort ihres kürzlich erschienenen Buches Das Mama Trost-Buch. „Als klar war, dass ich ein Baby erwarten würde", so die bildhübsche „Unter uns"-Soap-Darstellerin, die vor acht Jahren im Männermagazin Playboy und letztes Jahr im Magazin Matador nackt posierte, „hatte ich nur einen fanatischen Gedanken: Es sollte perfekt werden."

Darum bereitete sie sich auf das Projekt Kind vor, las alle verfügbaren Ratgeber und wusste schon im dritten Monat alles über die positive Wirkung der Fünf-Elemente-Massage an Kleinkindern, die Sprachförderung bei Dyslexie und den Umgang mit alkoholsüchtigen Jugendlichen. „Was konnte mich also noch überraschen?" Erfahrene Mütter wissen: Das Kind. Und auch de Bark begriff nach und nach, „dass alles anders war, ist und werden wird. Und ich sah andere Alienmütter, die hilflos ihr schreiendes Baby im Arm hielten, und da wusste ich: Ich bin nicht allein."

Steigende Gewalt
Dass die Autorin, die das Zusammenleben mit ihren Kindern Lara (6) und Dorian (5) überaus unterhaltsam und amüsant schildert, nicht alleine mit ihren Problemen dasteht, beweisen aktuelle Studien. Richtig Erziehen wird immer schwieriger. Und alle Experten sind sich mittlerweile einig, dass fixe Regeln, Rituale und Konsequenz im Endeffekt nicht nur zufriedenere Eltern, sondern auch glücklichere Kinder hervorbringen.
Das Institut für Familienforschung wiederum bestätigt, dass sich mittlerweile jeder fünfte Erwachsene mit der Erziehungsaufgabe regelmäßig überfordert fühlt. Mit ein Grund: Das schlechte Gewissen vieler (berufstätiger) Eltern, das bei der Erziehung nicht selten zu extremer Nachsichtigkeit führt. Und auch die unzähligen Ratgeber, die es zum Thema Kindererziehung gibt, helfen nicht aus der Misere. Weshalb sich Autorin Yvonne de Bark auf unkonventionelle Weise an das Thema wagt. Sie stellt den Tipps der Experten die Realität gegenüber. Die da wäre: „Auch andere Mütter erziehen Monster."

Eine Linie einhalten
„Natürlich habe auch ich vor der Geburt meines Sohnes Erziehungsbücher gelesen", lacht Fiona Bauer (35), AHS-Lehrerin und Mutter von Felix (3). „Mir war das aber dann zu zeitgeistig und darum habe ich damit aufgehört." Seit Felix auf der Welt ist, vertraut sie ihrem Gefühl und ist davon überzeugt, dass „Erziehung gelingt, wenn man sich positiv mit dem Kind beschäftigt." Auf Alltagssituationen reagiert sie intuitiv, hält aber eine gewisse Linie ein.

Ratgeber
Dass viele Mütter die Erziehung ihrer Kinder intuitiv richtig gestalten, kann die promovierte Kindererziehungs-Expertin Dr. Andrea Vanek-Gullner zwar zum Teil bestätigen. Dennoch ist die zweifache Mutter sicher, dass man mithilfe eines guten Ratgebers doch einige Fehler in der Erziehung verhindern kann. Weshalb Vanek-Gullner ihr neues Buch Meine Mami ist die beste dem heißbegehrten Thema widmet. Und darin zehn „goldene Regeln der Erziehung" aufstellt.
Dass das Genre „Kinder-Erziehung" gefragt ist wie nie, beweisen nicht nur die zahllosen Bücher zum Thema (siehe auch www.erziehungsratgeber.info), die laufend erscheinen, sondern vor allem deren großer Absatz. Und das, „obwohl in der Praxis vieles anders aussieht, als in der Theorie", wie auch Günther Biberle (38) feststellt. „Meine Frau liest gerne in Erziehungsratgebern nach. Ich verlasse mich ausschließlich auf mein Gefühl." Das Lehrerpaar hat bei der Erziehung seiner beiden Töchter Lara (4) und Flora (2) eine grundlegende, gemeinsame Linie. „Zum Glück sind wir uns einig, denn sonst könnte wohl einer von uns nicht lange damit leben", so der ambitionierte Karenzpapa Biberle, der sich auch schon bei der großen Tochter karenzieren ließ. Großen Wert legt das Pädagogenpaar auf Struktur und Ordnung. „Wir achten darauf, dass die Mädchen lernen, ihre Sachen in Ordnung zu halten und ihr Zimmer selbst aufräumen."

Dem Instinkt vertrauen
Judith Berger (38) wiederum empfindet es als wichtig, mit Kindern zu diskutieren und in Verhandlungen zu treten. „Aus einem schwachen Kind, das nie gelernt hat Entscheidungen zu treffen, wird kein selbstbewusster Mensch", lautet das Motto der Biologin. „Auch wenn es oft viel Mühe und Zeit kostet." Dann und wann blättert die Mutter von Kathrin (3) und Simon (neun Monate) auch in Erziehungsratgebern, „aber verwirren lasse ich mich nicht. Ich habe ein gutes Gefühl, dem ich auch vertrauen kann." Und wenn sie in Überforderungssituationen mal nicht ganz so optimal reagiert, „dann hilft es mir auch, mich mit anderen Müttern auszutauschen."

