Verführungskünstlerin

Dita von Teese im Talk

16.11.2018

Die gepflegte Dekadenz der stilvollen Entkleidung ist ihr Markenzeichen: Performance-Künstlerin Dita Von Teese (46) inszeniert sich und die Kunst des Burlesque dieser Tage in Wien. Der MADONNA-Talk.    

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Im Gegensatz zum Striptease, der erotische Unterhaltung bieten soll, geht es im Burlesque um die lustvolle Inspiration. Es ist die Kunst des selbstbewussten Entkleidens ergänzt von grotesken und parodierenden Elementen – ein erotisches Spiel mit Diskretion und Rollenerwartungen. Auch Dita Von Teese, die sich schon als Jugendliche für den Glamour der 30er- und 40er-Jahre interessierte, begann ihre Karriere im einfachen Striptease, über die Jahre entwickelte sie sich jedoch zu einer Ikone des „Neo-Burlesque“. Sie selbst interpretiert sich als Reinkarnation der 1940er-Jahre: „Meine Shows sind eine Hommage an das vergötterte Glamourgirl.“   
 
Wien-Show
In der „The Art of the Teese“-Revue, mit der sie am 20. November in Wien  gastiert, zeigt die 46-Jährige vier ihrer bekanntesten Nummern, darunter den Klassiker „Martini Glass“. Für die Tournee hat sie diesen Standard-Showteil neu choreografiert. Dabei posiert und rekelt sie sich effektreich in einer mit 150.000 Swarovski-Kristallen besetzten Sektschale. MADONNA traf die Performance-Künstlerin vorab zum Talk. 
 
In ein paar Tagen treten Sie in Wien auf – was dürfen wir erwarten? 
Von Teese: Ich war schon oft in Wien, aber noch nie mit meiner Show. Es wird die größte Burlesque-Show der Welt. Ich habe dafür die besten Stripperinnen, von Australien über New York bis Puerto Rico engagiert. Und es gibt so viel Glitzer, Federn und Strasssteine wie nie zuvor. Meine Mission ist nicht eine Peepshow für Männer zu liefern, sondern eine, die Frauen inspiriert.

Gibt es in diesem Rahmen ein Jugendverbot?
Von Teese: Ich ziele auf ein reifes, aufgeschlossenes Publikum. Das ist eine Show für Erwachsene – Kinder haben da keinen Platz. 

Was ist das Erfolgsgeheimnis ihrer Show?
Von Teese: Dass viel mehr Frauen als Männer zusehen (lacht). Die Show zeigt Sensualität und Schönheit in vielen Formen. Es sind nicht nur Models auf der Bühne, sondern auch Allerwelts-Typen und das spricht eben die Frauen an. Das ist keine 08/15 Striptease-Show, sondern große Kunst. 

Liefern Sie auch nackte Tatsachen?
Von Teese: Nein! Ich will die Show im Burlesque-Spirit der 1940er-Jahre halten, deshalb gibt es Nippel–Pflaster und String-Tangas. Es gibt zwar die Illusion von Nacktheit, aber es ist ganz sicher keine Porno-Show. 
 
Was ist Ihr großes Ziel?
Von Teese: Wir liefern eine spielerische Art von Spaß und Erotik. Das Ziel ist, dass mein Publikum dadurch so aufgereizt wird, dass es daheim unter der Bettdecke mit Reizwäsche und Feder-Spielchen munter weitergeht. 

Verkaufen Sie auch heiße Unterwäsche für das Nachspiel zu Hause? 
Von Teese: Ich habe zwar eine Lingerie-Kollektion, wegen der vielen verschiedenen Größen ist es aber zu kompliziert, ­diese bei den Shows zu verkaufen. Aber es gibt ein sehr heißes Tourprogramm und natürlich signierte Fotos. 
 
Hätten Sie gerne in den 1940ern gelebt?
Von Teese: In mancher Weise schon, aber da wäre ich als Burlesque-Künstlerin ­sicher nicht so aufgefallen wie heute. Damals waren Frauen ja vor allem nur ein Objekt der Begierde, heute ist alles anders. Es kommen auch viele Pärchen zu meinen Shows. Ich habe in den 90ern in den Stripklubs angefangen und mich auch für den Playboy ausgezogen – das muss ja auch nicht mehr sein. 
 
Was ist die Kunst der Verführung?
Von Teese: Selbstbewusstsein! Jeder Mensch, der selbstbewusst ist und sich nicht von anderen manipulieren lässt oder auf die Werbung reinfällt, ist Verführerisch. Selbstbewusstsein ist das größte Aphrodisiakum.
 
Sie haben gesagt, dass Sie bereits mehrmals in Wien waren. Was sind Ihre schönsten Erinnerungen oder Lieblingsplätze in der Stadt? 
Von Teese: Ich bin besessen von eurer Geschichte und Kultur und gehe am liebsten ins Sisi Museum. Dazu liebe ich den Life Ball. Mein allererster Auftritt in diesem irre schweren Rosen-Kostüm wird mir für immer unvergessen bleiben. Ich würde auch sofort wiederkommen. Ich warte nur auf eine Einladung. Und natürlich war ich auch beim Opernball. Das war, sagen wir mal, speziell. Sehr wild.  

Wie läuft es in der Liebe? 
Von Teese: Alles gut. Ich bin endlich in einer funktionierenden Partnerschaft. Drama hatte ich in der Liebe ja schon genug. Man durchschreitet ja in seinem Leben viele Phasen von Beziehungen: dramatische, leidenschaftliche oder verrückte Beziehungen. Doch jetzt habe ich nur mehr die schönen Seiten und keine schlechten mehr.

Denkt man da auch an Kinder?
Von Teese: Nein. So wie die Welt gerade läuft, ist es für mich gute Idee, sich aus dem Prozess der Fortpflanzung aus­zuschließen. Wir leiden ohnedies an Überbevölkerung. Ich widme mich lieber ­Tieren. Und mir geht auch nichts ab. Vor allem in den USA würde ich zurzeit kein Kind kriegen wollen.
 
Wegen Trump?
Von Teese: Die ganze Korruption lässt mich nicht mehr ans Gute in der Welt glauben. Das ist aber ein globales Problem. 

Denkt man da mal ans Auswandern? 
Von Teese: Nein. Ich habe eine Zeit lang in Paris gelebt, bin aber ein US-Girl. Ich lebe in Kalifornien, da gibt es zum Glück noch viele weltoffenen Menschen. 
 
Wie lange können und wollen Sie das noch tun, was Sie tun?  
Von Teese: Ich habe vor Kurzem eine Burlesque-Schule in Los Angeles gegründet. Es macht oft mehr Spaß, das zu lehren, als selbst damit auf der Bühne zu stehen. Dieser Beruf hat ja auch ein Ablaufdatum: Ich hätte mit 20 niemals gedacht, dass ich mit 46 noch auf Tour gehen kann. Aber ich werde von Tag zu Tag besser. Deshalb denke ich noch nicht ans Aufhören. 

Ist Ihre Kunst einfach zu lehren?   
Von Teese: Manche Dinge sind recht schwierig zu lehren. Weil es da ja mehr um Gefühle und Reize und weniger um Technik geht. Dazu will ich ja keine Dita-Klone, sondern neue Charaktere finden. 
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