Kinderlos Leben

Glücklich ohne Kinder

Weder Karrieregeil noch egoistisch. Kinderlose sind einer Reihe von Vorurteilen ausgesetzt. Sechs Frauen über ihr Leben ohne Nachwuchs.

Frauen jenseits der 40, die keine Kinder vorweisen können,gelten durchwegs als egozentrisch, selbstsüchtig und materialistisch. Zudemsind sie auch noch Objekt von Spekulationen:

Will sie nicht? Kann sie nicht?Oder hat die Ärmste keinen Mann? „Keiner dieser Gründe trifft auf mich zu“,lacht Andrea Händler (42). „Ich habe mich weder für noch gegen Kinderentschieden, sondern dem Schicksal seinen Lauf gelassen.“

Und es ist nichtspassiert. Obwohl die Kabarettistin und Schauspielerin seit Jahren „nur mit derRechenmethode verhütet. Ich habe also, da ich nie schwanger wurde“, so ihrlogischer Rückschluss, „auch keinen unbewussten Kinderwunsch.“

Kinderlosigkeit gab es immer schon
Seit Kinderkriegen keine private Angelegenheit mehr ist,sondern ein wichtiges gesellschaftliches Anliegen, haben Kinderlose allerdingsihre Entscheidung permanent zu rechtfertigen.

Dabei will nur eine Minderheitder Frauen definitiv keine Kinder: Laut einer Erhebung der Statistik Austriasind das neun Prozent der 30- bis 40-Jährigen, sieben Prozent der 25- bis29-Jährigen und 12 Prozent der 20- bis 24-Jährigen.

Laut Familienmikrozensus2001 sind derzeit ein Viertel der Frauen über 20 Jahren kinderlos. „Eine Zahl,die allerdings sehr wenig aussagt“, schreibt Birgit Kofler, in ihrem Sachbuch Kinderlos,na und? „Denn“, so die Kommunikationsberaterin weiter, „wenn man sich die Zahlder kinderlosen Frauen ansieht, bei denen aufgrund ihres Alters nicht mehr miteiner Veränderung zu rechnen ist, dann hat sich seit zwei Generationen nichtallzu viel verändert.“

So etwa errechnete die Statistik Austria für die heute40- bis 44-Jährigen eine Kinderlosenquote von 16,1 Prozent. Und bei den heute70- bis 74-Jährigen liegt sie bei 15,5 und bei den über 85-Jährigen sogar bei21,1 Prozent.

Kinderlose sind nicht schuld
Dennoch sind kinderlose Frauen seit Jahren die Buhfrauen derNation. Sie werden verantwortlich gemacht für das Pensionsdesaster und daslangsame, unvermeidliche Aussterben der westlichen Gesellschaft. Sie habenSchuld am Kollaps der Sozialsysteme und an Kinderfeindlichkeit. Sogar für denausbleibenden Wirtschaftsaufschwung zieht man sie zur Verantwortung.

Dabei istder Rückgang der Kinderzahlen weniger durch einen sig­nifikanten Anstieg derZahl der Kinderlosen, sondern vielmehr durch einen deutlichen Rückgang derFamilie mit drei Kindern oder mehr zu erklären. „Unser Buch GenerationKinderlos“, schreibt das Autorenpaar Günther Keil und Gisela Bruschek, „sollkein Manifest gegen Kinder und schon gar kein Streikaufruf sein, sondern einGegenentwurf zur dramatisierenden Kriegt-mehr-Kinder-Kampagne und zur geradezuabsurden Verklärung der Mutter- und Vaterschaft.“

Laut dem kinderlosen Paarverhärten sich die Fronten: „Geburtswillige Paare werden idealisiert undglorifiziert, es bilden sich zwei Lager: Gut gegen Böse. Altruisten gegenHedonisten. Papas gegen Porsches. Muttermilch gegen Müßiggang.“ Tatsache ist:
Immer häufiger erfolgen Versuche, Eltern und Kinderlose gegeneinander in Stellung zu bringen.

„Ichwurde oft angefeindet, weil ich keine Kinder habe“, bestätigt Birgit Kofler (42), dieErfahrung des Autorenduos. „Eine ordentliche (Erfolgs-)Frau hat nämlichinzwischen beides hinzubekommen: Kinder und Karriere. Und das mit links.“

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Kinderlose Karrierefrauen
„Der Anteil der Frauen, die sich bewusst gegen Kinder entscheiden,ist unter Akademikerinnen und Besserverdienerinnen höher, als jenen mitPflichtschulabschluss“, schreibt die Soziologin Mariella Hager, in ihrer StudieKinderwunschlos glücklich? So bleiben 23 Prozent der über 40-jährigenAkademikerinnen, doch nur 12 Prozent mit Pflichtschulabschluss ohne Nachwuchs.

„Diese Zahlen stehen im Widerspruch zum Kinderwunsch“, so Hager, „der nichtweit auseinanderklafft.“ (Frauen mit Pflichtschulabschluss durchschnittlich 2,1Kinder, Akademikerinnen 1,8.) Besserverdienende bekommen also weniger Babys alssie wollen, Pflichtschulabsolventinnen mehr.

Kein Kind um jeden Preis
„Ich wollte zuerst meine Karriere aufbauen, meine Firmagründen und dann Kinder haben“, sagt Margit Potzgruber (35). Aber just als sichdie selbstständige Vermögensberaterin Kinder vorstellen konnte, erfolgte dieTrennung von ihrem Partner.

Mittlerweile sind aber auch ihre Ansprüchegestiegen. „Ich glaube nicht, dass mein heutiger Mann, wenn es hart auf hartgeht, wirklich halbe-halbe machen würde.“ Solange die erfolgreiche Karrierefrau sich das nicht vorstellen kann, bleibt sie lieberkinderlos. „Ich kenne keine einzige Frau, deren Mann trotz aller vorherigenAbmachungen wirklich zurückgesteckt hat. Mir fehlen die Vorbilder.“

Keine guten Rollenmodelle
„Typisch für die gewollt kinderlose Karrierefrau ist“, erklärt Soziologin Hager, „dass ihr dietraditionelle Kleinfamilie nicht nachahmenswert erscheint, weil ihre Mutterkein Vorbild für sie war.“

Unternehmerin Renate Stadler (42): „Ich habe zweiGeschwister groß gezogen und schon sehr früh Verantwortung übernommen. Undmeine Mutter hat immer gesagt, wenn ich euch nicht hätte, dann hätte ich esleichter im Leben. Für mich war schon mit 13 klar, dass ich einmal keine Kinderhaben möchte.“