Die neue rote First Lady

Martina Ludwig-Faymann im ersten Interview

Die neue rote First Lady

(c) Achim BieniekMartina Ludwig-Faymann geht der Wahlkampf besonders nahe,denn er belastet sie gleich doppelt: Privat, weil ihr Mann Werner Faymann alsSPÖ-Spitzenkandidat die Partei aus der Krise führen muss, und beruflich, weildie Mutter einer fünfjährigen Tochter auch SPÖ-Abgeordnete im Wiener Landtagist.

„Eigentlich wollte ich im Sommer zum Rauchen aufhören, aber das schaffeich jetzt nicht. Die Anspannung ist einfach zu groß“, erzählt die sympathischeKarrierefrau im MADONNA-Interview, bei dem sie Einblick in das Privatleben mitdem möglichen nächsten Bundeskanzler Werner Faymann gibt.

(c) Achim BieniekEinfaches Leben
Eines zeigt sich ganz deutlich: DasPower-Paar pflegt das Understatement. Fast könnte man sie „die Faymanns vonnebenan“ nennen. Sie wohnen in einem schmucken Einfamilienhaus in Wien-Liesing,ohne großen Luxus. Die Urlaube werden in der Ramsau und in Venedig verbrachtund die fünfjährige Tochter Flora besucht einen öffentlichen Kindergarten.

„Zusätzlichunterstützen mich noch die Großeltern bei der Kinderbetreuung,“ soLudwig-Faymann. Ein Betreuungsmodel, das viele Österreichische Familienpraktizieren. Im MADONNA-Interview erzählt die neue SPÖ-First-Lady, wie sieihren Mann im Wahlkampf unterstützt und welche Ehefehltritte sie ihm nieverzeihen würde.

Frau Ludwig-Faymann, wie fühlen Sie sich, wenn Ihr Mann vonpolitischen Gegnern wie Jörg Haider als „Feigmann“ bezeichnet wird?
Martina Ludwig-Faymann:
Da ich selbst Politikerin bin, kenneich die Härten des Wahlkampfs. Trotzdem lassen mich diese Kommentare nichtkalt. Aber die Verunglimpfungen des Herrn Haider kommentiere ich nicht. SeinPolitstil ist hinlänglich bekannt, da kann sich jeder selbst ein Bild machen.

Als Frau eines Politikers sind Sie unregelmäßigeArbeitszeiten gewohnt. Wie sehr verändert der Wahlkampf Ihr Leben?
Ludwig-Faymann:
Schon der Umstieg von der Landes- in die Bundespolitik vor 18 Monaten hat unserPrivatleben massiv verändert. Der zeitliche Aufwand ist ein Vielfaches. Als Verkehrsministerist Werner viel im Bundesland unterwegs und oft in Brüssel. Das haben wirsicherlich unterschätzt. Unsere fixen Kinosonntage sind seither nicht mehrmöglich. Einmal pro Woche versucht mein Mann, unsere Tochter in denKindergarten zu bringen, und die Morgenstunden gehören auch ihr. Den diesjährigen Sommerurlaub verbringe ichalleine mit un­serer Tochter Flora, Werner kommt zwei Tage auf einen Bauernhofin die Ramsau. Mehr ist zurzeit nicht drinnen.

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Wie hält eine Ehe derartige Belastungsproben aus?
Ludwig-Faymann:
Durch meinen Job bringe ich sicher mehrVerständnis für die Partei und die Politik auf. Zwischendurch gönnen wir unsmanchmal verlängerte Wochenenden, die wir ohne Kind verbringen. Diese Auszeitnehmen wir uns bewusst, egal wie hektisch es ist.

Welchen Fehler könnten Sie ­Ihrem Mann nie verzeihen?
Ludwig-Faymann: Das gibt es nur eines: Untreue. Über ­allesandere kann man reden und eine Lösung finden. Das ist auch eines unsererErfolgsgeheimnisse. Wenn mir etwas in der Beziehung nicht passt, dann sprecheich es sofort an und warte nicht fünf Monate ab, wie sich die Situationentwickelt.

Würden Sie Ihren Mann als „­Frauenversteher“ bezeichnen?
Ludwig-Faymann: Wenn man den Begriff positiv interpretiert,dann auf jeden Fall. Bei einem Dreifrauenhaushalt bleibt ihm gar nichts anderesübrig (lacht). Und Werner ist ein sehr guter Koch. Wenn er Zeit hat, überrascht er mich mit tollenItalienischen-Gerichten.

Werner Faymann bringt aus erster Ehe eine 17-jährige Tochtermit. Wie funktioniert Ihr Patchwork-Modell?
Ludwig-Faymann: Ich habe meinen Mann immer als fürsorglichenVater kennengelernt. Es war immer klar, dass seine erste Tochter Martina jedesWochenende und die Hälfte der Ferien bei uns verbringt. Für mich hatte dieSituation auch Vorteile, weil ich schon vor meiner Schwangerschaft wusste,welcher Vatertyp Werner sein wird. Das ist für eine werdende Mutter beruhigend.

Sie sind selbst Karrierefrau. Was raten Sie Frauen, um Job und Familieerfolgreich zu verbinden?
Ludwig-Faymann: Das muss jede Frau für sich selbstentscheiden. Ich bin nach wenigen Monaten wieder Teilzeit eingestiegen. Aberauch bei mir läuft es manchmal besser und manchmal schlechter. Und dieGroßeltern sind für mich eine große Unterstützung. Aber ich habe trotzdem dasBedürfnis, mit Flora viel Zeit zu verbringen. Meine Tochter nur in der Früh undam Abend zu sehen, ist nicht mein Ding.

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