Mein perfekter Tag

Ich spüre, dass ich auf die Bühne gehöre

Die Sonnenstrahlen der Morgensonne von Cannes finden ihren Weg zwischenzwei Vorhangteilen durch und kitzeln mich in der Nase.

Ich öffne meineAugen und blicke in das Gesicht meines schlafenden Freundes Mario.

Vorsichtig steige ich aus dem Bett. Aus dem Kasten schnappe ich mir den nächstbesten Bikini, tausche mein Nachthemd gegen ihn ein und gehe hinaus auf die Terrasse. Das Wetter ist toll und man sieht sofort dass heute ein wunderschöner Tag wird. Das ist aber nicht unbedingt wetterabhängig. Ich freue mich schon sehr auf den heutigen Tag und den könnte nicht mal strömender Regen kaputt machen. Die Sonne wärmt meinen Körper innerhalb weniger Sekunden und ich springe – so wie jeden Tag vor dem Frühstück – ins Meer. Wenn ich morgens meine Runde durchs Meer schwimme kann ich mich gut auf den bevorstehenden Tag einstellen und meine Gedanken ordnen.

Als ich aus dem Meer komme, hat mein Freund Mario schon das Frühstück auf der Terrasse vorbereitet. Der große Holztisch ist schön gedeckt und voll beladen mit Obst, Gebäck und Marmelade. Ich wickle mich in mein Handtuch und gehe hinüber zu Mario. Er schließt mich in seine Arme und küsst mich. Wir frühstücken ausgiebig, dann packen wir unsere Sachen zusammen und fahren mit unserem kleinen, alten italienischen Cabrio zur Wasserbühne. Dort wird heute meine erste Probe auf der Bühne stattfinden. Wir proben zwar schon lange für unser Stück, doch langsam wird es ernst. Heute ist unsere erste Probe auf der Bühne mit Kostümen, Beleuchtung und Maske. Das Wetter ist perfekt um draußen zu proben und ich bin froh, dass wir nicht mehr im alten, finsteren, aber sehr schönen Theater proben.

Die Probe dauert nicht lange, da wir alle das Stück schon ganz gut drauf haben und uns schon sehr auf die Premiere am Ende der Woche freuen. Mario umarmt mich wieder und sagt mir, dass ich heute sehr gut gespielt habe. Es sagt mir das zwar nach fast jeder Probe, aber ich freue mich immer wieder über sein Lob. Immerhin ist er ein ziemlich strenger Regisseur und ich spiele zum ersten Mal eine Hauptrolle.

Mario und ich springen noch mal ins smaragdgrüne Meer, dann mache ich mich für heute Abend fertig. Als ich in meinem schwarzen, engen Kleid vor dem Spiegel stehe und mich kritisch mustere, flüstert mir Mario „du siehst toll aus“ ins Ohr. Lächelnd nehme ich ihm seine Gitarre aus der Hand und gehe Hand in Hand mit Mario zum Auto.

Vor einem kleinen Theater in der Innenstadt halten wir wieder an. Im Schaukasten hängt ein großes Plakat, welches das heutige Abendprogramm ankündigt: ein Konzert von mir und Mario. Der Zuschauerraum ist schon fast voll und Mario und ich machen uns für unseren Auftritt bereit. Ein letzter Blick in den spiegel genügt, um mich völlig nervös zu machen. Mario und ich spucken uns noch schnell gegenseitig dreimal über die Schulter, dann kann’s los gehen.

Mittlerweile ist der Saal brechend voll. Als wir die Bühne betreten klatscht das Publikum begeistert und meine Nervosität ist plötzlich wie weggeblasen. Ich spüre, dass ich auf die Bühne gehöre. Mario fängt mit unserem ersten Song an. Er spielt Gitarre und ich singe. Singe uns durch das Konzert. Die 22 Songs vergehen viel zu schnell. Am liebsten würde ich die ganze Nacht auf der Bühne sein und singen. Würde das Publikum nicht nach jedem Lied applaudieren, hätte ich ganz vergessen dass wir auf einer Bühne stehen und uns 700 Menschen zuhören. Am Ende toben die Zuschauer und fordern eine Zugabe.

Das Konzert war ein riesen Erfolg. In zwei Monaten werden wir noch ein Konzert geben. Glücklich gehe ich an Marios Seite zur Aftershow-Party und lasse mich bis spät in die Nacht hinein feiern.