Roman-Königin Ildikó von Kürthy im MADONNA-Talk

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Roman-Königin Ildikó von Kürthy im MADONNA-Talk

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Autorin Ildikó von Kürthy im MADONNA-Talk über ihr neues Buch „Morgen kann kommen“.

Mit „Mondscheintarif“ feierte sie 1999 ihren Durchbruch als Roman-Autorin. 13 weitere Bücher später wissen ihre Fans (über 6 Millionen verkaufte Bücher in 30 Sprachen!), dass Ildikó von Kürthy es wie keine andere versteht, die Gefühlswelt von Frauen auf humorvolle und empathische Weise zu beschreiben. Am 12. April erscheint nun das 15. Werk der aus Aachen stammenden Journalistin. Auf die Reaktionen des Publikums ist die 54-jährige Mutter zweier Söhne besonders gespannt, beschreitet sie mit dem Buch „Morgen kann kommen“ doch neue schriftstellerische Pfade. In der Geschichte über eine Frau, die aus dem Schatten ihrer zerstörerischen Beziehung tritt und die Bühne ihres eigenen Lebens erobert, wagt von Kürthy einen Perspektivenwechsel, schreibt diesmal sogar aus der Sicht von Männern. Im MADONNA-Interview beschreibt sie ihre persönliche Wandlung, die mit ihrem 50. Geburtstag begann. Eines sei vonseiten der Redaktion schon jetzt prophezeit: Auch dieser Von-Kürthy-Wurf wird ihre Bestseller-Liste fortführen …

Mit „Morgen kann kommen“ bringen Sie Ihr 15. Buch heraus. Was hat Sie diesmal inspiriert?

Ildikó von Kürthy: Wie immer das Leben! Ich dachte ja zunächst, wenn das Leben in die Jahre kommt, hätte es nichts mehr zu bieten – aber das stimmt zum Glück nicht. Insofern habe ich mich wieder an dem, was mich umgibt, interessiert und was gerade in der Luft liegt, orientiert. Und wie immer ist das Buch ein großes Puzzle aus Selbstgedachtem und aus anderen Leben Geklautem.

In Ihren Büchern klingt alles immer sehr real …

Von Kürthy: Eine total spannende Neuerung für mich war der Perspektivenwechsel, den ich erstmals in einem Buch vollzogen habe. Ich habe ja sonst immer in der Ich-Form erzählt, was diesmal nicht klappte, weil Ruth so anders ist als ich. Deshalb wollte ich nicht in dieser Rolle verharren und habe zum ersten Mal auch aus anderen Perspektiven geschrieben, was eine ganz spannende Reise für mich war.

Hat man nach so vielen Büchern nicht auch Angst, dass einem einfach mal die Ideen ausgehen?

Von Kürthy: Das ist zwischendurch immer wieder mal die Angst einer jeden Schriftstellerin. Ich hatte diese Sorge vor etwa drei, vier Jahren, als ich 50 wurde. Da hatte ich eine blöde Phase der Verzagtheit, Mutlosigkeit und des Fragens, was denn jetzt noch Neues kommen kann. Und plötzlich haben sich wieder neue Horizonte aufgetan: Dazu gehört dieser Perspektivenwechsel in meinem neuen Buch, aber auch der Start meines Podcasts … das Leben hat wieder Fahrt aufgenommen. Deshalb auch: Der „Morgen kann kommen“.

© Argon Verlag
Roman-Königin Ildikó von Kürthy im MADONNA-Talk

„Morgen kann kommen“ von Ildikó von Kürthy erscheint am 12. April im Rowohlt Wunderlich Verlag um 22,95 Euro.

Das Leben Ihrer Protagonistin Ruth verändert sich schlagartig, als sie ein spezielles Foto findet. Gab es für Sie auch ein auschlaggebendes Ereignis, das Sie damals aus Ihrem Tief gerissen hat?

Von Kürthy: Nein, da gab es keinen dramatischen Moment, keine Enttarnung, sondern das war eher ein langsamer Prozess, in dem sich neue Wege auftaten. Interessanterweise habe ich auch erfahren, dass das auch mit dem sinkenden Östrogenspiegel bei Frauen ab einem gewissen Alter zu tun hat. Da machen sich dann die Wohlfühl- und Kuschelhormone vom Acker und übrig bleibt sehr viel Testosteron. Eine Hormonspezialistin hat mir das erklärt – Frauen werden dann tatsächlich etwas ungemütlicher und beginnen sich verstärkt um sich selbst zu kümmern. Ich bemerke das bei mir auch: Ich bin sehr streng mit mir – und anderen – geworden. So entsteht eine ganz neue Energie.

