Mozarts frivolste Oper

Heute im TV

Mozarts frivolste Oper

Heute hat Mozarts "Così fan tutte" Premiere in Salzburg. ORF 2 sendet ab 21 Uhr.

Isabel Leonard (Dorabella) und Topi Lehtipuu (Ferrando) Bild: © AP

Così fan tutte müsste man eigentlich nackt spielen!“ Ichhabe es noch im Ohr, das Radiointerview mit dem verstorbenen RegiestarJean-Pierre Ponelle. Ich habe lange gebraucht, um zu verstehen, was er damitgemeint hat. Heute weiß ich: Er hatte recht! Klarerweise geht es nicht umkörperliche Nacktheit, sondern um seelische – keine andere Oper hat jemalsMenschen so entblößt, so verletzlich und nackt gezeigt wie diese!

Das hat schon Mozarts Zeitgenossen geschockt!
Frivol,liederlich, lächerlich sei die Handlung, vermerkten die Kritiker 1790, undkein Geringerer als Beethoven meinte: „Opern wie Così fan tuttekönnte ich nicht komponieren. Dagegen habe ich einen Widerwillen. Ich hättesolche Stoffe nicht wählen können, sie sind mir zu leichtfertig.“

„Così fan tutte“ ist eine Partnertausch-Oper
Cosìfan tutte ist, hart ausgedrückt, eine Partnertausch-Oper. ZweiLiebespaare beginnen ein Bäumchen-wechsle-Dich-Spiel – was als Wettebeginnt, führt in tiefste seelische Dimensionen.

Sehnsüchte undVerletzungen, Täuschung und Enttäuschung. Mozart selbst nannte das Ganzeeine „Opera buffa“, eine komische Oper, und komponierte dazu dieerschütterndste Musik, die man sich nur vorstellen kann.

Regisseur Claus Guth wagt mutigen Schritt
Ganz sicher spielteseine eigene Lebenserfahrung eine gewisse Rolle. In der Cosìverlassen zwei Schwestern ihre Geliebten zugunsten anderer Männer – und wirwissen, dass Mozarts große Liebe ja nicht seine Frau Konstanze war, sondernderen Schwester Aloysia, eine gefeierte Sängerin; und dass die Ehe mitKonstanze zwar glücklich, aber voller Spannungen und Eifersucht war.

Elegante, sensible Inszenierung
Regisseur Claus Guth wagt es inseiner eleganten, sensiblen Inszenierung, die üblichen Verkleidungs- undVerwechslungsspiele wegzulassen. Ein mutiger Schritt, der nicht nur die vierLiebenden seelisch „nackt“ zeigt, sondern auch die Tiefen des Herzensauslotet. – Ich hoffe, Sie sind mit dabei!