Das einkommensabhängige Kindergeld

Debatte: Kindergeld Neu

Das einkommensabhängige Kindergeld

Das einkommensabhängige Kindergeld ist Thema Nummer Eins in Österreichs Familien. Frauen sprechen über Vor- und Nachteile.

„Einkommensabhängiges Kindergeld ist durchaus ein attraktives Angebot, jedoch nur, wenn es auch genügend Betreuungplätze gibt!“, Elli & Matthias Siegert-Zessin erwarten am 1. August Töchterchen Lilly. Bild: (c) FallyZur aktuellen Diskussion über die Reform
Es sind Tausende Fragen, die eine schwangere Frau beschäftigen. Eine davon ist zweifelsohne die wichtige Entscheidung darüber, wie lange man in Karenz bleibt. 36 Monate (436 Euro pro Monat), 24 Monate (624 Euro monatlich) oder 18 Monate (800 Euro pro Monat) – bis vor wenigen Wochen drehten sich die Gedanken auch von Elli Siegert-Zessin (33) um diese drei Varianten. Seit wenigen Wochen sind die Juristin und ihr Ehemann Matthias (32), ebenfalls Jurist, vor die Wahl eines vierten Modells gestellt. Denn auch wenn Töchterchen Lilly bereits (voraussichtlich) am 1. August 2009 zur Welt kommt, könnten die Siegert-Zessins als eines der ersten Elternpaare Österreichs in den Genuss der „Kindergeld-Reform 2010“ kommen.

"Der Staat diskriminiert alleinerziehende Mütter. Paare sind scheinbar mehr wert.", sagt Dörthe Buchmann über ihre Rolle als Alleinerzieherin. Bild: (c) PautyÜbergangsregelung
Ab 1. Jänner plant die Regierung die Einführung des neuen einkommensabhängigen Kindergeldes (MADONNA berichtete in der letzten Ausgabe). Eine Reform, die Eltern insgesamt 14 Monate lang (davon muss zwei Monate der andere Elternteil in Karenz gehen) immerhin monatlich 80 Prozent des letzten Nettogehalts bringt. „Gerade für Besser-Verdiener ist das neue Modell sicher reizvoll, da durch den geringeren Verdienstentgang der Lebensstandard wesentlich leichter haltbar ist“, erklärt Elli Siegert-Zessin, die sich nunmehr aufgrund der Übergangslösung – wer bis jetzt noch keinen Antrag gestellt hat, darf ab 1.1.2010 einkommensabhängiges Kindergeld beziehen (siehe auch Kasten auf Seite 15) – für das Modell entscheiden dürfte. „Diese Übergangslösung für Frauen, die ihr Baby noch in diesem Jahr bekommen, halte ich für sehr fair“, so die werdende Mutter.

Für weniger fair hält Dörthe Buchmann (35) die Diskussion darüber, ob Alleinerzieherinnen die einkommensabhängige Auszahlung 12 Monate oder – wie Paare – 14 Monate erhalten sollen. SPÖ-Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek und ÖVP-Familienstaatssekretärin Christine Marek sorgten mit der hitzigen Debatte darüber in den letzten Wochen für Schlagzeilen. „Wie die Frauenministerin bin ich der Meinung, dass gerade Alleinerzieherinnen nicht benachteiligt werden dürfen“, erklärt Buchmann, die nach der Trennung von dem Vater ihres Sohnes Valentin (3) als Beziehungscoach (www.lebenbewegt.at) allein über die Runden kommen muss. „Es ist hart genug, für das 14 Monate alte Kind eine gute Betreuung zu bekommen, wenn man wieder arbeiten geht.“

