Ivanka Trump

Die wahre First Lady der USA

13.01.2017

Strippenzieherin. Ivanka Trump wird am 20. Jänner zu einer der mächtigsten Frauen der Welt avancieren. Denn sie ist eine der wenigen, auf die ihr Vater Donald hört. Nicht unbedingt die schlechteste Nachricht.

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Melania Trump – auch wenn man es ihr auf den ersten Blick nicht ansieht – ist jetzt 46 Jahre alt. Also schon locker ein paar Jahre über jenem Alter, das ihr eigener Ehemann gerne abfällig als „Check-out time“ bezeichnet. Als das Alter, in dem Frauen für ihn uninteressant werden. Tatsächlich hat der zukünftige US-Präsident seine erste Frau Ivana im Alter von 41 Jahren gegen „ein jüngeres Modell“ eingetauscht, das ihr verblüffend ähnlich sieht. Die, Marla Maples ihr Name, musste schon mit 36 Jahren ihren Platz im goldenen Trump Tower räumen.

Rollentausch. Muss Melania, die in der Diktion ihres Gatten das „Ablaufdatum“ schon überschritten hat, also Angst haben, dass ihr eine Jüngere bald den Rang abläuft? Ja und nein – vielleicht nicht im Trumpschen Ehegemach, sehr wohl aber im Weißen Haus. Denn es ist mittlerweile ein offenes Geheimnis in den USA, dass nicht die gebürtige Slowenin Melania nach der Angelobung von Donald Trump zum US-Präsidenten am 20. Jänner die Rolle der First Lady einnehmen wird. Oder eben nur rein offiziell. Das hat nicht nur etwas damit zu tun, dass Melania vorerst nicht mit nach Washington D.C. ziehen will. Vielmehr ist es so, dass den Part der wichtigsten Frau an der Seite des mächtigsten Mannes der Welt dessen Tochter übernehmen wird: Ivanka Trump. Für sie soll sogar – ebenso für ihren Ehemann Jared – ein Büro im Ostflügel des Weißen Hauses eingerichtet werden, in dem traditionell die First Lady ihren Schreibtisch hat.

Stimme der Vernunft. Der 35-jährigen New Yorkerin den Stempel des perfekten, blonden Barbiepüppchens aufzudrücken wäre zu einfach, ja fast töricht. Denn Ivanka ist eine der wenigen, auf die Donald Trump hört. Angesichts der 140-Zeichen-Wutausbrüche, mit denen ihr Vater bereits jetzt Kongressentscheidungen und Aktienkurse via Twitter beeinflusst, heften sich an sie letzte zivilisatorische Hoffnungen. Sie gilt als die Stimme der Vernunft im exzentrischen  Milliardärs-Clan.

Geheimwaffe. Viel mehr als eine Beraterin (sie sollen fünf Mal am Tag telefonieren) war Ivanka im Wahlkampf für ihren Vater aber vor allem eines: seine Geheimwaffe. Warf ihm jemand Sexismus vor, deutete er einfach neben sich. Zu seiner Tochter, die sich als knallharte Business-Woman (sie ist Vize-Präsidentin des Trump-Imperiums) und liebende Mutter (sie hat drei Kinder) zugleich gibt. Zu Ivanka, die Trump laut dessen eigener Aussage, dazu genötigt habe, ein politisches Programm für Frauenrechte anzugehen. Und wenn Antisemitismus-Vorwürfe laut wurden, ob der wachsenden Begeisterung von Neonazis für Trump? Auch dann verwies er mit Freuden auf seine Tochter. Die war schließlich für ihren Ehemann, den jüdischen Immobilien-Tycoon Jared Kushner, zum Judentum konvertiert.

Vertraute. Ivanka spielt in Trumps Bestreben, US-Präsident zu werden, eine größere Rolle, als man zunächst annehmen würde. Bezeichnend ist eine Szene, die sich kurz nach seinem Wahlsieg zutrug: Nancy Pelosi, Obfrau der Demokraten im Repräsentantenhaus, rief bei Trump an, um mit ihm über Infrastrukturpolitik zu sprechen. Als sie dann das Thema wechselte und ein paar Worte über Frauenpolitik verlieren wollte, tat der zukünftige Präsident etwas Ungewöhnliches: Er gab den Hörer weiter – und zwar an seine Tochter.

Schattenseite. Wer Trump für gefährlich hält und Ivanka für erträglich, der mag sich von der Tatsache beruhigen lassen, dass sie so viel Einfluss auf ihn hat. Doch was die Trumps da machen, hat einen reichlich bitteren Nachgeschmack. Es beginnt damit, dass Ivanka die neu gewonnene Bühne dafür nutzt, ihre Modelinie zu promoten und geschäftliche Interessen der Familie zu vertreten. Und geht damit weiter, dass die Trumps nun ein Anti-Nepotismus-Gesetz kippen wollen, das verhindern soll, dass ein Präsident seinen Clan in Machtpositionen hievt. Tatsächlich hat Trump diese Woche bestätigt, dass er zumindest Schwiegersohn Jared zu seinem Senior Advisor macht.

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