Jessica parker

Wir altern - na und?

Falten, graue Haare und Co.: Promi-Frauen trotzen Age-Shaming

Reif, schön und kritisiert: Sarah Jessica Parker, Birgit Minichmayr und Co. reicht’s! Mit welch absurden Diskriminierungen sie im Show-Business zu kämpfen haben und wie sie sich wehren.   

Als verführerische, selbstbewusste Carrie Bradshaw eroberte Sarah Jessica Parker von 1998 bis 2004 mit „Sex and the City“ die (Serien-)Welt – jetzt, 17 Jahre später, feiert die Kombo um die Modeikone ihr Comeback. So weit, so aufregend – doch die (logischerweise) älter gewordenen, wunderschönen Frauen müssen sich nun mit oberflächlicher Kritik abstrudeln.

Diskussion. „Es gibt so viel frauenfeindliches Geschwätz als Reaktion auf uns. Das würde einem Mann so niemals passieren“, empörte sich Parker jetzt in der „Vogue“. Denn die 56-jährige US-Schauspielerin zeigte sich am Set der Neuauflage „And Just Like That...“ mit Falten und grauen Haaren. An sich kein Problem, würde frau meinen – doch Parker wurde dafür arg kritisiert. „Ja, ich altere. Aber was willst du machen? Warum ist es okay für einen Mann, graues Haar zu haben, aber nicht für uns Frauen?“ Gute Frage – auf die auch weitere Promi-Frauen im makellosen Show-Universum keine Antwort wissen. Doch Schweigen und ständiges Haarefärben war (zum Glück) gestern: Altern in Würde ist in!

Natürlich. „Und täglich grüßt das Murmeltier“-Star Andie MacDowell zählte einst zu den begehrtesten Frauen Hollywoods – doch je älter sie wurde, desto schwieriger wurde es für sie, Rollenangebote zu ergattern. „In meinen 30ern hatte ich so viele unglaublich spannende und tolle Rollen. Aber sobald du 40 bist, stehst du als Frau auf dem Abstellgleis.“ Die 63-Jährige entschied sich Anfang 2021 für ihr natürliches Haupt – und trug ihre grauen Strähnen stolz über den Red Carpet in Cannes. Zum Haareraufen: Ihr Manager soll ihr davor vom Silber-Look abgeraten haben! MacDowell in „Vogue“: „Ich werde viel stärker sein, wenn ich akzeptiere, wo ich gerade stehe. Ich fühle mich so, als würde ich nichts mehr vorspielen ... Ich fühle mich total wohl.“ Wer sich auch wohl fühlt, ist Kate Winslet (46): Die „Titanic“-Mimin t
Trotzt dem Jugendwahn und verbot retuschierte Fotos von ihr. Im „T-Online“-Talk meinte sie: „Mir ist es wichtig, dass ich für diese Generation echt und ehrlich bin, denn sie braucht starke Vorbilder.“

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Mcdowell
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Engagement
. „Tatort“-Star Maria Furtwängler wehrt sich gegen das Age-Shaming, mit dem reifere Frauen (nicht nur) in der Film- und Fernsehwelt konfrontiert sind. So setzt sich die 55-jährige Deutsche mit ihrer Stiftung „MaLisa“ für eine freie, gleichberechtigte Gesellschaft und gegen die Diskriminierung von Frauen und Mädchen ein. Im „Spiegel“ meinte sie: „Generell gibt es weniger weibliche Hauptfiguren als männliche. Eine Form von Missachtung ist auch, dass ältere Frauen so gut wie gar nicht vorkommen, die verschwinden irgendwo im TV-Bermudadreieck. Ich kann Ihnen gerade mal eine Handvoll Schauspielerinnen in meinem Alter nennen, die noch gut zu tun haben. Eine Handvoll!“

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Maria Furtwängler


„Ageism“. Wie absurd Hollywood das Thema Frauen und Alter(n) behandelt, zeigt sich u.a. an folgenden Beispielen: So spielte Angelina Jolie im Movie „Alexander“ (2004) mit 29 Jahren die Mutter von Colin Farrell – der damals gleich alt war. Im Kracher „Forrest Gump“ (1994) werkte Sally Field als Mutter von Tom Hanks – sie ist aber nur zehn (!) Jahre älter als er. „Ageism“, also die Altersdiskriminierung von meist älteren Frauen, ist in der Traumfabrik gang und gäbe. Junge Schauspielerinnen werden für Figuren besetzt, die weit älter sind als sie selbst. Darstellerinnen ab 40 Jahren haben es schwer, begehrte Charaktere zu verkörpern – sie sind in der Entertainment­szene kaum sichtbar.

Probleme.
Doch auch heimische Stars verzweifeln daran, dass sie für eine gleichaltrige Rolle als „zu reif“ gelten. So sah sich Burgtheater-Star Mavie Hörbiger mit Altersdiskriminierung konfrontiert und klagte im Februar auf Social Media: „Absage. Begründung ist, man hätte sich für eine insgesamt jüngere Kombination aller Figuren entschieden.. Aus dem Leben einer Schauspielerin mit 41. FÜHLT SICH SCHEISSE AN.“

Diskriminierung. Eine ähnliche Erfahrung musste Birgit Minichmayr machen, wie sie dem „Spiegel“ verriet: „Ich habe kürzlich beim Casting für eine Serie etwas Interessantes erlebt. Man hat mich für die Rolle einer 45-jährigen Frau angefragt, und die Regisseurin war absolut für mich. Aber den Leuten vom Sender war ich als 44-jährige Frau, die ich bin, zu alt, um eine 45-Jährige zu spielen. Sie wollten noch einmal einen Screentest machen. Und da hab ich gesagt, ich bin eine zu stolze Frau, um euch den Beweis dafür erbringen zu müssen, dass ich diese Rolle spielen kann – nur weil eurer degenerierten Meinung nach Frauen ihrem Gesicht mit Botox und anderen Mitteln alles Mögliche antun müssen. Dann bin ich leider nicht dabei.“ Austro-Mimin Patricia Aulitzky kennt Minichmayrs Erfahrung: Sie galt als 40-Jährige als zu alt, um die Ehefrau eines 50-Jährigen zu spielen! Frauen und Falten – es gibt noch viel zu tun, ehe die (Film-)Welt reife Ladys als solche anerkennt.