Mein Mann,  der Betrüger

Über den Tiefen Fall der Ruth Madoff

Mein Mann, der Betrüger

Vermögen weg, Ansehen weg! Ruth Madoff & Ruth Elsner teilen ein Schicksal. So leiden die Frauen der Inhaftierten.

„Dieser Mann ist nicht mehr der, den ich all die Jahre kannte.“, so Ruth Madoff über Ehemann. Bild: (c) Fally"Ich fühle mich betrogen. Ich habe von all dem nichts gewusst", sagte Ruth Madoff (68) kurz nach der Verurteilung ihres Mannes Bernhard Madoff (71) zu 150 Jahren (!) Haft. Er wird den Rest seines Lebens in einem Hochsicherheitsgefängnis verbringen. Und Ruth Madoffs Leben in Saus und Braus ist für immer zu Ende.

Tage zuvor: Sie hörte lautes Pochen an der Türe ihres Penthouses an der schicken Upper East Side in Manhattan. Jahrzehntelang war alles wie im Traum: Millionenvillen in den Luxus-Strandenklaven der Hamptons oder dem steinreichen Palm Beach. Empfänge mit Wirtschaftsmagnaten, Filmstars oder Kultur-Mäzenen, Champagner, Kaviar, Lachsbrötchen. Und die Trips: Genf, London, Paris, Hongkong, Tokio, Sydney, die Finanzzentren der Erde. Wieder: „Knock, Knock!“ U.S.-Marshalls marschieren in das Luxusapartment im Wert von sieben Millionen Dollar, über die Perserteppiche um 35.000 Dollar, vorbei am Teetischchen um 20.000 Dollar, durch die Räume voller Antiquitäten. Barsch teilen ihr die Beamten mit, dass die Wohnung „beschlagnahmt“ sei. Einmal versucht es Mrs. Madoff noch, fragt, ob sie ihren Lieblingspelzmantel mitnehmen dürfe. Es nützt nichts. Mit versteinerter Miene muss sie abziehen, nur mit ihrer Handtasche.

Szenen, die Ruth Elsner, Frau des verurteilten Ex-Bawag-Bosses Helmut Elsner, erspart blieben. Sie darf – zumindest vorerst – im Luxuspenthouse in der Tuchlauben wohnen. Und trotzdem teilt die Österreicherin mit Madoffs Gattin nicht nur den Vornamen, sondern auch die Schmach, die sie beide in der Öffentlichkeit bis heute erleben müssen. Denn: Ruth Madoff, einstiger Star in der Szene des New Yorker Geldadels, ist nun eine der meist gehassten Frauen Amerikas. Immerhin ist ihr Ehemann der größte Betrüger der Menschheitsgeschichte: Bernard Madoff, einst eloquenter Finanzmann mit dem Ruf eines Wall-Street-Gurus, der in den Country Clubs die Anleger-Millionen aufsaugte – und am Ende verzockte. Gesamtschaden: 65 Milliarden Dollar! Mit dem Kapital neuer Investoren wurden die Renditen alter bezahlt, bis das Kartenhaus einstürzte.

Bernie Madoff am Weg ins Gericht. Er wurde zu 150 Jahren Haft verurteilt. Bild: (c) APARuf retten. Der Hass auf Madoff ist so groß, da nicht nur die Anlageportfolios von Stars wie Steven Spielberg oder Kevin Bacon ausgelöscht wurden, sondern auch Kleinanleger ihre Lebensersparnisse verloren. Viele halten Ruth für eine Komplizin: „Such dir einen Job, wie wir alle“, rief ihr ein geprellter Anleger wütend nach, als sie das Gebäude verließ. Hilflos versuchte sie, ihren Ruf zu retten. Doch während Ruth Elsner zu ihrem Mann steht, versucht Madoff verzweifelt, sich von ihrem Gatten zu distanzieren. Bernie hätte auch sie „betrogen“, hinters Licht geführt, jener skrupellose Milliardenzocker sei nicht der Mann gewesen, den sie kannte. „Viele meiner besten Freunde waren auch Anleger bei meinem Mann“, schrieb sie. Wie einsam sie jetzt ist, illustrierte ein Foto, auf dem sie verängstigt auf einem Plastiksessel der U-Bahn hockt.

Endstation Alaska?
Der Abstieg der Betrüger-Ehefrau ist brutal: Immobilien und Wertgegenstände im Gesamtwert von 80 Millionen Dollar musste sie retournieren. Die sollen versteigert, aus den Erlösen geschädigte Anleger restituiert werden. Neben den vier Jachten, dem Penthouse und fünf Millionenvillen steht auf der Liste: Schmuck um 2,6 Millionen Dollar. Noch schmerzhafter: Im Salon, wo sie einst ihre Maniküre erhielt, ist sie plötzlich unerwünscht. Im Fitnessstudio ebenso. Die Wohnungssuche dürfte sich in New York schwierig gestalten. Eine Gemeinde hatte Ruth nun angeboten, sie aufnehmen zu wollen. Der Ort: Nome, Alaska.