Lawal

Beauty

Linda Lawal über ihren Einsatz als Miss Austria

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Wie der Titel ihr Leben verändert hat und wie sie sich für Diversität und Feminismus einsetzt, erzählt sie hier. 

Auch wenn sie die Pandemie und eine Vielzahl an Event- und Shooting-Ausfällen ein wenig gebremst haben, will Linda Lawal in Sachen Mission Austria und Model-Karriere Vollgas geben. Seit Sommer letzten Jahres ist die Linzerin amtierende Miss Aus­tria. Das Motto der inzwischen 19-jährigen Beauty „Schönheit beginnt in dem Moment, in dem du beschließt, einfach du selbst zu sein“ zählt zweifelsohne zu ihren Erfolgsgeheimnissen – auch im Kampf gegen Rassismus, dem die Tochter eines Nigerianers und einer Österreicherin (Lindas Bruder Tobias ist LASK-Juniors-Torhüter) schon oftmals ausgesetzt war. Im MADONNA-Interview beschreibt Lawal ihren Einsatz für mehr Diversität sowie Gleichberechtigung von Frauen und erklärt, warum sie das Model-Business trotz aller Härte erobern möchte.


Frau Lawal, inwiefern hat der Miss-Aus­tria-Titel Ihr Leben verändert?
Linda Lawal:
Es ist extrem viel passiert in den letzten Monaten. Die Präsenz in der Öffentlichkeit war natürlich eine Riesenveränderung für mich, mein Social-Media-Auftritt hat sich auch sehr verändert, ich bin nach Wien gezogen, wo ich auch einen Nebenjob als Assistant Managerin angenommen habe … Also, alles in allem war es eine 360-Grad-Veränderung meines Lebens.

Was hat Sie dazu bewogen, bei der Miss-Wahl anzutreten?
Lawal:
Das war ein spontaner Entschluss. Nach der Matura war eigentlich mein Plan, für ein Jahr in die USA zu gehen – dann habe ich gesehen, dass die Miss-Austria-Wahl stattfindet, und weil ich mich immer schon für Model-Welt interessiert habe, dachte ich, ich versuche es einfach mal. Ich sah das als Chance auf einen ersten Schritt zum Profimodeln.

Hatten Sie davor schon Model-Erfahrung?
Lawal:
Ich hatte schon einige Shootings ohne Vergütung gemacht, aber eben nicht professionell. Jetzt ist das anders, und genau deshalb ist die Mission Aus­tria auch so eine tolle Sache für mich.

Was war aus Ihrer Sicht Ihr Erfolgsgeheimnis bei der Miss-Austria-Wahl?
Lawal:
Meiner Meinung nach, dass ich sehr gelassen und ohne jegliche Erwartungen in die Wahl ging. Ich habe mich sehr gefreut, dass ich gewonnen habe, aber ich habe mir das nicht zum absoluten Ziel gemacht.

Stichwort Ziele: Worum geht es im Konzept der sogenannten Mission Austria?
Lawal:
Die Mission Austria umfasst viele Teilbereiche, wobei es natürlich vor allem darum geht, die Miss und den Mister Austria bei der Umsetzung ihres Traums zu unterstützen, als Models zu arbeiten – sei es in Form von Interviews, Shootings oder Öffentlichkeitsarbeit. Das ist schon ein tolles Karrieresprungbrett. Man bekommt viele neue Kontakte, lernt Prominente kennen und ist bei Events, bei denen man sonst nicht so einfach dabei sein kann.

Verdient man als Miss Austria auch gut?
Lawal
: Je nach Auftrag bekommt man etwas bezahlt, aber das Geld ist für mich derzeit nebensächlich. Mir geht es um die Chance für meine Zukunft. Was natürlich schon toll ist, sind die vielen Goodies, die man von Sponsoren wie Wohnbau 2000 und Dyson etc. bekommt.

Ihre beiden persönlichen Missionen sind die Themen Diversity und Feminismus. Sie sind die erste farbige Miss Austria – ist Ihnen in Ihrem jungen Leben schon oft Rassismus widerfahren?
Lawal:
Das Thema liegt mir generell sehr am Herzen. Rassismus findet immer noch viel zu oft Platz in unserer Gesellschaft, und natürlich war und bin ich immer wieder damit persönlich konfrontiert. Mein Papa ist aus Nigeria, und wir sind als Familie sehr glücklich, in Österreich zu leben, aber leider erlebt man das immer wieder, dass man diskriminiert wird. Früher hat mich das sehr gekränkt, und ich habe oft geweint, aber inzwischen habe ich gelernt, darüberzustehen – und Menschen auch ganz klar zu sagen, wenn mich etwas verletzt. Genau das ist auch meine Mission – anderen Mädchen Mut und Kraft zu geben, sich gegen die Verbreitung von Hass – auch im Netz – zu wehren.

Female Empowerment ist Ihnen auch ein großes Anliegen. Was bedeutet Feminismus für Sie?
Lawal:
Respekt gegenüber Frauen und die Gleichstellung mit Männern. Auch wenn heute schon vieles besser ist, werden Frauen oftmals immer noch nicht ernst genommen.

Die Miss-Austria-Wahl wurde und wird immer wieder als sexistisch gesehen. Sehen Sie die Bewertung Ihrer Schönheit durch eine Jury nicht als problematisch an?
Lawal:
Nein, ich habe ja selbst die Erfahrung gemacht, dass es nicht allein um das Aussehen, sondern um die Geschichte, die hinter den Frauen steckt, wofür sie stehen und einstehen und vor allem auch um ihr Auftreten geht.

Welche persönlichen Grenzen haben Sie sich für Shootings gesetzt? Was würden Sie nicht tun?
Lawal:
Nacktfotos sind aktuell kein Thema, so weit würde ich nicht gehen. Und ganz prinzipiell muss man sich einfach immer genau ansehen, wer ist der Auftraggeber und kann man hinter dem Produkt, das man präsentiert, auch persönlich stehen.

Ihr Motto lautet, dass Schönheit damit beginnt, ganz man selbst zu sein. Wissen Sie schon, wer Sie genau sind?
Lawal:
Ich bin schon sehr an mir gewachsen. Ich war früher sehr schüchtern, zurückhaltend, und habe mich von der Meinung anderer beeinflussen lassen. Auch was mein Aussehen betrifft. Das ist heute ganz anders, heute stehe ich zu mir selbst. Aber man lernt jeden Tag dazu. Das ist ja das Schöne am Leben.  

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