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Influencerin DominoKati räumt mit Vorurteilen und Bodyshaming auf

Wer zu ihren Social-Media-Anfängen scrollt, findet das, was er bei vielen in den allerersten Postings sieht: Unretuschierte Lebensfreude, echte Momente, klare Statements ganz ohne Selbstzweifel. So startete auch Domino-Kati, wie sich die 1996 in Hessen Geborene seither nennt, ihre Karriere als Influencerin. Doch so fröhlich sie den Weg beginnt, so steinig wird er im Laufe der Jahre. Kati fühlt sich in ihrem Körper immer unwohler, sie nimmt zu, besonders ihre Beine machen ihr -körperlich wie mental - zu schaffen. Und sie erhält zunehmend Hasskommentare, wird gemobbt, beschimpft -bis sie dem Druck und dem Streben nach Perfektion kaum mehr standhalten kann.

Doch zum Glück kommt es zur großen Wende im Leben der jungen Frau: nach unzähligen Diäten und der verzweifelten Suche nach dem Grund für deren Scheitern wird bei Kati im Alter von 23 Jahren die Fettverteilungsstörung Lipödem diagnostiziert. Eine Krankheit, "von der fast jede zehnte Frau in Deutschland betroffen ist", weiß die Influencerin inzwischen und setzt sich deshalb auch für mehr Aufklärung über das Thema ein. Sie selbst unterzog sich einer Operation, fand aber auch einen Weg, sich mental von Selbstzweifeln zu befreien und dem auf den sozialen Netzwerken so brisanten Problem des Bodyshamings den klaren Kampf anzusagen. In ihrem Buch "Echt ist mein perfekt" erzählt Domino-Kati, wie sie gelernt hat, ihren Körper zu akzeptieren -im Interview spricht sie über ihre Intention und ihren Umgang mit "Motzi", die wohl in uns allen steckt

© Eden Books_DominoKati_Echt
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Sie nennen Ihre innere, kritische Stimme "Motzi". Ist Motzi mit Ihrer Diagnose verstummt? 

DoMInokatI: Ich würde sagen, dass ich "Motzis Worte" nun ganz anders einordnen und bewerten kann. Diese selbstkritischen und teilweise selbstverachtenden Kommentare nehmen mich längst nicht mehr so im Alltag ein, wie das einmal der Fall war. Ich sage immer, dass es ein Stück weit normal ist, dass man nicht immer zu 1.000 Prozent hinter sich und seiner äußeren Erscheinung steht, wenn man sich im Spiegel betrachtet. Aber man sollte diese Gedanken nicht zu sehr den eigenen Alltag bestimmen und sich somit viele potenziell schöne Momente dadurch kaputtmachen lassen, wie ein Stück Kuchen zu Omas 80. Geburtstag oder eine Einladung zu einer Veranstaltung. Man sollte also vielmehr versuchen, mit der eigenen Motzi zu leben, wenn sie sich schon nicht ganz vertreiben lässt. Motzi ist aber in der Tat seit meiner Diagnose - also noch vor den OPs und äußeren Veränderungen -leiser geworden. Es hat mir unendlich geholfen, durch die Diagnose zu erfahren, dass ich nicht selbst "schuld bin".

An wen richtet sich Ihr Buch?

DomInokAtI: Das Buch richtet sich im Prinzip an mehrere Personengruppen. Zunächst einmal die offensichtliche: die Betroffenen. Ich hoffe, ihnen mit diesem Buch einen ersten Anhaltspunkt bieten zu können, mit dem sie sich über diese Krankheit informieren können. Sie sollen ein Stück weit mit an die Hand genommen werden, während sie möglicherweise noch ganz am Anfang stehen und erst einmal alles sehr überwältigend und beängstigend sein kann. Ich erhoffe mir außerdem, dass dieses Buch vielen die Augen öffnen kann, die selbst mit Lipödem-Symptomen und großen Schmerzen zu kämpfen, aber noch keine Diagnose haben. Die Krankheit ist leider trotz ihrer Häufigkeit nicht so bekannt und die Diagnose erfolgt meistens viel zu spät. Darüber hinaus möchte ich mit diesem Buch diejenigen abholen, die -ob mit oder ohne Lipödem - ständig mit sich selbst zu kämpfen haben. Ihnen möchte ich gut zureden, dass es so etwas wie "perfekt" nicht gibt und es letztendlich darauf ankommt, was man im Inneren fühlt und dass der Körper möglichst gesund ist.

