Maria Großbauer zieht Bilanz

Nach Opernball-Abschied

Maria Großbauer zieht Bilanz

Von 100 auf null – und das innerhalb weniger Stunden. Während sie vor dem 20. Februar inmitten des Rampenlichts stand, wurde es mit den Klängen von „Brüderlein fein“ als legendäres letztes Lied am Wiener Opernball still um Maria Großbauer. Nach vier „Bällen der Bälle“ machte sie – zeitgleich mit Opern­direktor Dominique Meyer – Schluss. ­MADONNA traf die ÖVP-Nationalratsabgeordnete, Ehefrau des ehemaligen Wiener Philharmoniker-Chefs Andreas Großbauer und Mutter eines 6-jährigen Sohnes, um mit ihr über harte Kritik, Abschiedsschmerz und Zukunft zu sprechen.

Vor drei Wochen standen Sie im Fokus des öffentlichen Interesses – sind Sie jetzt nach Ihrem Abschied quasi in ein Loch gefallen?
Maria Grossbauer:
Also in einem Loch bin ich nicht (lacht). Die Situation, dass es nach dem Opernball plötzlich ganz still ist, ist für mich keineswegs neu. Das war immer so: Vor dem Opernball wird alles an die Spitze getrieben – sodass man sich manchmal schon denkt: „Ich kann mich selbst schon nicht mehr in der Zeitung sehen.“ Auch wenn das natürlich sehr schön ist und ich das genossen habe. Vor allem auch die vielen Side-Events, die wir vor dem Ball sehr erfolgreich veranstaltet haben. Man ist beflügelt von dem Bestreben, alles perfekt hinzubekommen – aber man ist dann auch froh, wenn es vorbei ist, weil das Ganze ja auch körperlich anstrengend ist und man ein Mega-Schlafdefizit hat. Es ist für mich also heuer nicht viel anders als in den letzten Jahren. Und fad ist mir sowieso nicht, weil ich ja auch im Parlament dann gleich nach dem Ball Sitzung hatte. Da geht es weiter und es gibt immer viel zu tun.


Sprich, Sie setzen auf Ihren Job als Nationalratsabgeordnete und bleiben der Politik treu?
Grossbauer:
Auf jeden Fall! Da gibt es gerade im Bereich der Kultur auch viel zu tun. Aber ich habe auch schon die eine oder andere Idee … Ich komme ja ursprünglich aus der Werbung und das Kreative, das aktive Gestalten liegt mir schon sehr. Das brauche ich auch. Mal schauen, was mir dazu einfällt …


Sie haben also schon neue Pläne?
Grossbauer:
Ich habe ein paar Ideen, aber noch nichts Spruchreifes. Ich möchte mir jetzt auch mal ein bisschen Zeit geben und offen sein. Mal schauen, was passiert.

Jetzt haben Sie auch mehr Zeit für Ihre ­Familie. Ist das keine Option für Sie – einfach mal Vollzeit-Mami zu sein?
Grossbauer:
Nein, das ist nichts für mich. Aber ich habe immer versucht, genügend Zeit für meinen Sohn zu haben. Meine Wochenenden waren mir schon immer heilig. Natürlich gab es Wochen, die enorm waren und wo es dann auch nicht mehr so lustig war – aber das kennt jede berufstätige Mutter. Worüber ich mich freue, ist, dass ich jetzt Zeit habe, die Geburtstagsparty meines Sohnes vorzubereiten. Er wird sechs und da machen wir eine große Gruselparty.

Sie sind also keineswegs deprimiert, dass Sie nicht mehr Opernball-Chefin sind?
Grossbauer:
Nein, und es gibt auch keinen Grund dazu. Tut mir leid, wenn ich alle enttäusche, die glauben, ich bin jetzt total fertig (lacht). Mir war ja auch immer klar, dass ich nicht nur die jüngste, sondern auch wahrscheinlich die am kürzesten dienende Opernball-Organisatorin sein werde. Ich hätte es sowieso nicht bis zu Pension gemacht. Ich werde heuer im Mai erst 40 und hätte mir nie gedacht, was ich bis dahin schon alles geschafft habe. Ich glaube, das ist schon ganz okay – aber man bekommt auch nichts geschenkt im Leben. Auch ich hatte es nicht immer so einfach, wie vielleicht manche denken. Aber mein größtes Glück ist, dass ich einen gesunden Sohn und liebevolle Menschen um mich habe, denen ich vertrauen kann. Die auch da sind und mich schätzen, wenn ich nicht mehr auf der Feststiege des Opernballs stehe. Deshalb war es mir auch immer wichtig, mich in keinster Weise zu verändern in dieser Zeit – weil ich wusste: Ich möchte auch danach jedem ins Gesicht schauen und gut in Wien leben können.

Sie wurden kurz vor dem diesjährigen Opernball öffentlich angefeindet, weil Sie zu wenig für den Ball gemacht hätten …
Grossbauer:
Ich habe in den letzten vier Jahre gelernt, dass man nicht alles ernst nehmen darf – und kommentieren schon gar nicht. Überall, wo viel Licht ist, gibt es auch Schatten. Darüber darf man sich nicht aufregen – auch das habe ich gelernt.

Nun soll es ja keine weitere Opernball-Chefin mehr, sondern ein ganzes Komitee geben. Was meinen Sie dazu?
Grossbauer:
Das ist eine Ansichtssache. I did it my way – und es gibt viele Möglichkeiten, etwas zu machen. Was klar ist: Die Oper braucht einen Opernball. Ich liebe Traditionen, aber innerhalb einer Tradition muss es ja auch immer weitergehen, sonst interessiert es irgendwann keinen mehr. Das habe ich versucht umzusetzen, wobei mein Prinzip lautet: Evolution, nicht Revolution. Wer das nun macht und in welcher Weise, ist Geschmacksache und liegt in den Händen des neuen Direktors. Wir wissen es ja alle noch nicht, aber wie sagt man in Wien: „Schau ma mal.“ (lacht) Was ich nie gemacht habe und auch in Zukunft nicht machen werde, ist es, Ratschläge zu geben. Das sind alles erwachsene Menschen.

Wenn man so eine Aufgabe übernimmt, ist das bestimmt ein enormer Druck. Wie sind Sie damals damit umgegangen?
Grossbauer:
Dafür gibt es kein Handbuch. Wichtig ist es, Ideen und Visionen zu haben – ich habe meine umgesetzt. Die Staatsoper ist ein sehr großes Haus, mit vielen Menschen. Da gibt es Menschen, die von Anfang an super dabei sind, mitmachen und auch unterstützend sind. Und dann gibt es auch welche, bei denen ist das nicht so. Damit muss man auch leben. Es gab intern auch Herausforderungen, natürlich. Am Ende des Tages zählt aber nicht, wie schwierig es war oder wer nicht lieb war, sondern nur das Ergebnis. Man muss diesbezüglich eine gewisse Gelassenheit entwickeln. Ich möchte jetzt nicht sagen „dicke Haut“, weil ich trotzdem ein sensibler Mensch sein will. Aber der Opernball war schon eine Art Lebensschule.
 

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