Krimi um Babyhandel

Buch und Wirklichkeit

Krimi um Babyhandel

(c) sxcEin Krimi - ob Roman oder Wirklichkeit, wenn es um Baby-/ Kinderhandel geht dann sträuben sich einem die Haare zu berge. Im Kriminalroman von Donna Leon wird das Thema Babyhandel emotional angegangen. Die OSZE-Konferenz in Wien setzt den Focus breiter und spricht über Maßnahmen gegen Kinderhandel im Allgemeinen. Ein Thema - zwei Herangehensweisen.
  • Kriminalroman "Lasset die Kinder zu mir kommen"

Die kleinen Wesen bekommen das große Elend am deutlichstenzu spüren: illegal adoptierte Babys, die den neuen Eltern von der Justiz - zumTeil noch nach Jahren - wieder entrissen und in ein Waisenhaus verfrachtetwerden.

Bewegender Roman
Es ist eine schlimme, eine bewegende Thematik, derer sich Donna Leon inihrem neuen Roman "Lasset die Kinder zu mir kommen" angenommen hat.Und ihr Commissario Brunetti hat mit seinem 16. Fall eine harte Nuss zuknacken, die dem Gemütsmenschen schwer im Magen liegt.

Die Story
DerFamilienmensch Brunetti geht einem speziellen Fall auf den Grund: Einembekannten Kinderarzt und seiner noch bekannteren Frau wird in einer Nacht- und Nebelaktion der Carabinieri dasBaby weggenommen - nicht ohne Gegenwehr und Komplikationen.

Das Baby war - werahnt es nicht längst - gekauft. Und über alles geliebt vom Dottore. Für seinezur Kinderlosigkeit verdammte Ehe sollte es die Rettung sein. Natürlich war ersich bewusst, gegen das Gesetz verstoßen zu haben. Dennoch kommen er und seine Frau glimpflich davon - das Babyallerdings sind sie los.

Handlungsfäden
Donna Leon spinntmehrere Handlungsfäden, die nach und nach aufeinandertreffen, sich verheddernund wieder entwirren - bis sie zu einem Bündel bitterer Wahrheitenzusammenschmelzen.

Doch bis dahin lässt die gebürtige Amerikanerin ihre Leserwieder teilhaben am venezianischen Alltag mit all seinen sonnigen undGrautönen, mit Lebenslust und Tristesse.

Der sympathische Brunetti mit seinersympathischen Familie und seinen - nur zum Teil - sympathischen Kollegen istwieder Mittel zum Zweck, Leons ganz persönliche Einstellung zu ihrer WahlheimatVenedig und dem Land zwischen Mittelmeer und Adria darzustellen.

Buchtipp: "Lasset die Kinder zu mir kommen", Donna Leon
  Diogenes Verlag, 355 Seiten, 22,60 Euro

 

Auf der nächsten Seite lesen Sie "Maßnahmen gegen Kinderhandel"

  • OSZE-Konferenz in Wien: Maßnahmen gegen Kinderhandel
Behördliche Maßnahmen gegen Kinderhandel in Hauptstädten und der Einfluss der nationalen Politik stehen im Mittelpunkt einer OSZE-Konferenz. Lokale und nationale Behörden, internationale Organisationen sowie Nichtregierungsorganisationen (NGO) stellen ihre Maßnahmen gegen Kinderhandel vor und beraten darüber, wie die Opfer am besten geschützt werden können.

Lösung für das Problem
Die Lösung für das Problem des Kinderhandels liege auf nationaler und lokaler Ebene, erklärte Eva Biaudet, Sonderbeauftragte gegen Menschenhandel der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE). Lokale Behörden müssten über eigene Budgetressourcen verfügen, um auf die wachsende Zahl der sexuell missbrauchten und zum Betteln gezwungenen Kinder reagieren zu können.

Bettelverbot

Die Wiener Vizebürgermeisterin und Bildungsstadträtin Grete Laska (S) betonte in Zusammenhang mit dem ab 1. Juni in Kraft tretenden Bettelverbot in Wien, dass es enorm wichtig sei, mit den Herkunftsländern bettelnder Kinder zusammenzuarbeiten.

Um nachhaltige Wirksamkeit zu erzielen, müsse in den Herkunftsländern versucht werden Strukturen aufzubauen, die den europäischen Jugendwohlfahrtsstandards entsprechen würden, so Laska.

Die Vizebürgermeisterin hob die Länder Bulgarien, Rumänien, Ungarn, Slowakei, Georgien und China als besondere Problemfälle hervor. Hier habe man mit den nationalen Behörden Kontakt aufgenommen, um festzustellen, welche Infrastruktur es gebe und welche Wohlfahrtsstandards vorherrschen würden.

Helfen & Austausch von Erfahrung
Österreichische Mitarbeiter helfen nach Angaben der Vizebürgermeisterin in den betroffenen Ländern beim Aufbau von Krisenzentren, und gleichzeitig würden ausländische Mitarbeiter von Jugendwohlfahrtsorganisationen nach Wien kommen, um hier Erfahrungen auszutauschen und Know-how zu sammeln.

Hierzu erwähnte Laska eine Einrichtung der Stadt Wien namens "Drehscheibe", die bereits 2003 ins Leben gerufen wurde und sich um unbegleitete minderjährige Jugendliche kümmert.

Interessen der Kinder
Man müsse immer zuerst an die Interessen der Kinder denken und versuchen, deren Sprache zu sprechen, ergänzte Biaudet. Nur so könne man deren Wünsche und Prioritäten verstehen und ihnen Alternativen bieten.

An der zweitägigen Veranstaltung nehmen nach OSZE-Angaben rund 300 Experten aus 55 OSZE-Ländern teil.
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