Nachhinken bei vorschulischer Bildung

OECD-Studie

Nachhinken bei vorschulischer Bildung

Bei der vorschulischen Bildung hinkt Österreich im internationalen Vergleich nach / Unser Bildungssystem fällt in OECD-Studie durch

(c) sxcLaut der OECD-Studie "Bildung auf einen Blick 2008" ("Education at a Glance") liegt die Bildungsbeteiligung der Unter-Vier-Jährigen, also der Besuch eines Kindergartens, mit 67,9 Prozent unter dem OECD-Schnitt von 69,4 Prozent. Auch in der Gruppe der Fünf- bis 14-Jährigen dürfte der mangelnde Kindergartenbesuch den Schnitt drücken, schließlich liegt die Bildungsbeteiligung in dieser Altersgruppe nur bei 98,1 Prozent (OECD-Schnitt: 98,5 Prozent).

Erziehung & Betreuung im Vorschulalter
Dabei plädiert die OECD in der Studie für Erziehung und Betreuung im Vorschulalter, sie spiele eine große Rolle beim "Aufbau einer soliden Grundlage für späteres lebenslanges Lernen" und Chancengleichheit beim Zugang zu Bildungsmöglichkeiten. "Viele Länder haben dem Rechnung getragen, indem eine fast universelle Teilnahme im Elementarbereich ab drei Jahren eingeführt wurde."

Kindergarten
Dass der Kindergarten in Österreich noch nicht den Stellenwert wie die klassischen, schulischen Bildungseinrichtungen hat, zeigen auch die Finanzierungsquellen: Der Kindergartenbesuch wird hierzulande zu rund 66 Prozent von der öffentlichen Hand getragen, im OECD-Schnitt sind es 80,2 Prozent, in Schweden 100 Prozent.

Höherer Bildungsebene
Auf höherer Bildungsebene ist ein Abschluss der Sekundarstufe II (Matura oder abgeschlossene Lehre) in den OECD-Ländern unter den Jugendlichen mittlerweile "zum Standard" geworden. Österreich liegt hier deutlich über dem international mittlerweile hohen Niveau: 87 Prozent der 25- bis 34-Jährigen verfügen über einen Abschluss im Sekundärbereich II, im OECD-Schnitt sind es 78 Prozent. Es gibt allerdings Länder mit noch höherem Niveau, etwa Südkorea (97 Prozent), Tschechien (94) oder Schweden (91).

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Unser Bildungssystem fällt in OECD-Studie durch

Die neue OECD-Studie "Bildung auf einen Blick 2008" streicht zwar ein paar wenige positive Tendenzen im österreichischen Bildungssystem hervor, "Die Entwicklung reicht aber nicht aus", schreibt die OECD, um etwa bei der Studierendenquote zu den übrigen OECD-Ländern aufzuschließen.

Mängel trotz positiver Tendenzen
Als Positiv wird etwa der "deutlich gestiegene" Anteil der Studienanfänger oder die gesunkenen Drop-Out-Raten an den Hochschulen angemerkt. Seit 1995 hat sich nämlich der Anteil der Hochschulabsolventen eines Altersjahrgangs von zehn auf 21 Prozent mehr als verdoppelt. Dennoch bleibe damit "der Anteil der Hochqualifizierten je Jahrgang der drittniedrigste in der OECD vor der Türkei und Griechenland und gleichauf mit Deutschland", schränkt die OECD diesen Zuwachs ein. Das gilt ebenso für den seit 1995 von 27 auf 40 Prozent gestiegenen Anteil der Jugendlichen, die ein Studium beginnen, oder die von 35 auf 29 Prozent gesunkene Drop-Out-Rate an den Hochschulen.

Denn einerseits bleibt die Akademikerquote an der 25- bis 64-jährigen Bevölkerung in den vergangenen Jahren unverändert bei 18 Prozent und damit deutlich unter dem OECD-Schnitt von 27 Prozent.

Zahl der Studienanfänger international höher
Andererseits unterscheidet sich im Gegensatz zu vielen anderen Ländern der Akademikeranteil unter den Jüngeren (25 bis 34 Jahre) nur wenig von jener Generation, die bald den Arbeitsmarkt verlassen wird. Zudem ist auch in jenen Bereichen, wo Österreich Zuwächse und Verbesserungen verzeichnen konnte, die internationale Entwicklung ungebrochen und die Zuwächse oft deutlich stärker als hierzulande. So ist etwa die Studienanfängerquote in Österreich seit 1995 um 13 Prozentpunkte gestiegen, im OECD-Raum allerdings um 19 Prozentpunkte.

Bessere Chancen für Akademikerkinder
Dem steht eine nach wie vor "starke sozioökonomische Selektion beim Hochschulzugang" (OECD) gegenüber. So ist in Österreich die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind aus einer Akademikerfamilie ein Studium beginnt, mehr als doppelt so groß als der Anteil solcher Familien an der Gesamtbevölkerung. Anderen Ländern wie Irland oder Spanien würde es "wesentlich besser gelingen, allen - unabhängig vom sozialen Hintergrund - einen höheren Bildungsabschluss zu ermöglichen", heißt es in der Studie.

Wenig Bildungsausgaben
Auch die Bildungsausgaben bleiben in Österreich im internationalen Vergleich niedrig und in den vergangenen Jahren konstant, gleich ob man sie an den gesamten Staatsausgaben oder am Bruttoinlandsprodukt misst. Dennoch liegen die jährlichen Ausgaben pro Schüler bzw. Student in der OECD im Spitzenfeld.

Kritik an Studiengebühren
Auch Stoff für die derzeitige Studiengebühren-Diskussion liefert die OECD-Studie: Die Experten sehen in hohen Studiengebühren zwar "möglicherweise ein Hindernis für die Aufnahme eines Studiums". Gleichzeitig könne aber auch ein Verzicht auf Studiengebühren allein die Probleme bei Zugang und Qualität der Bildung im Uni-Bereich "vollständig lösen"

Reaktionen der Politiker
Wissenschaftsminister Johannes Hahn (V) erwartet sich angesichts des "anhaltenden Trends zu höherer Bildung" "langfristig eine spürbare Erhöhung des Akademikeranteils an der Erwerbsbevölkerung". Unterrichtsministerin Claudia Schmied (S) sieht dagegen weiterhin "großen Handlungsbedarf im Bildungssystem" und kritisierte dessen geringe Chancengerechtigkeit.