Der beste Zeitpunkt für ein Kind

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Der beste Zeitpunkt für ein Kind

Vom Kinderwunsch bis zur Verhütung: Die besten Gynäkologen geben Antworten auf Frauen-Fragen.

Star-Mütter verschiedenen Alters. Bild: (c) Getty (3)Schwierige Frage: Soll man Kinder eher früh oder besser später bekommen? Gibt es einen Trick gegen die schlechte Laune vor der Regel und welches Verhütungsmittel macht garantiert nicht dick?

Insider-Infos
Fragen, die wohl jede Frau betreffen. Wir baten drei Top-Gynäkologen – Johannes Seidel, Andreas Nather und Marion Rankine (alle im MADONNA-Experten-Pool und als BeraterInnen für unsere Leserinnen aktiv) – um ausführliche Antworten.

Wann ist der beste Zeitpunkt für ein Kind?

Dr. Seidel: Rein biologisch betrachtet ist das dritte Lebensjahrzehnt die beste Dekade für Empfängnis und Austragen eines Kindes: Laut Statistik sind zwischen 25 und 29 Jahren die Risiken für Schwangerschaftskomplikationen (Bluthochdruck, Diabetes) am geringsten. Viele Frauen unterschätzen die biologische Uhr und planen Kinder erst nach 35. Doch die Fruchtbarkeit nimmt ständig ab: Bis zum 30. Lebensjahr liegt die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft pro Zyklus bei 25 bis 30 Prozent und ab 42 nur mehr bei 5 Prozent – regelmäßiger Verkehr vorausgesetzt. Zu uns kommen oft Frauen im Alter von 38, 39 Jahren mit dringlichem Kinderwunsch, wo dann reproduktionsmedizinische Maßnahmen (von hormoneller Stimulation bis zur künstlichen Befruchtung) notwendig sind. Aber auch diese Maßnahmen haben in höherem Alter weniger Erfolgsaussichten. Mit den Jahren nimmt die Zahl und Qualität der Eizellen ab. Und: Das Risiko für eine 20-Jährige, ein Kind mit Down-Syndrom zu bekommen, liegt bei 1:1.000; für eine 40-jährige bei 1:70. Vorteil älterer Schwangerer: Sie gehen mit ihrem Körper meist weniger sorglos um, hören zu rauchen auf und ernähren sich bewusster.

Was kann man gegen schlechte Laune vor der Regel tun?
Dr. Nather: Stimmungsschwankungen, Brustspannen oder Gewichtszunahme durch Wassereinlagerungen sind in der zweiten Zyklushälfte häufig und werden unter dem Begriff prämenstruelles Syndrom zusammengefasst. Zur Therapie: Die Gabe des Hormons Progesteron kann die Beschwerden ebenso verbessern wie die Einnahme der Anti-Baby-Pille. Aber auch Pflanzenarzneien wie Johanniskraut, Melisse oder Mönchspfeffer können helfen. Und viele Frauen sprechen gut auf die kombinierte Gabe von Kalzium, Magnesium, Zink, Vitamin B6, Isoflavonen (Pflanzenhormonen) und Omega-3-Fettsäuren an.

Bekommt man im Schwimmbad leicht eine Scheideninfektion?
Dr. Rankine: Ja, vor allem wenn man empfindlich ist. Eine Pilzinfektion äußert sich in Juckreiz, verbunden mit bröckeligem, weißlichem Ausfluss. Manchmal können auch die Schamlippen anschwellen oder es können Risse um den Scheideneingang entstehen. Pilzinfektionen sind zwar sehr unangenehm, aber harmlos. Allerdings können diese Infektionen sehr hartnäckig sein, da die Schleimhaut durch die Pilze oft irritiert ist und deshalb leichter wieder infiziert werden kann. Im Akutfall hilft nur ein Antimykotikum (Pilzmittel) in Form von Vaginal- oder oralen Tabletten.
Empfindliche Frauen können aber auch selbst vorbeugen und zwar mit sogenannten „Schwimmtampons“ – das sind mit Vaseline überzogene Tampons (erhältlich z.B. im Drogeriemarkt, man kann sie aber auch selber machen). Nicht vergessen: Die Tampons nach dem Schwimmen gleich wieder entfernen und vor dem Schwimmen wieder einführen! Noch mehr Vorbeuge-Tipps unter: www.feminella.at

Sind Regelkrämpfe wirklich immer harmlos?