Sie nutzen Ihre Reichweite mittlerweile auch, um über Lipödem aufzuklären... 

DomInokAtI: Leider habe ich wirklich das Gefühl, dass diese Krankheit noch viel zu unbekannt ist -dies ist mitunter meine größte Motivation für das Buch gewesen. In den letzten zwei bis drei Jahren ist Gott sei Dank schon ein bisschen was passiert, doch es ist erst der Anfang. Ich denke, dass dieses Bewusstsein nur durch ständige Kommunikation geschaffen werden kann. Zum einen im privaten Bereich, aber auch die Medien könnten einen großen Einfluss auf die Bekanntheit haben.

Sie mussten bereits Erfahrungen mit Bodyshaming machen. Wie gehen Sie heute mit Anfeindungen und fiesen Kommentaren rund um Ihren Körper um? Was raten Sie jungen Mädchen im Umgang mit den Sozialen Medien? 

DomInokAtI: Heute kann ich Kommentare, die mein Aussehen betreffen, ganz anders einordnen. Hass-Kommentare und Nachrichten, die einen wunden Punkt treffen, tun immer mehr weh als solche, denen ich Unrecht gebe. Heute bin ich wesentlich mehr in mir selbst gefestigt und bin stolz auf meinen Körper, für das was er leistet. #Körperneutralität -somit kann ich über solche Kommentare heutzutage eher den Kopf schütteln und mache mit meinem Alltag weiter, ohne mich zu sehr reinzusteigern. Jungen Mädchen kann ich mit auf den Weg geben, nicht alles auf Social Media als wahr einzuordnen. Es wird sehr sehr viel gefakt und Menschen posieren sich im optimalen Winkel, im optimalen Licht mit dem entsprechenden Filter. Am besten konsumiert man solche Accounts so gut es geht gar nicht erst. Bei den eigenen Komplexen hat es mir sehr geholfen, meinen Körper im Spiegel objektiver zu betrachten, ohne ihn dabei direkt zu bewerten.
 

FAKTEN ÜBER DIE KRANKHEIT

Was ist Lipödem? Eine krankhafte, fortschreitende, schmerzhafte Fettverteilungsstörung, die vorwiegend im Oberschenkel-, Gesäß-und Hüftbereich, an den Innenseiten der Kniegelenke und der Unterschenkel auftritt. Die Krankheit wird oft als Säulenbeinoder Reiterhosensyndrom bezeichnet.

Symptome: Ein Lipödem macht sich in der Regel durch Schweregefühl in den Beinen, symmetrische Schwellungen, Druckschmerzen, Berührungsempfindlichkeit, Cellulite, Verhärtungen im Unterhautgewebe (Knötchenbildung) und Neigung zu blauen Flecken bemerkbar. Besonders nach langem Sitzen oder Stehen oder an warmen Tagen schwellen die Beine durch zusätzliche Wassereinlagerungen weiter an.

Als Ursachen gelten genetische Veranlagung sowie hormonelle Auslöser. Die Krankheit beginnt meist schon während der Pubertät, tritt manchmal auch nach einer Schwangerschaft oder in den Wechseljahren auf.

Heute bin ich wesentlich mehr in mir selbst gefestigt und bin stolz auf meinen Körper, für das was er leistet. DominoKati über ihren heutigen Umgang mit Bodyshaming

© Eden Books_DominoKati_Echt
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ZUR PERSON

Kati wurde 1996 in Hessen geboren. Aus ihrem Kinderzimmer veröffentlichte sie erste YouTube-Videos und avancierte schließlich zur angesagtesten Beauty-Influencerin. als Dominokati zählt die 26-Jährige heute 688.000 Follower, sie brachte inzwischen auch als Unternehmerin eine Haarpflegemarke und ein Fashionlabel auf den Markt. 2019 erhielt Kati die Diagnose Lipödem seither setzt sie sich für Bewusstseinsschaffung und gegen Bodyshaming ein.

DAS BUCH ist bei Eden Books (19 Euro) erschienen.
 

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