Gräfin hinter Gittern

Andrea Herberstein

Gräfin hinter Gittern

Ein hartes Ende. Ex-Society-Gräfin Andrea Herberstein muss in Kürze vom Schloss ins Gefängnis ziehen.

(c) APADie größte Strafe als Frau und Mutter habe ich schon bekommen, weil mein Sohn neben mir auf der Anklagebank sitzen muss“, so Andrea Her­berstein (55) mit zitternder Stimme am letzten Mittwoch, im großen Schwurgerichtssaal des Straflandesgerichts Graz. „Ja, mein Sohn sitzt hier, weil er sich auf mich verlassen hat.“ Und zu MADONNA auf die Frage, woher sie die Kraft für die lange Verhandlung genommen hat: „Von meiner Familie.“

Fünf Monate Haft
Mit versteinerter Miene nimmt An­drea Herberstein dann am frühen Nachmittag den Schuldspruch entgegen. Die dreifache Mutter wird wegen schweren Betrugs und Abgabenhinterziehung zu 15 Monaten, davon zehn bedingt, sowie zu einer Geldstrafe von rund 273.000 Euro verurteilt. Das heißt: Sie muss fünf Monate in Haft. Zur Erinnerung: Andrea Herberstein musste sich wegen schweren Betrugs, grob fahrlässiger Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen und Abgabenhinterziehung verantworten. Die Schadenssumme: 519.158 Euro. Hinzu kommen weitere 765.561 Euro an hinterzogenen Steuern. Der Ex-Gutsverwalter Heinz Boxan (63) bekommt neun Monate bedingt und eine Geldstrafe. Freigesprochen wird indes Herbersteins Sohn Maximilian (31), der wegen grob fahrlässiger Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen angeklagt war.

Mir sind Fehler passiert
Auch wenn die ehemalige Society-Größe und Lebensgefährtin von Bariton Thomas Hamp­son nicht müde wird zu betonen, dass „der Staatsanwalt mich als eine Person dargestellt hat, die ich nicht bin und niemals war“, hat sie doch zugegeben auch selbst den einen oder anderen Fehler gemacht zu haben. „Mein einziges Ziel war es, Herberstein zu erhalten. Auf diesem Weg sind mir Fehler passiert.“ Der Staatsanwalt in seinem Schlussplädoyer: „An­drea Herberstein hat im Frühjahr 1994 die Geschäftsführung an sich gerissen, ohne dazu befugt gewesen zu sein. Und da man seitens der Familie nie beabsichtigt hat, das Vermögen zu versilbern und die Verbindlichkeiten zu begleichen, mussten Landesförderungen her.“

Millionen-Förderungen

Satte 7,7 Millionen Euro wurden vom Land im Lauf der Jahre an den maroden Tierpark zugeschossen. Die Ex-Freundin der Angeklagten und damalige Landeshauptfrau Waltraud Klasnic stolperte über den Fall Herberstein. Herber­stein-Verteidiger Peter Bartl: „Es ist eine politische Geschichte und ein politisches Verfahren. Der Tierpark ist der Wirtschaftsmotor einer ganzen strukturschwachen Region. Die Rentabilität liegt in jedem Fall im Bereich des Vielfachen des Förderungsvolumens.“
Schuld sind, so scheint es, immer die andern, so auch die Medien. Herberstein anklagend: „Die Medien haben mich als Person mit kriminellem Charakter dargestellt. Dabei habe ich alles getan, um die Wahrheit zu finden.“ Eine Wahrheit, die die Schlossherrin nun hinter Gitter bringt.