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Financial Education

Geld: Darum ist Finanzwissen so wichtig

It’s all about the money: Wer seiner Zukunft sicher entgegentreten will, kommt nicht umhin, das eigene Finanzwissen up to date zu halten. Wie frau aus ihrem Ersparten mehr macht. 

Die Zeiten, in denen Frauen sich in puncto Finanzen vornehmlich auf ihre Partner verlassen haben, sind vorbei. Dennoch werden monetäre Belange oft genug nachlässig behandelt, weshalb viele Frauen gegen Ende ihres beruflichen Lebens eine ­böse Überraschung erleben. Schlechter bezahlte Jobs und Karenzlücken schlagen sich in der Alterspension merklich nieder, weshalb Frauen im fortgeschrittenen Alter stärker gefährdet sind, in die Armutsfalle zu rutschen.

Laut Statistik Austria erhalten Frauen im Ruhestand durchschnittlich gerade mal 1.167 Euro brutto monatlich. Bei Männern hingegen liegt der Durchschnitt fast doppelt so hoch – sie erhalten der Statistik zufolge 2.022 Euro. Dass Altersarmut ein vornehmlich weibliches Thema ist, zeigt auch eine Erhebung der EU-SILC aus dem vergangenen Jahr, die von 146.000 Frauen im Vergleich zu 64.000 Männern über 65 Jahren in der armutsgefährdeten Gruppe berichtet.


Vorsicht statt Nachsicht.
Damit es nicht zu einer solchen Situation kommt, ist es enorm wichtig, ein Bewusstsein über die eigene finanzielle ­Lage, wie auch generell finanzielles Know-how zu entwickeln. Eine repräsentative Studie der Beratungsagentur JP Morgan aus 2019 zeigte auf, dass 89,1 Prozent der befragten Frauen Geld zurücklegen, dafür aber vornehmlich auf wenig ertragreiche Sparbücher setzen würden. Darüber hinaus würde mit 18,4 Prozent nur rund jede fünfte befragte Frau am Kapitalmarkt investieren, während es bei den Männern mit 30,1 Prozent immerhin fast jeder Dritte sei. Dies sei gefährlich, wie Pia Bradtmöller, Leiterin Marketing & PR bei JP Morgan, kommentierte: „Frauen haben demografisch gesehen eine besondere Notwendigkeit, mehr aus ihrem Geld zu machen. Sie haben eine längere Lebenserwartung als Männer und benötigen deshalb auch mehr Geld für ihren Ruhestand.“


Pensionssplitting & Anlagetipps. Finanz-Expertin Claudia Stadler erläutert im Talk die Wichtigkeit von regelmäßigen Finanz-Check-ups und verrät, wie frau ihr Geld gut angelegt weiß.


Ganz grundlegend: Müssen Frauen anders sparen als Männer?
Claudia Stadler
: Denke ich nicht! Es geht einfach um die Frage des Einkommens und darum, Altersarmut zu verhindern. Was ja auch Männer treffen kann – wenn auch offenbar der Prozentsatz niedriger liegt.


