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Hype um App

Lohnt sich Clubhouse?

Selfies bringen einen auf Clubhouse nicht weiter: die neue App setzt auf Diskussionskultur. 

Angeblich sind Oprah Winfrey, Ashton Kutcher, Caro Daur und viele ­andere Promis auch da: wir verraten, ob es sich lohnt, der neuen App „Clubhouse“ beizutreten.

Trotz Corona-Maßnahmen hat vor wenigen Tagen EU-weit ein neuer, vermeintlich exklusiver Club aufgesperrt: Er bietet zumindest die Option auf zufällige Begegnungen, und um ihn betreten zu könnnen, braucht man eine Einladung. Doch die Erfahrungen, die man im Clubhouse machen kann, sind vornehmlich auditiver Natur. Denn Clubhouse ist das neueste, aktuell ex­trem gehypte und aus den USA stammende soziale Netzwerk. Beschreiben kann man es als eine Art öffentliche Telefonkonferenz, in der man entweder nur lauschen oder selbst mitreden kann.  Die App bietet unterschiedliche Themenräume, denen man beitreten kann, doch es steht den Usern auch frei, eigene Gesprächsrunden zu erschaffen. Ob seiner auditiven Beschränkung muss man sich davor auch nicht extra schick machen, sondern kann ganz leicht losphilosophieren.         
 

Gewusst wie

Gelauncht wurde Clubhouse vergangenen Mai in den USA. ­Jede App braucht ihre Basis und im Fall von Clubhouse war dies die Silicon-Valley-Gemeinschaft. Erst nach und nach wurde die App für Vertreter anderer Branchen und Interessensgebiete geöffnet. Nun werden neue User damit gelockt, dass man in der nächsten Diskussionsrunde Showstars und Politikern begegnen kann. Das ist keine natürliche Entwicklung, sondern smartes Kalkül der beiden Macher. Paul Davison und Rohan Seth, beide Stanford-Absolventen, sind gut im Silicon Valley vernetzt und haben durch ihr ausgeklügeltes Schneeball-System eine reizvolle Exklusivität für ihre App geschaffen. Auch dass Clubhouse bis heute nur auf Apple-Geräten läuft, ist kein Programmierfehler. Künstliche Verknappung plus Exklusivität der User sind Grundpfeiler jedes neuen Hypes.

Hype und Hate

Und wie es mit über­gehypten Produkten so ist, schadet es nicht, diese genauer unter die Lupe zu nehmen. Denn neben viel Zuspruch hagelt es für Clubhouse auch Kritik. Ähnlich wie bei dem Messenger-Dienst Telegram sollen sich auch bei Clubhouse viele Verschwörungstheoretiker, Rechtsextreme etc. zusammenfinden, die in den unterschiedlichen Räumen zusammenkommen und sich weitestgehend ungestört austauschen können. Die einzelnen Kanäle oder „Rooms“ innerhalb der App unterliegen kaum Regularien oder Kontrollmechanismen von Seiten der App-Entwickler. Ein Versuch, einen gepflegten Umgang in den „Rooms“ zu gewährleisten, ist eine Art Bürgschaft. Wenn sich jemand danebenbenimmt und es eine Beschwerde über einen bestimmten User gibt, kann nicht nur dieser entfernt werden, sondern auch die Person, die den betreffenden User eingeladen hat. Der Anspruch ist also, dass sich die Community selbst regulieren soll. Das kann idealistisch sein oder ein Versuch der Entwickler, sich aus der Verantwortung zu ziehen. Denn inwiefern innerhalb einer Gruppe von Gleichgesinnten Rassismus oder Hassnachrichten gemeldet werden, bleibt fraglich. Darüber hinaus ist die App nicht barrierefrei, da schwerhörige oder taube Menschen diese nicht nutzen können. Vielleicht finden sich ja ein paar Experten, die sich ins Clubhouse zurückziehen können, um eine Lösung zu diskutieren?