Pret-à-manger

Genuss

Pret-à-manger

Haute Couture trifft Haute Cuisine - Haubenkoch Trettl und sein Buch "Fashion Food".

(c) Helge Kirchberger
Tunikas aus Schweinenetz, Kleider aus bunten Liebesperlen, T-Shirts aus Lachs, ein Kopfschmuck aus Friséesalat, garniert mit Chilischoten, eine Kette aus Hühnerfüßen, eine Tasche aus süßem Marzipan oder halb nackte, schokoladenübergossene Frauen. Geschmacksverwirrung? Absolut nicht.

Die Rezepte im Kochbuch Fashion Food (erschienen in der Rolf Heyne Collection um 75 Euro) sollen nicht nur Gaumenfreuden, sondern auch ein Augenschmaus sein. Denn anstatt die Gerichte wie üblich auf Tellern anzurichten, drapierte Starkoch Roland Trettl vom Salzburger Restaurant Ikarus die Zutaten auf Models und verpasste den Beautys so ein Outfit der besonderen Art.

Foto-Kunstwerke
Für das Gericht „Oktopus mit Auberginen“ (siehe Seite 72) etwa schlüpften die Models in eine Gewürzfolie, die als Rock fungierte, und als Gürtel wurde ein Oktopus-Fangarm vergoldet. Die Haare der delikaten Mädchen wurden mit Wolfsbarschhaut zu adretten Zöpfen gebunden.

Kreativ kochen
Die Idee zu diesem Kochbuch der anderen Art kam vom Fotografen Helge Kirchberger. Er trat mit seiner Vision an Haubenkoch Roland Trettl heran und dieser war von dem Projekt sofort begeistert. Denn Trettl bezeichnet sich selbst als Fashion-Victim: „Ich gebe viel Geld für meine Garderobe aus. Damit motiviere und belohne ich mich.“

Insgesamt zwölf Monate lang wurde an dem Buch, das 30 Rezepte mit 144 sinnlichen Fotos bebildert, gearbeitet. Bei manchen Fotos benötigte Trettl für das Styling oft drei Stunden. „Bei einem solchen Projekt ist es natürlich immer gefährlich, dass die Fotos peinlich statt ästhetisch wirken,“ so Trettl. Dass das Buch mehr Kunst als Kitsch ist, beweist die Autorin des Vorworts: Das schrieb niemand geringerer als die Brit-Designerin Vivienne Westwood.

Filets statt Seide
Doch wie konnte der Spitzenkoch die Models motivieren, statt Designerkleidung Fischfilets zu tragen? Trettl: „Diese Zutaten landen jeden Tag in unserem Körper. Da kann man sie auch für kurze Zeit am Körper tragen. Außerdem ist jede Frau, sobald man sie mit Schokolade überpinselt, glücklich.“ Wer leise Zweifel hat: Selbst ausprobieren!



Foto (c) Helge Kirchberger (2)