Dr. Nather: Nein. Es gibt sehr wohl auch Schmerzen, die durch organische Erkrankungen ausgelöst werden. Hinter Regelschmerzen können Erkrankungen wie Myome, Endometriose (gutartige Wucherungen der Gebärmutterschleimhaut) oder Zysten stecken. Die Schmerzen können aber auch Folge mechanischer Verhütungsmittel (wie etwa der Spirale) sein. Auch seelische Belastungen oder Stress können die Symptome verstärken. Bei jungen Mädchen sind Regelschmerzen seltener organisch bedingt. Auslöser sind hier Prostaglandine (Schmerzbotenstoffe), die das Zusammenziehen der Gebärmuttermuskulatur bewirken. Dennoch sollten die Ursachen gynäkologisch abgeklärt werden. Erste Hilfe: Wärmeflasche auf den Bauch legen (löst Gebärmutterkrämpfe) oder Schmerzmittel wie Ibuprofen nehmen, die die Bildung von Prostaglandinen hemmen.

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Soll man während einer Schwangerschaft fliegen?

Dr. Seidel: Prinzipiell ist gegen eine Flugreise in der Schwangerschaft nichts einzuwenden. Die beste Zeit zum Fliegen ist das zweite Schwangerschaftsdrittel. Nur bei Risikoschwangerschaften, wie erhöhtem Früh- oder Fehlgeburtsrisiko oder verkürztem Gebärmutterhals, ist davon abzuraten. Zu beachten ist: Ab der 28. Schwangerschaftswoche verlangen die meisten Fluglinien ärztliche Atteste und ab der 36. Woche werden Schwangere nicht mehr transportiert. Ein Risiko ist die erhöhte Thrombosegefahr: Daher auf ausreichend Flüssigkeit und Bewegung während des Fliegens achten (pro Stunde etwa zehn Minuten herumspazieren). Ab sechs Stunden Flugzeit ist eine Thrombosespritze mit Heparin empfehlenswert.

Wie pflegt man die Intimzone richtig?
Dr. Nather: Den Intimbereich einmal täglich zu waschen, reicht völlig aus – und das am besten abends mit lauwarmem Wasser. Übertriebene Intimhygiene mit alkalischen Reinigungsprodukten (Seife, parfumierte Duschgels) stört die sensible Keimflora der Scheide. Der pH-Wert der Scheide muss sauer bleiben – nur dann ist ausreichender Schutz gegen Pilze und Bakterien gegeben. Noch mehr Tipps zur richtigen Intimpflege unter: www.gesundescheide.at

Kann man auch in der Stillzeit schwanger werden?

Dr. Seidel: Ja! Das Stillen schützt nicht vor dem Eisprung und der Möglichkeit einer erneuten Schwangerschaft. Neben dem Kondom stehen als Verhütungsmethode die (Hormon-)Spirale und eine reine Gestagenpille zur Verfügung. Östrogene dürfen in der Stillzeit nicht zur Anwendung kommen.

Warum kommen jetzt so viele Zwillinge zur Welt?
Dr. Rankine: Bis vor einigen Jahren konnte sich die Statistik auf eine seit einem Jahrhundert gültige Regel verlassen: Auf 85 Schwangerschaften kam eine Zwillingsgeburt. Doch in den vergangenen zwei Jahrzehnten stiegen die Zwillingsgeburten stetig an. Mögliche Gründe dafür: Zwillinge sind eine „Nebenwirkung“ der Fruchtbarkeitsmedizin. Allerdings geht man bei der IVF (künstlichen Befruchtung) wieder Richtung „single Transfers“ zurück. Das heißt, man setzt immer häufiger nur mehr einen Embryo ein (und nicht wie früher gleich zwei oder mehrere). Ein weiterer Grund für den Anstieg der Zwillingsrate: Die Mütter werden immer älter. Und Zwillingsschwangerschaften treten bei älteren Frauen häufiger auf, weil bei älteren Eizellen leichter Chromosomenteilungen auftreten können.

Verhütung: Was wirkt und macht sicher nicht dick?
Dr. Rankine:
Kein Verhütungsmittel ist so sicher wie ein Hormonpräparat. Doch die Garantie, darauf nicht zuzunehmen, gibt es nicht. Wenn Frauen plötzlich mehr Appetit haben, so kann dies aus dem Östrogen-Anteil der Pille resultieren. In diesem Fall kann man auf eine östrogenlose Pille umsteigen (wie zum Beispiel Cerazette), die Hormonspirale oder das Verhütungsstäbchen. Es gibt auch Pillenarten, die entwässern und somit Wassereinlagerungen reduzieren (z.B. Yasmin oder Yasminelle). Ausprobieren! Es gibt für jede Frau das passende Präparat.