Psychotherapeutin Monika Spiegel erklärt wie Führungskräfte ticken

Starke Frauen im Gespräch
Neo-Netzwerkerin

'Hinter starken Männern stehen zwei Frauen'

Machtmenschen und ihr Umfeld. Psychotherapeutin Monika Spiegel erklärt wie Führungskräfte ticken und wer sie bestärkt.

Wie ticken Top-Manager und wer sind die Menschen, die sie umgeben, ihnen Kraft und Ausdauer verleihen? Diesen spannenden Fragen geht Psychotherapeutin Monika Spiegel (40) in ihrer Dissertation nach, die in einigen Monaten veröffentlicht wird. Die toughe Neo-Leading Ladies-Netzwerkerin hat sich auf das eher seltene Thema „Wirtschaft und Psyche“ spezialisiert. In MADONNA verrät Spiegel erste Erkenntnisse aus ihrer „Machtstudie“, von der man sicher noch viel hören wird.

Frau Mag. Spiegel, würden Sie im Zuge Ihrer umfangreichen Studie sagen, dass es Menschen gibt, die für eine Führungsposition „gemacht“ sind – oder kann sich jeder die Voraussetzungen aneignen?
Monika Spiegel:
Absolut! In meiner wissenschaftlichen Arbeit habe ich über Persönlichkeitsstrukturen von Führungskräften geschrieben. Es gibt tatsächlich Menschen, die gewisse Voraussetzungen mitbringen, erfolgreich zu sein.

Welche sind das konkret?
Spiegel:
Die erste Triebfeder ist absolute Disziplin. Viele meiner Probanden waren bereits in jungen Jahren sportlich sehr aktiv – und schon in diesem Bereich äußerst ehrgeizig und diszipliniert. Fast alle hatten diesen – sagen wir einmal – gewissen Ehrgeiz, anderes hinten anzustellen, wenn sie ein gewisses Ziel vor Augen haben. Es gehört aber auch Narzissmus dazu, sprich die Suche nach Bestätigung. Keine Scheu zu haben, gesehen zu werden, ist ein wichtiges Kriterium im Führungsbereich. Ein dritter Erfolgsfaktor ist ganz klar, zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein – und dann Ja zu einer Herausforderung zu sagen.

Überdimensionaler Ehrgeiz, Narzissmus... das klingt ja aus psychotherapeutischer Sicht beinahe krankhaft...
Spiegel:
(lacht) Nein, nicht unbedingt. Man muss ganz klar zwischen „normalem“ und pathologischem Narzissmus unterscheiden. Ein gewisser Hunger nach Anerkennung und eine gesunde Portion Ehrgeiz müssen nicht immer etwas Ungesundes sein.

Gibt es konkrete Unterschiede zwischen Männern und Frauen in Führungspositionen?
Spiegel:
Ja, den gibt es. Es gibt einen Typ von Frau, der sehr männlich orientiert ist und durch die Tatsache, dass man es als Frau meist schwerer hat, sehr hart wirkt. Aber ich habe auch einige Frauen getroffen, die auf beeindruckende Art und Weise ein Unternehmen führen, aber trotzdem Frauen geblieben sind. Fest steht: Frauen führen anders als Männer – emotionaler, weil Frauen unter anderem von Kindheit an Gefühle zulassen dürfen.

In Ihrer Dissertation geht es vor allem um das nahe Umfeld von Managern – stimmt es, dass hinter jedem mächtigen Mann eine starke Frau steht?
Spiegel:
Ich würde sagen, es steht nicht nur eine dahinter, sondern meistens gibt es zwei starke Frauen. Zum einen die Partnerin, zum anderen die Assistentin, die das System aufrecht hält und ihn rund um die Uhr unterstützt.

Sprich, das Klischee des Chefs, der ein Verhältnis mit der Assistentin hat, stimmt also?
Spiegel:
Nein, gar nicht – es geht meist gar nicht um eine Liebesbeziehung, sondern um ein unglaubliches Vertrauensverhältnis, das natürlich zwischen Chef und Assistentin für eine erfolgreiche Arbeit herrschen muss.

Sie arbeiten zurzeit an der Fertigstellung Ihrer Dissertation – können Sie uns schon etwas über das konkrete Ergebnis verraten?
Spiegel:
Nein, weil man das aus wissenschaftlicher Sicht niemals tut. Die Studie ist noch nicht ausgewertet. Allerdings zeigen sich sehr überraschende Tendenzen. Es wird eine populärwissenschaftliche Publikation dazu geben...