Auch Mama Trost-Buch-Autorin Yvonne de Bark stellt treffend fest: „Der größte Trost für verzweifelnde Mütter ist die Versicherung, dass sie nicht allein sind, und dass es heutzutage immer mehr gute Therapeuten gibt." Eine Hilfestellung, auf die immer mehr Eltern bei groben Erziehungsproblemen zurückgreifen.

Sachlich und konsequent
Christl Weber (44), Mutter von Raphaela (16) und Kordula (14), blieb von derlei Nöten bisher verschont. „Ich kann meinen Mädels vertrauen, sie sind sehr selbstständig, kennen die Grenzen, halten sich an Regeln und übernehmen Verantwortung." Und das war schon immer so? „Natürlich", so die Immobilientreuhänderin. „Ich war durchgängig konsequent, auch wenn es mich oft viel Mühe gekostet hat. (Sie wirft einen schelmischen Blick auf ihre augenrollenden Teenagertöchter). Bisher bin ich auch ohne Strafen ausgekommen."

Fazit: Nicht alle Mütter erziehen Monster. Manche haben auch Wunderkinder. Rechts erfahren Sie, wie Traumkinder auch für Sie und uns in greifbare Nähe rücken...

10 goldene Tipps: Das Geheimnis glücklicher Kinder

Regel 1: Achte dein Kind und nimm es ernst!
Respektieren Sie den Freiraum Ihres Kindes und die wachsende Selbstständigkeit. Achten Sie auch die Wünsche des Kindes – Mütter neigen dazu, den Kindern eigene Wünsche unterzuschieben. Lassen Sie sich aber auch auf das Tempo Ihres Kindes ein und „entschleunigen" Sie sich.

Regel 2: Geben Sie dem Kind Rückmeldung über sein Verhalten
Beobachten Sie Ihr Kind und loben Sie es in konkreten Situationen. Sprechen Sie aber mit Ihrem Kind auch über rücksichtsloses Verhalten gegenüber anderen. Vermitteln Sie: Jeder macht Fehler, wichtig ist, sich um liebevolles Verhalten zu bemühen.

Regel 3: Vermitteln Sie: Auf Mami ist Verlass!
Ihr Kind muss wissen, dass Sie zu ihm stehen. Machen Sie Ihm vor anderen spürbar: Ich bin stolz auf dich. Sprechen Sie nie achtlos über Ihr Kind und hören Sie seine Meinung an.

Regel 4: Wappnen Sie Ihr Kind für den Alltag
Natürlich ist es wichtig, dem Kind in entscheidenden Momenten beizustehen. Trotzdem hat Ihr Kind nichts davon, wenn Sie jeden Konflikt lösen und es sich das nächste Mal nicht selbst helfen kann. Leisten Sie daher Hilfe zur Selbsthilfe.

Regel 5: Begleiten Sie Ihr Kind zur Stille
Kinder brauchen den Ausgleich zwischen Ruhe und Aktivität, um ihr inneres Gleichgewicht zu finden. Lassen Sie daher regelmäßig Schweigen und Ruhe zu. Kinder müssen heute meist gezielt üben, auch ohne Action zufrieden zu sein.

Regel 6: Erlauben Sie Ihrem Kind, sich seiner selbst bewusst zu sein
Wir wollen alle selbstbewusste Kinder – und doch ist es uns peinlich, wenn das Kind klar sagt, was es will. Üben Sie mit ihrem Kind, Wünsche ohne Aggression zu äußern.

Regel 7: Sensibilisieren Sie sich auf die Bedürfnisse Ihres Kindes
Kinder müssen ihre Bedürfnisse erst kennenlernen. Versuchen Sie, Ihrem Kind erlebbar zu machen, was ihm guttut.

Regel 8: Entlasten Sie Ihr Kind!
Es gibt viele Situationen, in denen Ihr Kind weiß, dass es etwas Falsches getan hat. Vorsicht: Es ist nicht nötig, Salz in die Wunde zu streuen. Vermitteln Sie: Irren ist menschlich und, dass auch Ihnen schon Fehler passiert sind. So geben Sie dem Kind die Chance, sein Verhalten kritisch zu betrachten.

Regel 9: Lernen Sie von Ihrem Kind
Überlassen Sie mitunter die Führungsrolle dem Kind. Vermitteln Sie: Ich lerne gerne von dir. Umso mehr wird sich Ihr Kind Ihrer Führung anvertrauen.

Regel 10: Setzen Sie auf Begegnungsmomente
Schaffen Sie Raum, Ihrem Kind von Mensch zu Mensch zu begegnen. Malen, basteln oder lesen Sie mit ihm. Erziehung braucht auch Momente der intensiven Begegnung.

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