Mädchen von Welt

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Mädchen von Welt

Am 11. Oktober ist Internationalen Mädchentag, hier werden die Bedürfnisse von Mädchen und jungen Frauen in den Fokus gerückt. Wie wichtig es ist, unsere Töchter (und uns selbst) zu sensibilisieren. 

Es gibt einen Weltkindertag (in Österreich am 20. September), es gibt einen Weltfrauentag (8. März) - wozu braucht es einen eigenen Weltmädchentag? Die Antwort ist simpel: Trotz aller Fortschritte haben junge Frauen auf der ganzen Welt nach wie vor mit zahlreichen Herausforderungen und Benachteiligungen zu kämpfen. Echte Gleichberechtigung herrscht bisher in keinem Land. Gerade in Zeiten von Pandemie, Krieg, Inflation und Klimawandel ist es wichtiger denn je, Mädchen und jungen Frauen besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Denn Krisen treffen Kinder -und insbesondere Mädchen - immer mit extremer Härte. Krisenbedingt verschärfen sich bereits vorhandene Ungleichheiten laut UNICEF für Mädchen weiter, sie werden noch stärker als zuvor benachteiligt.

Der Weltmädchentag. Laut UN-Kinderrechtskonventionen sollen Mädchen die gleichen Chancen und Rechte wie Jungen haben. Doch die Realität sieht oft anders aus. Der Internationale Weltmädchentag am 11. Oktober, der heuer bereits zum zehnten Mal stattfindet, ist ein wichtiger Schritt hin zur mehr Gleichberechtigung und Chancengleichheit. Er soll weltweit den Anstoß dazu geben, die Situation von Mädchen und jungen Frauen nachhaltig zu verbessern -um Mädchen die Chance zu geben, einmal starke, unabhängige und vor allem glückliche Frauen zu werden.

Wichtige Fakten. Weltweit leben derzeit rund 2,4 Milliarden Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren -etwa die Hälfte davon sind Mädchen. Die durchschnittliche Lebenserwartung eines heute geborenen Mädchens liegt bei 75 Jahren, wobei Frauen, die in ärmeren Ländern geboren werden, mit einer durchschnittlich 20 Jahre kürzeren Lebenszeit rechnen können als Frauen in Industrieländern. Im Jahr 2021 betrug die durchschnittliche Lebenserwartung von Frauen in Österreich etwa 83,3 Jahre (78,8 Jahre waren es bei den Männern). Weltweit gingen bereits vor Ausbruch der Pandemie fast 128 Millionen Mädchen nicht nur Schule. Zeitweilig waren 767 Millionen Mädchen von den Schulschließungen betroffen. Laut Schätzungen der UNESCO könnten bis zu elf Millionen Mädchen weltweit nicht mehr an die Schule zurückkehren. Stattdessen werden junge Frauen in vielen Ländern in die Pflicht genommen, einen Beitrag zu Hausarbeit und Kinderbetreuung zu leisten. Grund dafür sind geschlechterdifferenzierte Machtverhältnisse und ein Rollenverständnis, nach dem Haushalt und Kindererziehung "Frauensache" seien.

Bildung, die nicht nur frei zugänglich, sondern vor allen auch frei von Geschlechterstereotypen ist, ist im Rahmen der Gleichberechtigungsdebatte eines der präsentesten Themen. Denn Bildung ist nie nur reine Wissensvermittlung, sondern immer auch Schutz vor Benachteiligung und Armut sowie Chance auf persönliche und berufliche (Weiter-)Entwicklung. Während wir in Österreich einen weitgehend guten Zugang zu Bildungsangeboten haben, sind Mädchen in zahlreichen Ländern der Welt diesbezüglich benachteiligt. Besonders betroffen sind Subsahara-Afrika, Mittlerer Osten und Südasien. In Krisensituationen, wie etwa nach einer Naturkatastrophe oder in Kriegen, haben Mädchen einen besonders erschwerten Zugang zu Bildung. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie nach einer derartigen Notlage gar nicht mehr zur Schule gehen, ist laut UNICEF doppelt so hoch wie bei Jungen. Mädchen, die zur Schule gehen, heiraten laut Studien später, bekommen weniger und gesündere Kinder und haben später einmal ein höheres bzw. überhaupt ein eigenes Einkommen. Würden alle Mädchen in Entwicklungsländern die Schule abschließen, gehen Experten von einem weltweiten Rückgang der Kindersterblichkeit von 50 Prozent aus.

Frühe Ehen, frühe Schwangerschaften. Auch Frühverheiratung und Frühschwangerschaft hindern junge Frauen daran, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Es ist bekannt, dass rund 650 Millionen Frauen auf der Welt bereits vor ihrem 18. Geburtstag (zwangs-)verheiratet waren. Die meisten Frühehen werden im südlichen Afrika, südlichen Asien und in Lateinamerika geschlossen. In West-und Zentralafrika waren laut UNICEF etwa der 37 Prozent der heute 20-bis 24-jährigen jungen Frauen bereits vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet, zwölf Prozent davon waren bei ihrer Hochzeit nicht einmal 15 Jahre alt. Mädchen, die früh verheiratet werden, gehen meist nicht mehr zur Schule, werden früh schwanger und haben wenig bis kaum Chance auf ein unabhängiges Leben.

Psychische und physische Gewalt. Weltweit sind zahlreiche Frauen von emotionaler und/oder körperlicher Gewalt betroffen - in allen Altersgruppen, in allen sozialen und ökonomischen Schichten. Jedes fünfte Mädchen zwischen 15 und 19 Jahren gibt laut UNICEF an, in seinem Leben bereits Gewalt erlebt zu haben. Mädchen mit körperlicher Beeinträchtigung sind besonders gefährdet. Diesbezüglich die Stimme zu erheben, sich gemeinsam gegen Gewalt und/oder Missbrauch zu wehren und vor allem Mädchen und jungen Frauen das Gefühl zu geben, nicht alleine zu sein, sind wichtige Schritte auf dem Weg raus aus Abhängigkeiten bzw. Missständen.

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Starke Mädchen, starke Frauen. "Gesundheit und Wohlergehen","hochwertige Bildung","Beseitigung von Armut","weniger Ungleichheiten" und vor allem "Geschlechtergleichheit" - all das sind Ziele der UN-Agenda für nachhaltige Entwicklung, die bis 2030 erreicht werden sollen. Dies gelingt allerdings nur dann, wenn wir Mädchen -und natürlich auch Jungen - als vollwertige Mitglieder unserer Gesellschaft anerkennen, sie in ihrer persönlichen und beruflichen Entwicklung fördern und sie dazu ermutigen, ihre Stimme zu erheben und ihre Zukunft aktiv mitzugestalten. Denn Mädchen sind stark und selbstbewusst, Mädchen können das - genauso wie Jungen auch.

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