Statistisch gesehen bekommen Frauen 42 Prozent weniger Pension als Männer. Wie sollte/kann man sich gegen potenzielle Altersarmut wappnen?
Stadler:
Passend zur Jahreszeit kann ich nur empfehlen, jährlich einen sogenannten Finanz-Frühjahresputz durchzuführen. Es muss Lebens- und situationsspezifisch immer wieder geprüft werden, was nehme ich ein – was gebe ich aus? Das bedeutet auch immer wieder eventuell loszulassen und sich von etwaigen unnützen Ausgaben zu trennen; brauche ich vielleicht die Brillenzusatzversicherung gar nicht mehr, oder Ähnliches. Ganz wichtig: Financial Education, ist für mich ein Schlagwort, und egal in welchem Alter, ist es meines Erachtens ein Basistool um gegen Altersarmut gewappnet zu sein. Wissen zu Geld und Finanzen wurde lang in der schulischen Ausbildung vernachlässigt, und darauf sollte man rechtzeitig sein Augenmerk selbstständig lenken. Auch ein Blick schon zu frühen Zeiten auf das online einsehbare Pensionskonto kann rechtzeitig erinnern, geeignete Maßnahmen zu setzen, um nicht in die Altersarmut abzurutschen. Gesundheit vorausgesetzt, kann die Pension aufgefettet werden, wenn einerseits das gesetzliche Pensionsantrittsalter (Regelpensionsalter) erreicht wird und die Mindestversicherungsdauer erfüllt ist, und man die Pension aufschiebt und weiterarbeitet; dann erhält man bei späterer Inanspruchnahme der Pension eine um 4,2 % pro Jahr erhöhte Pensionsleistung. Diese Bonusphase wird maximal für drei Jahre gewährt. Das heißt, bei Antritt der Pension nach Erreichen des Regelpensionsalters und bei einem Weiterarbeiten von drei Jahren kann sich die Pensionsleistung um 12,6 % in Summe erhöhen.


Sollte das derzeit nur freiwillige Pensionssplitting verpflichtend sein?
Stadler:
Zunächst würde ich nicht ähnlich den politischen Lagern über verpflichtendes oder freiwilliges Pensionssplitting diskutieren wollen. Für mich ganz wichtig, gilt es hier mal mit dem ­Informationsversäumnis aufzuräumen: nämlich, dass eigentlich nur ganz wenige von dem Instrument des Pensionssplitting überhaupt wissen. Daher sollten zunächst mal diese Hausaufgabe gemacht werden. Pensionssplitting ist vor allem für den Lebenspartner interessant, der bewusst beruflich zurücksteckt, damit der andere Partner ungehindert weiter Karriere machen kann … Statistisch ist das auch heute noch immer zu 70 Prozent Sache von uns Frauen. Innerhalb der Familie ist und bleibt das aber gesamtheitlich betrachtet ein Nullsummenspiel. Daher: breite Information und leicht nachvollziehbare Aufklärung für alle über die Möglichkeit des Pensionssplittings und dann den Familienrat eigenständig entscheiden lassen, wofür man sich entscheidet.


Klassische Sparbücher bringen kaum Rendite – wie sollte man heutzutage gespartes Kapital anlegen?
Stadler:
Erstens: Einem jungen Menschen würde ich raten, für den monatlichen Betrag, den man verlässlich entbehren kann, einen Sparplan für einen Aktienfonds abzuschließen; dabei würde ich nicht zu sehr auf heimische Investments ausrichten und eher über den großen Teich schauen. Zweitens: Gespartes Kapital, das der Arbeitgeber durch das Modell „Abfertigung Neu“ monatlich für die Arbeitnehmer anspart, würde ich nicht nach Ablauf von 36 Monaten und bei Wechsel des Arbeitgebers mir immer wieder in kleinen Tranchen auszahlen lassen. Dieses von Arbeitgebern angesparte „kleine“ Geld, ergibt im Laufe eines Arbeitslebens doch ein nettes Sümmchen, das in Form der verrenteten Auszahlung sogar steuerfrei bleibt, bzw. bei Auszahlung mit 6 % sehr begünstigt besteuert ist. Drittens: Wenn ein bissl mehr Geld zur Verfügung steht, würde ich ein modernes Portfolio zusammentragen, bestehend aus Aktien, zum Beispiel in der Hochtechnologie, Wasserstoff, Cloud Computing, Online-Handel und natürlich Medizin- und Biotechnologie.


Was sind typische Anlagefehler?
Stadler:
Das halte ich wie Beate Sander, eine Aktionärin aus Leidenschaft: Meide die gefährlichen Vier: Euphorie, Panik, Angst und Gier, und darüber hinaus – breit gestreut ist nie bereut …


Claudia Stadler ist Expertin für Finanzen und Wirtschaft und Eigentümerin der cST causa Steuerberatung. Info: cst-causa.at