Handy

Life

So gut tut Ihnen die Handy-Diät

Das Smartphone ist unser ständiger Begleiter und kann unser Leben vereinfachen. Doch exzessive Nutzung birgt eine Menge gesundheitlicher Risiken und verhindert die Produktivität. Erfahren Sie, wie man den Handykonsum reduziert. 

Wann verspürten Sie das letzte Mal Langweile? In unserer Gesellschaft ist es hoch angesehen, ständig beschäftigt zu sein. Pausen ­betrachtet man als ineffizient. Sofort werden Momente, die Langeweile erzeugen können, außer Kraft gesetzt – hauptsächlich mit dem Smartphone als Beschäftigungshilfe. Etwa 88 Mal pro Tag und alle 18 Minuten schauen wir auf das Mobiltelefon, heißt es im Buch „Likest du noch oder lebst du schon?“ von Christina Feirer. Der Digital-Detox-Coach stellt aber klar, dass Pausen im Alltag, das Nichtstun oder sogar Langeweile eine wunderbare Regenerationsmöglichkeit für unser Gehirn bieten würden. Wir könnten wieder wertvolle Energie tanken, unsere Produktivität, unser Wohlbefinden und unsere Kreativität steigern.

Gesundheitliche Risken
Die Autorin möchte Mobiltelefone keineswegs verteufeln, denn sie können sehr nutzvoll sein. Vielmehr soll ihr Ratgeber auf die möglichen Konsequenzen eines Überkonsums hinweisen und die Leser:innen beim Entwickeln einer sinnvollen digitalen Balance unterstützen. Denn ein übermäßiger Handykonsum könne psychische und physische Beschwerden (Anm.: Fehlhaltungen, Depressionen, Sehschwäche, Konzentrationsprobleme etc.) verursachen wie u. a. Schlafstörungen. Schlaf sei aber sehr essenziell für das Wohlbefinden. Er trägt dazu bei, dass sich unser Körper regeneriert, Informationen sortiert, verarbeitet und abspeichert. Der hohe Blaulichtanteil der Bildschirme störe jedoch die Freisetzung des Hormons Melatonin und verhindere, dass man einschläft. Leide man unter chronischem Schlafmangel, merke man das oft gar nicht. Denn man gewöhne sich an die beeinträchtigte Leistung, die geringe Aufmerksamkeit und an den Energiemangel. Manche Menschen haben auch Angst davor, etwas zu verpassen, wenn sie nicht ständig zum Handy greifen. Dafür haben Expert:innen sogar einen eigenen Begriff kreiert: FOMO (Anm.: fear of missing out). Und dieser Zustand führe zu ­innerlichem Stress, Unruhe bis hin zu digitalem Burnout.

Nachhaltige Transformation
Von einem rigiden Programm und abrupter Entwöhnung hält Feirer nichts. Sie verrät hingegen in ihrem Ratgeber allgemeine Detox-Hacks (Anm.: siehe Infobox unten), die bei einer nachhaltigen Reduktion behilflich sein sollen. Ihr zufolge gibt es keine „One-fits-it-all-Lösung“, man müsse in erster Linie individuelle Vorgehensweisen finden. Jede Person habe schließlich persönliche Bedürfnisse und Befindlichkeiten, die beim Umgang mit dem Smartphone eine Rolle spielen. Daher solle man sich zunächst in den Beobachtermodus begeben und den eigenen Gründen und Motivationen auf die Spur kommen. Über einen längeren Zeitraum und ohne zu bewerten solle man sich bewusst werden, wie viel Zeit man am Handy verbringe (Anm.: entweder auf altmodische Weise aufschreiben oder die Bildschirmzeit am Handy ablesen), was einen veranlasse, das Gerät in die Hand zu nehmen und welche Motive hinter dem Smartphone-Konsum stecken können. Zwar ist das Handy-Verhalten laut Feirer vollkommen integriert und gibt wenig Grund darüber zu reflektieren: „Dennoch befinden sich vermutlich mehr Personen in einer Smartphone-Abhängigkeit, als wir wahrhaben wollen.“ Etablierte Gewohnheiten zu verändern, erfordere allerdings viel Bewusstsein, Energie, Willenskraft sowie Durchhaltevermögen. Um festgefahrene Muster zu ändern, benötige man daher Motivatoren. Eine „Weg von“-Motivation könne beispielsweise gut wirken, wenn es um Schmerz oder Krankheiten geht: Man bekomme durch den häufigen Handykonsum Kopfschmerzen und möchte ihn deshalb reduzieren. Eine „intrinsische Motivation“ (Anm.: innerer Anreiz, der in der Tätigkeit selbst liegt), d. h. eine „Hin zu-“Reaktion sei aber ein stärkerer Antrieb und nachhaltiger. Durch einen starken inneren Antrieb wird eine Verhaltensweise etabliert, die selbst anhält, wenn sich die Kopfschmerzen aufgelöst haben. Man entscheide sich somit bewusst dafür, das Handmobilgerät nicht mehr so oft in die Hand zu nehmen.

Um das Smartphone-Verhalten dauerhaft zu transformieren, können drei Schritte vom Coach behilflich sein:

1. Ein ehrlicher Blick auf den Handykonsum.

2. Die Reflexion über die Lebensvision und darüber, wie das künftige Verhalten aussehen soll.

Und 3.: Tägliches Praktizieren des bewussten Smartphone-Verhaltens. Ein wesentlicher Faktor dabei sei Achtsamkeit.

Achtsamkeit: Im Hier und Jetzt
Gedanklich genau in diesem Moment und bei der Tätigkeit, die man gerade ausführt, zu bleiben, könne das Verhalten nachhaltig, liebevoll und würdevoll transformieren. In einer Geschichte aus dem Zen-Buddhismus verrät ein Weiser, wie er trotz seiner vielen Beschäftigungen immer so gelassen bleibe. „Wenn ich stehe, dann stehe ich; wenn ich gehe, dann gehe ich; wenn ich sitze, dann sitze ich; wenn ich esse, dann esse ich; wenn ich spreche, dann spreche ich ...“ Sind wir achtsam, schweifen wir laut Feirer nicht gedanklich ab – wir befinden uns im Hier und Jetzt.  

❯❯ Vier Digital-Detox-Hacks  

✏ Push-Nachrichten deaktivieren

Sie entscheiden selbst, ob, wann und welche App Sie ­besuchen und nicht etwa äußere Auslöser.

✏ Apps vom Smartphone  löschen

Sind Apps nicht auf dem Smartphone installiert, benutzt man sie nicht so häufig.

✏ Apps zu bestimmten Uhrzeiten sperren

Sie entscheiden selbst, wann Sie Zeit für sich und Ihre gegenwärtige Tätigkeit einfordern möchten.

✏ Das Smartphone „verstecken“

Hat man sein Smartphone nicht ständig im Blickfeld, reduziert man auch das Verlangen danach. Damit man die Sicherheit hat, keine wichtigen Anrufe zu verpassen, kann man das Handy auf laut stellen.   
OE24 Logo