In dem neuen Buch schreiben Sie: Es gibt Raubtiere und Haustiere. Kann man sich Ihrer Meinung nach die Krallen schärfen und zum Raubtier mutieren?

Von Kürthy: Ich weiß nicht, ob das wirklich so ist, dass es Haustiere und Raubtiere gibt. Das ist eine Vermutung, die Ruth anstellt. Gloria widerspricht ja vehement und sagt, dass wir alle frei geboren werden, uns dann aber in einen Käfig der Erwartungen sperren lassen. Da ist sicherlich etwas dran – und Frauen sind diesbezüglich noch mehr gefährdet als Männer. Durch die Veränderung der Hormone ändert sich das eben ein wenig – man könnte das auch Krallen schärfen nennen. Man hat nicht mehr so den Drang, den Erwartungen anderer entsprechen zu müssen. Dazu gehört auch eine gewisse Altersweisheit. Das kann man von einer 17-Jährigen gar nicht erwarten, weil es ja zum Heranwachsen dazugehört, sich anzupassen, dann auch wieder abzugrenzen und seinen eigenen Weg zu finden.

Sie haben das Buch Ihrer Mutter gewidmet – wieso?

Von Kürthy: Das ist eine schwierige Widmung, denn meine Mutter ist schon lange tot. Das Buch ist also eine Art Nachruf, weil meine Mutter eine Frau im Schatten war. Sie war in einer klassischen Rollenbeziehung, wie sie früher von sehr vielen Paaren gelebt wurde. Aber ich will meiner Mutter dafür keinen Vorwurf machen. Sie war eine relativ schwache Frau in einem System, das Frauenstärke überhaupt nicht gefördert hat.

Wie ist das in Ihrer Ehe – hatten Sie auch schon Momente, in denen Sie merkten, dass Sie Konfrontationen lieber aus dem Weg gehen und sich unbewusst in den Schatten Ihres Mannes stellen?

Von Kürthy: Ich bin nie untergebuttert worden, in keiner meiner Beziehungen, auch von meinem Vater nicht. Wenn, war ich selbst es, die sich in den Schatten gestellt hat – vielleicht aufgrund meiner eigenen Erwartungen, wie man zu sein hat. Ich bin nicht besonders mutig – ich schaffe zwar immer wieder mal, ein Wagnis einzugehen, aber das ist nicht meine Kernkompetenz. Das wird es auch nie sein. Ich bin also genetisch eher ein Haustier – damit muss man sich abfinden. Über meine Abenteuer würde wohl manch einer lachen, aber ich denke, jeder muss seinen eigenen Weg gehen. Heute folge ich dem, was mir mein Wesen vorgibt. Das ist wichtig – aber gar nicht so leicht.

In Ihren Büchern kommen Männer eigentlich immer sehr schlecht weg. Man könnte meinen, Sie mögen Männer nicht …

Von Kürthy: (lacht) Also, in meinem neuen Buch kommen ganz reizende Männer vor! Tatsächlich hatte ich nie das Feindbild Mann, ich habe nur eben lange mein Augenmerk auf das Innen­leben der Frauen konzentriert. Auch das hat sich verändert – die Männer kommen in diesem Roman ja auch viel mehr zu Wort. Aber ganz prinzipiell liegt es wohl daran, dass es nicht so spannend ist, ein Buch über eine glückliche und zufriedene Ehe zu lesen. Deswegen entsteht wohl dieser Eindruck zu Unrecht, dass ich Männer nicht mögen würde. Sie boten einfach eine gute Angriffsfläche für meine Romane. Nachdem ich mich jetzt aber zunehmend mit anderen Themen beschäftige, wird das nun ausgewogener.

„Morgen kann kommen“ erscheint kommende Woche – haben Sie schon Ihr nächstes Buch im Kopf?

Von Kürthy: Also dieses Mal war es auch wieder ganz anders als bisher in meinem Leben. Ich war so begeistert von diesem Buch und den Protagonist:innen, dass ich überhaupt nicht loslassen konnte. Noch während ich in den letzten Zügen daran schrieb, habe ich beim Verlag angerufen und gesagt, dass ich eine Fortsetzung machen muss. Ich kann dieses Buch nicht einfach so stehen lassen. Daher wird es nun wirklich zum ersten Mal einen Fortsetzungsroman geben.


Ihre Bücher wurden allesamt Bestseller. Wie sehr machen Sie sich selbst Druck, dass dies wieder der Fall ist?

Von Kürthy: Der Druck basiert hier auf etwas anderem: Die Frage ist, ob die Leser:innen den neuen Weg, den ich diesmal eingeschlagen habe, mit mir gehen werden. Ob sie die Entwicklung, die ich selbst gemacht habe, mitmachen. Wenn sie das tun, wird „Morgen kann kommen“ seinen Weg machen.

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