Erklärt uns nichts!

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Erklärt uns nichts!

Was Mansplaining bedeutet, erklärt uns - eine Frau. 

Wenn Männer uns Frauen etwas erklären, wovon wir eigentlich mehr Ahnung haben, so fällt das unter "Mansplaining". Wie Sie selbstbewusst und humorvoll kontern können.

Im Büro, im Fitnessstudio, beim Familientreffen und in der Tiefparkgarage beim Ein- oder Ausparken: Kennen wir sie nicht alle - die Herren der Schöpfung, die ungefragt und obendrein äußerst ausführlich ihr Wissen preisgeben? Oder stellen Sie sich vor, Sie haben gerade ein Buch über ein Thema veröffentlicht und kommen auf einer Party mit einem Mann darüber ins Gespräch. Dieser hält Ihnen einen langen Monolog über Ihr (!) Buch -von dem er, so ganz nebenbei angemerkt, lediglich eine Rezension oder einen kleinen Ausschnitt gelesen hat. Selbst Ihren Einwurf, Sie wüssten bestens über das Buch Bescheid, da Sie es ja selbst geschrieben haben, hört Ihr Gesprächspartner erst nach mehrmaliger Wiederholung. Von anschließender Peinlichkeit aber keine Spur.

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Neuer Standardbegriff. Was völlig absurd klingt, ist der Schriftstellerin Rebecca Solnit tatsächlich passiert. Daraufhin veröffentlichte sie 2008 in der "Los Angeles Times" den Essay "Men Explain Things to Me", aus dem später ein international erfolgreiches Sachbuch wurde. Der heutige Begriff des "Mansplaining" tauchte schließlich erst vor einigen Jahren in den USA auf. Wer ihn genau erfunden hat, weiß niemand. Rebecca Solnit lieferte jedenfalls die Grundlage für den Begriff, der seit 2012 viral geht und seit 2014 sogar seinen festen Platz im Oxford English Dictionary hat.

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Ego ohne Ahnung. Männer, die Frauen die Welt erklären - auch wenn diese in manchen Fällen mehr darüber wissen - und es dann nicht einmal peinlich finden, wenn ihr Verhalten "auffliegt". Derartige Szenarien kommen recht häufig vor. Grund sind meist Sozialisation, veraltete Rollenbilder sowie Klischees, die nach wie vor in unserem Mindset verankert sich -ohne dass es uns überhaupt bewusst ist. Allerdings beschreibt das Wort Mansplaining keinen universellen Makel des männlichen Geschlechts, sondern ist schlicht und einfach "die Kreuzung von übertriebenem Selbstbewusstsein und Ahnungslosigkeit", wie Solnit betont. Meistens trifft das erfahrungsgemäß nun öfter einmal auf die werten Gentlemen zu Fakt ist: Mansplaining ist ungefähr so zauberhaft wie Manspreading (Männer, die mit gespreizten Beinen an öffentlichen Orten sitzen und somit mehr Platz einnehmen). Hier ein paar Tipps und Tricks, wie Sie schlagfertig bleiben und selbstbewusst kontern -ohne sich dabei selbst respektlose Angewohnheiten anzueignen:

Erkennen Sie Besserwisser. Mansplainer belehren ihr weibliches Gegenüber, indem sie die Redezeit im Diskurs an sich reißen -womit sie im Übrigen auch eine Form von Macht ausüben. Besagte Herren gehen aus unerfindlichen Gründen davon aus, es einfach besser zu wissen und sprechen uns Frauen damit unsere Kompetenz und Expertise ab. Unser Tipp: Um Mansplainer zu erkennen, fragen Sie sich Folgendes: Habe ich überhaupt nach einer Erklärung bzw. nach Rat gefragt? Gibt es irgendeinen Hinweis darauf, dass ich mit dieser Situation nicht auch alleine zurechtkomme? Schätzt mein Gegenüber meine Kompetenz korrekt ein? Diese Fragen können Sie "Ihrem" Herrklärer im Übrigen durchaus ebenfalls offen stellen.

