Zurück in Österreich

Schauspielerin Laura Bilgeri im Talk

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Die Pandemie markiert eine Zäsur in der Unterhaltungsbranche, mit der auch Laura Bilgeri zu kämpfen hat. Wir sprachen mit ihr über ihre Ex-Wahlheimat USA und die Sorgen und Freuden des Schauspielberufes.

Es hätte alles ganz anders kommen sollen. Vergangenen Herbst verlegte Laura Bilgeri, die schon vor sechs Jahren in die USA auswanderte, um ihren Traum von der internationalen Schauspielkarriere zu verfolgen, ihren Wohnsitz von Los Angeles nach New York. In der Zeit, in der für gewöhnlich sämtliche Produktionscastings und Pilot-Aufnahmen stattfinden, schlug dann die Corona-Krise ein und versetzte die Unterhaltungsbranche in den Stillstand. Bilgeri schaffte es ­gerade noch mit einem der letzten Flieger und vor der Grenzschließung zurück in die Vorarlberger Heimat, doch internationale Produktionen waren fürs Erste kein ­Thema mehr.       


Nachgefragt. Im MADONNA-Gespräch erzählt sie von ihrer Zeit im Lockdown, Karrieresorgen und unerwarteten Jobchancen und den drastischen Lebensrealitäten in den USA.      

Wie bei vielen anderen hat sich Ihr Jahr doch etwas anders erwiesen, als Sie es wahrscheinlich geplant haben?  
Laura Bilgeri:
Letzten Herbst bin ich von LA nach New York übersiedelt. Nach fünf Jahren in LA war dieser Tapetenwechsel für mich gut und wichtig, außerdem hat mich ein neues Management in Manhattan unter die Fittiche genommen. New York ist eine großartige Stadt, die Mentalität der Menschen ist mir näher als jene in LA, die New Yorker sind irgendwie echter. Los ­Angeles ist natürlich das Zentrum der Unterhaltungsindustrie, aber so dachte ich, könnte ich die Möglichkeiten beider Städte nutzen …        

Doch dann kam der März und damit alles anders. Wie haben Sie die Heimreise angelegt – war es immer klar, dass Sie heimkommen werden?
Bilgeri:
Im Februar war viel zu tun, weil da die Pilot-Season ist, in der neue Serien gecastet und gedreht werden. Doch dann kamen schon die ersten Mails des Außenministeriums rein – anfangs dachte ich noch, dass alles noch weit weg ist und sich sicherlich bald beruhigen wird. Amerika hat aber, wie wir wissen, viel zu spät reagiert. Und nachdem ich dauernd Mail-Warnungen bekommen habe und auch von zu Hause täglich Anrufe gekommen sind, nimmt man das schon ernst. So bin ich am 16. März mit einer der letzten Maschinen nach Zürich und noch kurz, bevor die Schweizer ihre Grenzen geschlossen ­haben, nach Hause gekommen. Glück ­gehabt!    

    
Die Kulturbranche war in der ersten Corona-Zeit lange außen vor. Wie sehen Sie die Situation jetzt, auch mit Blick auf Ihre Wahlheimat?   
Bilgeri:
Die amerikanischen Kinos sind seit März geschlossen, ebenso der Broadway, und zwar bis 2021 – das ist unfassbar. Was die Kunst ganz global gesehen für Verluste hinnimmt, ist abnormal. Ich telefoniere auch regelmäßig mit Freundinnen in New York, die sagen, es ist eine Geisterstadt. Das Einzige, was man in den Straßen sieht, sind Umzugswägen, weil sich die Menschen ihre Mieten nicht mehr leisten können. Amerikaner leben grundsätzlich eher von Monat zu Monat und es kursieren jetzt schon Zahlen, dass knapp 40 Millionen delogiert werden müssen. Ich habe das Gefühl, dass es zum Bürgerkrieg nicht mehr weit ist, immerhin kann dort jeder eine Waffe tragen. Mir fällt jedenfalls immer mehr auf, wie gut es uns hier, trotz der Krise, geht.      

