Megxit: Wie geht es nun weiter?

Time to say goodbye!

Megxit: Wie geht es nun weiter?

Adel verpflichtet … scheinbar nicht mehr. Wie es mit Harry und Meghan nach ihrem royalen Rücktritt weitergehen soll und warum die Queen mit ihrem Verdikt große Weisheit bewiesen hat. 

Wer hätte gedacht, dass es nach dem katastrophalen 2019 für die britischen Royals auch im neuen Jahr nicht minder skandalös weitergeht. Seit Harry und Meghan vergangene Woche per Instagram verkündeten, einen Großteil ihrer royalen Verpflichtungen aufgeben, sich finanziell abnabeln und zwischen Kanada und dem Vereinigten Königreich pendeln zu wollen, herrscht im und rund um den Buckingham Palace Ausnahmezustand. Selbst wenn die beiden in ihrem Statement betonten, Queen Elizabeth II. weiterhin „voll unterstützen“ zu wollen, wirklich glauben wollen ihnen das die seit den letzten Monaten von dem Ehepaar Sussex recht enttäuschten Briten nicht mehr.    

Übereilt. Zumal allein die Art ihrer königlichen Kündigung nicht ganz dem Protokoll entsprechend schien. Kurz nach ihrem Outing veröffentlichte der britische Hof ein erstes, offizielles Palast-Statement. Darin schrieb das Königshaus: „Gespräche mit dem Herzog und der Herzogin von Sussex sind in einem frühen Stadium. Wir verstehen ihren Wunsch, einen anderen Ansatz zu verfolgen, aber dies sind komplizierte Themen, deren Bearbeitung einige Zeit in Anspruch nehmen wird.“ Aus diesen Zeilen ging hervor, dass der britische Hof, allen voran die 93-jährige Queen Elizabeth II., als derzeit regierende Monarchin, öffentlich noch keine klare Haltung zu Harrys und Meghans Plänen beziehen wollte. Der britische TV-Moderator Piers Morgan (54), ein Experte für royale Berichterstattung, interpretierte das Schreiben so, dass die Queen „stinkwütend“ sei. Aus royalen Insider-Kreisen hieß es, dass hochrangige Mitglieder des Königshauses verletzt seien und nichts von den Plänen des Herzogs und der Herzogin von Sussex gewusst haben sollen. Wenige Tage später folgte dann der Krisengipfel auf Sandringham, um zu klären,  womit Harry und Meghan denn künftig ihr Geld verdienen und ob sie ihre Titel behalten dürfen. Bei dem Treffen war laut Medienberichten neben der Queen, die schon seit Weihnachten auf dem Landsitz in Ostengland weilte, auch ihr Sohn Prinz Charles. Ebenso dabei: Prinz Harry und sein Bruder William. Herzogin Meghan währenddessen hielt sich zu dieser Zeit schon in Kanada auf. 

Die Queen hat akzeptiert. Nach einigen Stunden schien eine Lösung gefunden. „Heute führte meine Familie sehr konstruktive Diskussionen über die Zukunft meines Enkels und seiner Familie“, darf man Queen Elizabeth II. per anschließender Aussendung zitieren. „Meine Familie und ich unterstützen Harrys und Meghans Wunsch, ein neues Leben als junge Familie zu schaffen, vollkommen. Obwohl wir es vorgezogen hätten, sie als Vollzeit ­arbeitende Mitglieder der Königlichen ­Familie zu behalten, respektieren und verstehen wir den Wunsch nach einem unabhängigeren Leben als Familie, während sie ein wertvoller Teil meiner Familie bleiben“, hieß es.
Einfluss. Hardliner, wie u. a. auch Moderator Piers Morgan, der schon seit Beginn von Harrys und Meghans Beziehung gegen die Amerikanerin schießt, werden mit dieser Entscheidung wahrscheinlich nicht hundertprozentig zufrieden sein. Doch Queen Elizabeth II. hat in dieser Causa bewiesen, dass sie mit 93 Jahren aus Fehlern der Vergangenheit gelernt hat. Zu oft war die Geschichte der britischen Royals geprägt von Einmischungen. 1955 untersagte sie zum Beispiel ihrer Schwester Margaret die Hochzeit mit ihrem geschiedenen Liebhaber Peter Townsend. Die Prinzessin heiratete schließlich den Fotografen Tony Armstrong-Jones, mit dem sie jedoch nur temporär glücklich war. 1978 ließen sich die beiden wieder scheiden. Doch die Tatsache, dass Elizabeth in ihrer Beziehung interveniert hatte, belastete das Verhältnis der beiden Schwestern bis zu Margarets Tod 2002. Die Queen fragt sich vermutlich noch bis heute, ob ihre Entscheidung aus Staatsräson die richtige war. Seit Elizabeth II. die Last der britischen Krone trägt, agierte sie stets im Sinne der Monarchie. Und diese basiert auf Kontinuität, Konformität und und Kult. So achtete sie nicht nur stets auf ihr eigenes Verhalten, sondern intervenierte auch bei Schwester Margaret oder Sohn Charles und Schwiegertochter Camilla. Heute weiß die Queen jedoch, dass es keine Garantie dafür gibt, dass Ehen in ihrer Familie halten. Ohne ihr Zutun ist sie hinterher wenigstens nicht schuld. Doch dieses Mal agierte sie nicht nur als Monarchin und Staatsoberhaupt, sondern als Großmutter. Statt Harry und Meghan vor die Tür zu setzen, ihnen die Titel zu entziehen und den Geldhahn zuzudrehen, entschied sie sich dazu, dem jungen Paar größere Zugeständnisse zu machen. 