Gehen Sie in die Offensive. Eines vorweg: Es ist völlig legitim, sich über Mansplaining zu ärgern. Es nervt, es ist anstrengend und es raubt Zeit und Energie. Vom Zuhören, nett Lächeln und immerzu Nicken wird allerdings nichts besser. Denn seien Sie sich bewusst: Mansplaining funktioniert nur, solange Ihr Gegenüber jemanden hat, der ihm -möglichst ohne Widerspruch -zuhört. Das soll natürlich keine Entschuldigung für unangenehme Besserwisser, sondern ein Anstoß dazu sein, aktiv zu werden und für sich selbst einzustehen. Sie kommen nicht drum rum: Mansplaining lässt sich meist nur durch Gegenwind stoppen. Sprechen Sie Ihren Mansplainer direkt auf sein Fehlverhalten an. Achten Sie dabei allerdings darauf, Ich-Botschaften zu senden: "Mir ist aufgefallen, dass Sie mich ständig unterbrechen", könnte eine Aussage in diese Richtung sein. Oder: "Ich empfinde es wiederholt als unangebracht, wenn Sie mich permanent unterbrechen."

Seien Sie selbstbewusst. Machen Sie sich auf keinen Fall klein, das haben Sie nicht nötig! Lassen Sie sich nicht einschüchtern und denken Sie an Ihre persönlichen und/oder beruflichen Kompetenzen und Ihre Souveränität. Teilen Sie Ihr Wissen mit und fordern Sie im Notfall auch ein, dass man(n) Sie respektvoll behandelt -das sollte die Basis jeden Gesprächs, jeder Interaktion sein, ganz gleich ob im beruflichen oder privaten Kontext. Beispielsweise so: "Lassen Sie mich ausreden. Ich möchte meine Ausführungen zu Ende bringen."

Bleiben Sie cool. Lassen Sie sich von einem Mansplainer nicht aus der Ruhe bringen. Denken Sie immer daran: Meistens haben Besserwisser tief drinnen in Wahrheit kein sehr großes Selbstbewusstsein - abermals keine Entschuldigung für unangebrachtes, unhöfliches Verhalten, allerdings ein valider Punkt, um die Dinge nicht ganz so ernst zu nehmen und ab und zu etwas Mitgefühl an den Tag zu legen. Mit Maß und Ziel natürlich und solange Sie Ihre eigenen Grenzen dabei selbst wahren können.

Stellen Sie (Gegen-)Fragen. Indem Sie Fragen stellen, fordern Sie Ihren Mansplainer heraus -und lassen ihn als letztmögliche Konsequenz auflaufen. Haken Sie nach, kontern Sie mit Gegenfragen und fragen Sie Ihr Gegenüber, ob es Ihnen nicht vielleicht sogar passende Fachliteratur zu dem jeweiligen Thema empfehlen kann. Spoiler: Das wird in den allerseltensten Fällen der Fall sein. Denn bedenken Sie eines: Jemand, der Ihnen aus reinem Machtbedürfnis heraus die Welt erklären muss, hat meist weitaus weniger Ahnung von der Materie als Sie selbst. Halten Sie sich das immer wieder vor Augen. Auch direkte Gegenfragen können sehr hilfreich sein: "Wie kommen Sie eigentlich auf die Idee, mir diesen Sachverhalt erklären zu müssen? Weshalb sind Sie der Annahme, dass ich hier etwas nicht verstehe?"

Nehmen Sie es mit Humor. Trotz allen Ärgers kann Mansplaining ab und zu durchaus auch amüsant sein. Fest steht außerdem: Die meisten Frauen haben Mansplaining-Geschichten auf Lager - und über manche Absurditäten lässt es sich doch viel besser lachen oder wundern als ärgern. Eine Extraportion Humor schadet daher auf keinen Fall. Und übrigens: Starke und selbstbewusste Frauen, schön und gut -doch nicht jeder Mann, der versucht, Ihnen etwas zu erklären oder Ihnen zu helfen, ist automatisch ein Mansplainer bzw. Besserwisser. Manche meinen es tatsächlich von Herzen einfach nur gut.
 

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