Wie sind Sie eigentlich mit Ihrem Manager verblieben?
Bilgeri:
Die Agenturen sind zu, alle sind in ihre Heimat zurückgekehrt, die meisten, die in dem Business arbeiten, kommen ja auch nicht unbedingt aus New York oder Los Angeles. Ich frage immer wieder nach, ob sie was wissen, aber die sind auch planlos. Ich war zum Beispiel in der engeren Auswahl für ein Bob-Dylan-Biopic, wo ich seine Freundin gespielt hätte, Regie James Mangold, aber die ist, wie die meisten anderen Produktionen auf unbekannt verschoben worden. Es herrscht Stillstand und es ist wirklich besser hier zu sein, weil im Gegensatz zu den Staaten hier schon gewisse Dinge anlaufen können. Aber Amerika leidet und durch Trump wird es sicher nicht besser werden.   

Wie blicken Sie nun auf die kommenden US-Wahlen?
Bilgeri:
Ich bin ein optimistischer Mensch, aber auch 2016 hätte wohl kaum jemand wirklich mit seinem Sieg gerechnet. Natürlich hoffe ich, dass Joe Biden, auch mit der Unterstützung von Kamala Harris, gewinnen wird.

Sie haben den Lockdown bei Ihren Eltern in Lochau verbracht. Man sah viel Unterhaltsames von Ihnen auf Social Media, gelungene TikTok-Videos und seit Kurzem auch ­Beiträge, in denen Sie singen. Haben Sie im Gesang eventuell ein neues Standbein für sich entdeckt?   
Bilgeri:
Ich habe Musik immer schon geliebt, aber ich habe mich seit ein, zwei Jahren verstärkt mit dem Thema auseinandergesetzt. Vor allem der Jazz der 40er-, 50er-Jahre ist meine große Liebe. Ich bin eine alte Seele, was das betrifft, diese Musik beruhigt mich und gibt mir immer ein wenig das Gefühl, dass alles in Ordnung ist. Ich singe zwar derzeit noch Cover, würde aber irgendwann gern auch eigene Songs schreiben. Und dass ich in den letzten Wochen in Vorarlberg ein paar Auftritte absolvieren konnte, war toll. Mal ­sehen, was zukünftig daraus wird.  

Sie haben vorhin schon angedeutet, dass in Österreich der Schauspielbetrieb auch schon wieder aufgenommen wurde, können Sie uns eventuell von konkreten Jobs berichten?
Bilgeri:
Ich habe Ende des Sommers die Zusage für eine deutsch-österreichische ORF/MDR-TV-Produktion bekommen und dieser Tage starten auch die Dreharbeiten dazu. Es wird ein sehr spannender Thriller mit toller Besetzung …

Sie sind scheinbar ein Thriller-Talent.
Bilgeri:
(Lacht) Ich würde aber auch gerne mal eine Komödie drehen. Aber derweil sind es tatsächlich die Spannungsfilme. Ich wurde auch für eine britisch/kanadisch/spanische Produktion in Barcelona fix als weibliche Hauptrolle engagiert, die ein bisschen an „Schweigen der Lämmer“ angelehnt ist. Unter anderem würde ich an der Seite von Richard Sammel (bekannt aus „Inglourious Basterds“, Anm.) spielen. Da würden – wenn nicht ein Lockdown in die Quere kommt – im Oktober die Dreharbeiten beginnen.

Gratulation dazu!  
Bilgeri:
Ja, das hat sich gut gefügt. Ich versuche die Zeit auch bestmöglich zu nutzen, weshalb ich viele Online-Castings gemacht habe. Der ganze Casting-Prozess ist nicht erst seit Corona ins Netz gewandert. Persönlich ist es mir zwar immer lieber, aber die Produktionen können damit auch Budgets einsparen, wenn die Schauspieler*innen ihre Tapes online einreichen. ­Jedenfalls hoffe ich, dass es für die ganze Branche bald wieder bergauf geht.

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