Perspektiven. Harry und Meghan ein Leben in Kanada und Großbritannien zu erlauben, abseits der Krone und doch unter dem Schutz der Royal Family, scheint, nachdem sich die erste große Aufregung gelegt hat, wie ein Meisterstück der Königin. Elizabeth wusste, dass sie nicht gewinnen kann, indem sie Harry zum Dienst an der Krone verdonnert. Zu groß war das Risiko, den rebellischen Enkel komplett zu verlieren. Dementsprechend handelte die 93-jährige Monarchin nicht nur altersmilde, sondern weise. Wahrscheinlich wäre es ihr lieber, würde Harry sich tatsächlich für ein bürgerliches Leben entscheiden, seinen Sohn auf eine öffentliche Schule schicken und den Familienunterhalt als einfacher Angestellter verdingen, anstatt auf ein potenzielles Glamourleben in Amerika hinzuarbeiten. Doch darauf hat sie keinen Einfluss mehr. Immerhin konnte sie mit dieser empathischen Entscheidung einmal mehr familiäre Einheit gewährleisten und das effizienter, als es wohl eine harte Linie gewesen wäre.  
 
Komplexe Fragen. Nun geht es darum zu klären, wie es wirklich mit Harry und Meghan weitergeht. Nach ihrer Entscheidung künftig einen Teil ihrer Zeit in Kanada zu verbringen, denkt die dortige Regierung noch darüber nach, ob sie den Schutz des prominenten Paares übernimmt. „Ich denke, das ist Teil der Überlegungen, die nötig sind, und dazu laufen Gespräche“, sagte Premierminister Justin Trudeau gegenüber dem kanadischen Fernsehsender Global. Noch ist demnach völlig offen, ob Kanada die nicht unerheblichen Kosten für die Schutzmaßnahmen des Paares übernimmt. „Wir sind nicht völlig sicher, wie die endgültige Entscheidung aussehen wird“, sagte Trudeau. Es seien noch „viele Gespräche nötig“. Grundsätzlich unterstützten die Kanadier es aber sehr, dass das Paar teils in ihrem Land leben wolle. Zuvor hatte der kanadische Finanzminister Bill Morneau britische Presseberichte zurückgewiesen, wonach Trudeau der britischen Königin Elizabeth II. zugesagt habe, dass Kanada die Sicherheitskosten für Harry und Meghan übernehmen könne. „Wir haben keine Zeit damit verbracht, über dieses Thema nachzudenken“, so Morneau. Als Mitglied des von der Queen angeführten Commonwealth wolle Kanada allerdings „eine Rolle spielen“, immerhin hat es als Commonwealth-Mitglied die Queen auch als Staatsoberhaupt. Kanadischen Medien zufolge dürfte der Schutz von Harry, Meghan und ihrem Sohn Archie jährlich rund 1,7 Millionen kanadische Dollar (eine Million Euro) kosten. Den britischen Medienberichten zufolge will sich Kanada mit umgerechnet 584.000 Euro pro Jahr daran beteiligen. Bei den bisherigen Besuchen von Mitgliedern des britischen Königshauses haben sich traditionell immer auch die kanadischen Steuerzahler an den Kosten der Sicherheitsmaßnahmen beteiligt.

Back to Business. Darüber hinaus wird selbstverständlich schon fleißig über potenzielle Jobs der Sussexes gemunkelt. Möglicherweise wollen Harry und Meghan selbst mehr von ihrem millionenstarken Image – allen voran sei hier der „Meghan-Effekt“ zu nennen – profitieren, jetzt, wo sie selbst Geld verdienen wollen, wie sie nach der Ankündigung ihrer Pläne auch auf ihrer Homepage mitteilten. Schon im Juni 2019 haben die beiden die Sussex Royal Foundation markenrechtlich schützen lassen, diese beinhaltet mehr als hundert unterschiedliche Artikel. Buchdeals, Engagements als Redner oder Markenwerbung könnten dem Paar ebenfalls viel Geld einbringen. Nach Informationen der Londoner „Times“ soll es Meghan zurück in die Unterhaltungsbranche ziehen. Wie die Zeitung berichtet, soll sie einen Vertrag mit Disney unterzeichnet haben. Den Informationen zufolge habe Meghan eingewilligt, eine Synchronsprecher-Rolle zu übernehmen – für welches Projekt genau ist allerdings nicht bekannt, auch die Quelle nennt die Zeitung nicht. Im Gegenzug für Meghans Stimme soll das Medienunternehmen an die Wohltätigkeitsorganisation „Elephants without Borders“ gespendet haben, wie die „Times“ weiter berichtet. Die Aufnahmen sollen aber nicht erst noch anstehen, sondern bereits abgeschlossen sein. Herzogin Meghan habe demnach das Voiceover bereits im November letzten Jahres aufgenommen, also noch vor ihrer Weihnachts-Auszeit mit Prinz Harry und ihrem gemeinsamen Sohn Archie. Offiziell bestätigt sind die Informationen allerdings weder von Meghan noch von Disney. Das neue Jahr wird es uns jedoch bestimmt zeigen.