Nadja Bernhard im Talk

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Nadja Bernhard im Talk

Nadja Bernhard ist Teil des ORF-Teams, das derzeit aus der freiwilligen Isolation am Küniglberg Sendung macht. Warum man sie dazu nicht zweimal bitten musste und wie sie die Corona-Krise sieht.

S ymi hätte mitkommen können, aber bei den Eltern am Land geht es ihr aktuell wohl besser“, erzählt „ZiB“-Moderatorin Nadja Bernhard von ihrem Hund, den sie beim Umzug in die freiwillige Isolation auf den Küniglberg lieber in der elterlichen Obhut ließ. „Auch wenn es sicher nett gewesen wäre, sie hier zu haben.“ Wie ihre Moderationskollegen Armin Wolf, Tarek Leitner oder Margit Laufer und auch andere, weniger bekannte, aber nicht minder essenzielle Teile des „ZiB“-Teams ist die 44-Jährige in ein isoliertes Areal des ORF-Zentrums gezogen, um auch in potenziellen Ausnahmesituationen ihre Aufgaben zum Informationszweck der Bevölkerung erfüllen zu können.

MADONNA-Talk. Wir klingelten bei der Moderatorin durch, um nachzufragen, wie es ihr in der freiwilligen Isolation derzeit geht, was ihre ganz persönlichen Gedanken zur Krise sind und wie sie trotz allem auch hinter der Kamera den Spirit nicht verliert.

Wie geht es Ihnen in der Isolation?
Nadja Bernhard:
Überraschend gut. Auch die Stimmung innerhalb des Teams ist gut. Die größte Herausforderung ist ja, dass die „ZiB“ aktuell doppelt so lang ist wie gewohnt, diese dementsprechend bestmöglich für die Zuseher zu gestalten, ist definitiv eine große journalistische Herausforderung. Einerseits ist es natürlich die perfekte Ablenkung, als Journalist arbeitet man einfach gern in solchen Zeiten. Aber es ist definitiv auch kräftezehrend.

Man musste sie also nicht lange bitten, in diese freiwillige Isolation am Küniglberg zu gehen?
Bernhard:
Nein, keinesfalls, für den Journalismus sind es ja spannende Zeiten. Ich finde es auch gut, dass der ORF diese Maßnahmen gesetzt hat.

Respekt für die Arbeit, die Sie derzeit leisten, der Ihnen wie die Einschaltquoten zeigen auch national entgegengebracht wird.
Bernhard:
Danke … Es gab kurz die Überlegung, ob wir die „ZiB 1“ einzeln moderieren sollen, doch letztlich hat der Gedanke überwogen, dass wir so auch für Kontinuität sorgen können. Denn während wir die gewohnte Situation in der „ZiB“ beibehalten, kommunizieren wir den Menschen auch ein bisschen, dass das Leben weitergeht.

Wie kann man sich denn Ihren aktuellen Alltag vorstellen?
Bernhard:
Ich habe viele Bücher in die Isolation mitgenommen, sogar ein Instrument, weil ich gedacht habe, dass ich die Zeit dafür nützen können werde. Aber im Endeffekt dreht sich alles nur um aktuelle Informationen, zur „ZiB“ kommen ja auch immer wieder Sondersendungen dazu. Dementsprechend beginnt der Tag damit, beim Frühstück, über den Tageszeitungen, mit den Kollegen zu sprechen. Und es fällt allen auf, dass man abgesehen von dem Corona-Thema zu nix kommt. Der Fokus liegt einfach auf dem Job. Und in diesem Büro-Umfeld abzuschalten funktioniert natürlich überhaupt nicht.

Wenn der ganze Tag auf die Arbeit gerichtet ist, gibt es aber bestimmt Momente, in denen man trotzdem kurz ausbrechen muss?
Bernhard:
Das ist mir schon aufgefallen, es schon auch die Momente, wo ich kurz „raus“ musste. Wir haben einen kleinen Garten und ich habe mir auch gedacht, dass ich da – egal, wie das Wetter grad ist – kurz raus muss, weil wir uns ja in einem durchgehend klimatisierten Gebäude befinden.

Gibt es auch positive Erkenntnisse aus der bestimmt auch angespannte Situation in der Isolation?
Bernhard:
Klar, es stärkt den Teamzusammenhalt definitiv. Obwohl ich sagen muss, dass wir auch davor schon ein gutes Team waren. Man lernt auch Menschen besser kennen, die man in dieser großen ORF-Struktur wahrscheinlich nie kennengelernt hätte.

Als Journalistin berichten Sie objektiv über Fakten, aber können Sie uns auch Ihre persönlichen Gedanken zur Krise verraten?
Bernhard:
Viele Freunde haben mir anfangs das Feedback gegeben, dass man es mir in den Sendungen angesehen hat, wie sehr mich die Situation mitnimmt. Denn auch wenn man im Studio sitzt, man bleibt ja ein Mensch. Da die richtige Tonalität zu finden, ist nicht immer einfach – einerseits will man keine Weltuntergangsszenarien rüberbringen, aber zu fröhlich darf man auch nicht sein. Das war schon eine kleine Gratwanderung. Ich glaube generell, dass wir alle perplex waren, wie schnell diese Situation über uns hereingebrochen ist. Mittlerweile bin ich schon in einen Trott reingekommen. Aber gerade am Abend kreisen die Gedanken über diesem Thema. Weil ja alles auch so ungewiss ist. Ich habe auch viele Freunde in Italien, mit denen ich immer wieder telefoniere, und die sind schon ziemlich am Ende ihrer Kräfte.

Sie waren, wie man Ihrer Insta-Seite auch entnehmen kann, noch vor wenigen Wochen in Italien.
Bernhard:
Ja, ich war in Rom und da war das – damals – auch noch gar kein Thema. Obwohl es im Norden natürlich schon eines war. Aber rückblickend ist es absurd zu glauben, dass Grenzen so ein Virus aufhalten können.

Gibt es auch positive Dinge, die man aus dieser Krise resümieren kann?
Bernhard:
Es ist auf jeden Fall eine Zäsur, eine Katharsis. Ich finde das Bewusstsein für die Wichtigkeit der systemerhaltenden Arbeitnehmer sehr schön – hoffentlich bleibt es uns nachhaltig und fördert ein gesellschaftliches Umdenken. Es rührt mich auch immer wieder zu Tränen, wenn ich Videos von Menschen sehe, die sich durch diverse Aktionen, wie dem Singen von Balkonen etc. gegenseitig Mut machen. Und ich denke immer wieder an die Kriegsgeneration. Wenn ich überlege, wie viel Zeit mir aktuell „verloren“ geht. Der Frühling, den man nicht genießen kann. Und dann denke ich an die Menschen, die den Krieg erlebt und somit ganze Jahre ihres Lebens verloren haben. Ich habe zwar leider keine Großmutter mehr, aber ich kann jetzt definitiv mehr nachempfinden, was sie von damals erzählt hat.