Häusliche Gewalt

Erschreckend: 62 % der Misshandler Österreicher

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Der Anteil an Österreicherinnen in unseren Frauenhäusern beträgt rund die Hälfte. Erschreckend: Fast zwei Drittel der gewalttätigen Partner sind Österreicher.



Im Jahr 2007 fanden 1.641 Frauen und 1.549 Kinder Schutz und Unterkunft in den 26 autonomen österreichischen Frauenhäusern. 54 Prozent waren Migrantinnen und 46 Prozent österreichische Staatsbürgerinnen.

Gewalttätige Partner

Die gewalttätigen Beziehungspartner waren hingegen zu 62 Prozent Österreicher, damit sind fast zwei Drittel der Misshandler Inländer, geht aus der Statistik des AÖF (Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser) hervor. Dabei seien Migrantinnen bei häuslicher Gewalt massiv benachteiligt, sagt AÖF-Geschäftsführerin Maria Rösslhumer.

Migrantinnen
Der Großteil der Migrantinnen in Frauenhäusern 2007 verfügte über eine türkische (acht Prozent) oder über eine serbische Staatsbürgerschaft (zehn Prozent), zwölf Prozent kamen aus anderen EU-Ländern und elf Prozent aus süd-osteuropäischen Ländern.

Insgesamt handelte es sich in 36 Prozent der Fälle um Beziehungen zwischen zwei österreichischen Staatsbürgern, bei 26 Prozent zwischen Migrantin und Österreicher und bei 25 Prozent um Partnerschaften zwischen zwei Migranten.

Von Gewalt betroffen
"Österreicherinnen sind genauso von Gewalt betroffen wie Migrantinnen, allerdings können diese leichter auf andere Ressourcen wie Familie, eigenes Einkommen, Zugang zu Informationen und Anwälte zurückzugreifen", sagt Rösslhumer.

Damit sei der 54-prozentige Anteil an Frauen ohne österreichische Staatsbürgerschaft in den Frauenhäusern mit weitaus mehr Schwierigkeiten konfrontiert: ihr Aufenthaltsstatus sei großteils vollkommen vom Misshandler, sprich Ehemann abhängig, oftmals auch ihre existenzielle Grundlage.

Zugang zum Arbeitsmarkt
Migrantinnen, die von Gewalt betroffen sind, kann der Zugang zum Arbeitsmarkt über die Bundeshöchstzahl-Überziehungs-Verordnung ermöglicht werden. Rösslhumer findet diese Regelung "sehr wichtig, aber unzureichend". Die Beantragung der Beschäftigungsbewilligung obliegt den Arbeitgebern und nicht den betroffenen Frauen.

"Daher ist für von Gewalt betroffenen Migrantinnen die Hürde, eine Arbeit zu finden, sehr hoch und schafft erneut enorme Abhängigkeit", so Rösslhumer. Darüber hinaus biete der Arbeitsmarkt Migrantinnen vorwiegend Jobs im unteren Lohnniveau mit Arbeitszeiten, die sich mit Kinderbetreuungspflichten kaum vereinbaren lassen.

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Faktor Scheidung
Zur wirtschaftlichen Abhängigkeit als ausschlaggebenden Faktor in Gewaltbeziehungen kommt für Migrantinnen auch noch ein gefährdeter Aufenthaltsstatus bei Scheidung hinzu.

Sprachliche Barrieren und traditionelle Familienstrukturen verschärfen die Situation. Aus diesen Gründen sei das Frauenhaus für Migrantinnen, die ihren gewalttätigen Partner verlassen möchten oder vor ihm flüchten müssen, eine wichtige und oft auch die einzige Ressource.

Hilfe für Migrantinnen
Um die Situation von Migrantinnen zu verbessern, fordert der AÖF einen eigenständigen Aufenthaltsstatus der Frauen bei Familienzusammenführung, uneingeschränkten Zugang zum Arbeitsmarkt bei legalem Aufenthalt, den Ausbau der Beratungsangebote in den gängigen Muttersprachen der Frauenhausbewohnerinnen, eine Verbesserung des Zugangs zu Sozialleistungen, wie Familienbeihilfe, Sozialhilfe und Kinderbetreuungsgeld sowie den Zugang zu geförderten Gemeindewohnungen in allen Bundesländern.

Die Benachteiligung von Migrantinnen widerspreche nicht zuletzt der Verpflichtung Österreichs gegen über der UN-Frauenrechtskonvention, die bereits vor 25 Jahren ratifiziert wurde, betont Geschäftsführerin Rösslhumer.
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