Die Hoffnung stirbt zuletzt

Hannelore Veit: Zurück in der "Zeit im Bild"

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Zeit im Bild. Ab Donnerstag moderiert Hannelore Veit die ORF-News um 19.30 Uhr. Die Anchorwoman im Karrieretalk.

Bis Oktober 2002 war sie das Gesicht der Zeit im Bild um 19.30 Uhr. Jetzt (ab Donnerstag, 20. 3.) kehrt Hannelore Veit (50) zurück in die wichtigste News-Sendung des Landes. Veit folgt damit Ingrid Thurnher nach, die die ZiB für die Formate Im Zentrum und Runder Tisch verließ. Und erfüllt sich damit einen Traum.
"Bin hier zu Hause". "Ich habe mich in der Zeit im Bild immer zu Hause gefühlt und freue mich sehr über die Rückkehr", so die studierte Philosophin, die zuletzt die ZiBs um 9 Uhr und 13 Uhr moderierte.
In MADONNA verrät Veit, wie sie Kinder (Sohn Alexandre ist 7, Tochter Charlotte 12) und Job unter einen Hut bringt, was sie übers Privat-TV denkt und warum Gerald Gross für sie der ideale Partner ist.

Ab heute sind Sie wieder fix im Team der "Zeit im Bild". Unverhofft kommt oft?
Hannelore Veit:
Sozusagen. Ich war selbst überrascht und es ist alles sehr, sehr schnell gegangen. Da war ein Anruf in der Früh mit einem Angebot, ich habe sofort zugesagt. Ich freue mich sehr über meine Rückkehr in die Hauptabend-Zeit im Bild. Ich habe sie so lange moderiert und mich hier immer zu Hause gefühlt. Auch dass mich der ORF jetzt, wo ich 50 Jahre alt bin, zurückholt, ist ein sehr wichtiges Signal.

Haben Sie selbst angeregt, dass Sie wieder zurück in den Hauptabend möchten?
Veit:
Ich habe den Wunsch vor etwa einem Jahr deponiert, als alles im Umbruch war. Es hat anfangs anders ausgesehen. Doch wie man sieht, stirbt die Hoffnung zuletzt. Es war hart, die ZiB 1 abzugeben. Ich habe auch nie gewusst, warum. Aber im Leben geht es bergauf, bergab und jetzt wieder bergauf. Man muss immer nach vorne schauen und nicht zurück.

Seit Sommer hatten Sie bereits einige Probeläufe mit Ihrem neuen Partner Gerald Gross...
Veit:
Ich mag die Doppelmoderation sehr gerne. Wenn man einen Partner hat, mit dem man gut kann, macht das die Sendung dynamisch – vorausgesetzt, die Chemie stimmt. Man merkt es auf dem Bildschirm, ob sich jemand wohl fühlt oder nicht. Mit Gerald Gross ist es wunderbar, zusammenzuarbeiten. Er ist der ideale Partner.

Inwiefern ändert sich Ihr Tages­ablauf durch den neuen Job?
Veit:
Ich muss Gott sei Dank nicht mehr so früh aufstehen (lacht). Ab jetzt geht die Arbeit erst Mittag los, auch wenn ich natürlich vorher zu Hause die Zeitungen lese. Der spätere Beginn ist gut, denn ich bin absolut kein Morgenmensch.

Sie haben zwei relativ kleine Kinder. Wie gehen die mit Ihren neuen Arbeitszeiten um?
Veit:
Sie sind zwölf und sieben, gehen beide in die Schule und nie vor halb zehn ins Bett. Das heißt, ich sehe sie in der Früh und auch noch am Abend. Das geht. Außerdem moderiere ich nur jede zweite Woche.

Ingrid Thurnher hatte ein Angebot von PULS 4. Wie attraktiv ist es für eine "Zeit im Bild"-Lady wirklich, zum Privatfernsehen zu wechseln?
Veit:
Wenn man beim ORF ist, will man eigentlich nirgendwo anders hin. In Österreich gibt es auch nicht mehrere große Fernsehsender, aus denen man wählen kann. Die Konkurrenz wäre im Ausland, aber dorthin zu wechseln ist schwierig.

Würde Sie ein Umzug reizen?
Veit:
Ich habe in Amerika studiert, vier Jahre in Japan gelebt. Ausland ist für mich immer interessant, weil ich es spannend finde, in einer anderen Kultur zu leben. Aber im Moment ist das kein Thema.

Ist Ihr nächstes Ziel nach der "Zeit im Bild" eine eigene Sendung, etwa "Im Zentrum"?
Veit: I
ch habe mir nie konkrete Ziele gesetzt. Ich bin nicht der Typ, der sagt, in fünf Jahren will ich das und das machen. Im Leben kommt sowieso immer alles anders. Man muss die Chancen nützen, die sich einem bieten. Um Karriere zu machen, braucht man immer auch ein bisschen Glück und man muss zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Das Leben ist nicht durch und durch planbar.

Erfolgreichen Frauen wird oft nachgesagt, sich das Leben gegenseitig schwer zu machen. Wie ist das in der "Zeit im Bild"?
Veit:
Konkurrenzdenken gibt es in der Branche immer. Doch das beschränkt sich nicht auf Frauen. Es spielt sich bei Männern nur subtiler ab. Wir sind in einem Beruf, wo uns viele um den Job beneiden. Das muss man einfach wegstecken. Ich verstehe mich etwa mit Danielle Spera sehr gut. Wir teilen uns seit mehr als zehn Jahren ein Büro, können sehr gut miteinander und sehen uns nicht als Konkurrentinnen.

Wie kann man sich die Karrierefrau Hannelore Veit privat vorstellen? Sind Sie manchmal auch einfach Hausfrau?
Veit:
Ich koche wahnsinnig gerne, aber leider komme ich eher selten dazu.

Wäre es für Sie jemals eine Option gewesen, hauptberuflich nur noch Mutter zu sein?
Veit:
Nein, das kann ich nicht. Ich glaube, ich bin eine bessere Mutter, weil ich auch woanders bin, weil ich ins Büro gehe und arbeite. Als meine Tochter vier oder fünf Jahre alt war, war ich einmal eine Woche lang daheim und sie hat mich gefragt: Mama, wann gehst du endlich wieder ins Büro?

Sind Ihre Kinder denn stolz auf Sie, wenn sie Sie im TV sehen?
Veit:
Nein. Sie sind in einer Welt aufgewachsen, in der Mütter im Fernsehen sind, das ist für sie ganz normal. Sie eifern mir jetzt auch nicht nach, indem sie jetzt selbst ins Fernsehen wollen. Mein Sohn etwa will Pilot oder Dirigent werden, am besten beides (lacht).
Meine Kinder sehen mich auch nicht oft am Bildschirm. Sie sind noch zu jung, um sich wirklich für Nachrichtensendungen zu interessieren.

Wie wichtig ist es Ihnen dennoch, dass Ihre Kinder nachrichteninteressiert werden?
Veit:
Ich glaube, sie interessieren sich schon für Politik, aber ich verlange nicht von ihnen, dass sie die Nachrichten sehen. Ich will ihnen eine weltoffene Einstellung vermitteln, kein egozentrisches Weltbild. Sie sollen offen sein für das, was in der Welt passiert und sich bewusst sein, dass wir in einem Land leben, in dem es uns im Vergleich zu anderen gut geht. Das muss man in diesem Alter nicht unbedingt durch TV-Nachrichten transportieren.