"Nur 12 Monate bei einem Baby zu bleiben, halte ich für zu kurz.", so Claudia Hildner, Mutter von Fabian (3) und Leonie (6 Monate). Bild: (c) NiesnerBaustelle Kinderbetreuung
Als absolutes Manko des „Kindergelds Neu“ empfinden die meisten Frauen die Betreuungsmöglichkeiten für unter Zweijährige. „Am Land eine Tagesmutter zu finden, ist sehr schwer – und wenn, extrem teuer“, erzählt Claudia Hildner (26). Die Mutter des 3-jährigen Fabian und der sechs Monate alten Leonie hat sich aus Überzeugung für die längste Karenz-Variante entschieden. „Doch selbst, wenn ich nach einem Jahr die Absicht gehabt hätte, wieder arbeiten zu gehen – es wäre nicht machbar gewesen.“ Ein Argument, dem Frauenministerin und „Kindergeld Neu“-Initiatorin Gabriele Heinisch-Hosek wohl zustimmen muss – auch wenn bereits eifrig an Ausbau und Finanzierung dieser „Baustelle“ gearbeitet wird. Dennoch ist die SPÖ-Politikerin stolz auf die in die Wege geleitete Reform, stellt sie ihrer Meinung nach auch einen gewissen Anreiz für Männer dar,
zumindest zwei Monate beim Nachwuchs zu bleiben.

Chance für Jungfamilien

Auch Marijana und Milos Mitrovic wurden aufgrund der aktuellen Debatte hellhörig. „Ich bin sicher, dass die neue Option vielen Frauen, die einen guten Job haben, Mut macht, schwanger zu werden“, freut sich die Mutter des kleinen Luka (2), die sich ob der Innovation durchaus vorstellen kann, ein zweites Kind zu bekommen. „Bei unserem ersten Kind haben wir die vollen 36 Monate in Anspruch genommen – davon sechs Monate mein Mann“, erzählt Marijana. „Bei unserem zweiten Kind wäre die neue Kindergeld-Variante eine tolle Möglichkeit, da wir somit keine finanziellen Einbußen haben. Und das ist für eine Jungfamilie, die sich etwas aufbauen möchte, wichtig.“ Ebenso wichtig, wie das Stückchen mehr Freiheit für Frauen, wählen zu können.


Die wichtigsten Fragen und Antworten


Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek kämpft für Alleinerzieherinnen. Bild: (c) PautyFür wen wurde das einkommensabhängige Kindergeld ins Leben gerufen?
Das einkommensabhängige Kinderbetreuungsgeld ist ein gutes Angebot an jene Frauen, die rasch wieder in den Beruf einsteigen wollen. Es ist aber auch eine attraktive Möglichkeit für Väter, bei ihrem Kind zuhause zu bleiben. Der finanzielle Anreiz ist sehr hoch! Das Argument vieler Familien, der Vater könne aus finanziellen Gründen nicht in Karenz gehen, zählt nicht mehr.

Ist das Kindergeld an eine vorhergehende Erwerbstätigkeit geknüpft?
Ja, das Kindergeld wird 80 Prozent des letzten Nettobezugs ausmachen (Es werden die letzten drei Monate vor Beginn des Mutterschutzes für die Berechnung herangezogen)– min. 1.000 und max. 2.000 Euro. Selbstständige Erwerbstätige oder freie Mitarbeiter haben den selben Anspruch wie Angestellte. Falls keine Erwerbstätigkeit vorliegt, werden 1.000 Euro ausbezahlt.

Welche Möglichkeiten haben Familien, deren Kinder vor dem 1. 1. 2010 auf die Welt kommen?

Jene Eltern, deren Babys im Jahr 2009 geboren werden und noch keinen Antrag auf Kinderbetreuungsgeld gestellt haben, können ab 1. 1. 2010 das einkommensabhängige Kinderbetreuungsgeld beziehen. Die Übergangsregelung ist vor allem für jene interessant, deren Babys im November und Dezember 09 geboren werden. Diese Eltern beziehen acht Wochen lang Wochengeld und können am 1.1.2010 einkommensabhängiges Kindergeld beziehen, ohne einen Einkommensverlust hinnehmen zu müssen.

Hat das neue Kindergeld auch Nachteile?

Für die Kleinstkinder gibt es noch immer zu wenig Kinderbetreuungsplätze!

Wie hoch ist die Zuverdienstgrenze?

Beim einkommensabhängigen Kindergeld kann bis zu 360 Euro monatlich dazu verdient werden.